<b>„Alle Menschen teilen die Welt“ (Imagine)</b><BR /><BR /><BR />Imagine von John Lennon: „And the world will be as one – Und die Welt wird eins sein“ wird zwar als Softrock bezeichnet, doch als dieser Solo-Song am 11. Oktober 1971 publiziert wurde, nachdem sich The Beatles aufgelöst hatten war Imagine eine Sensation von Kontroversen und Zustimmungen. Allerdings nicht ob der musikalischen Imagination, die sich im schlichten C-Dur bekundet, sondern wegen der antikonformistischen, anarchistischen oder antireligiösen Verse. Indes erfreut uns Imagine als „Hymne der Nationen“ (Jimmy Carter) als Nachdruck des Pazifismus. <BR /><BR /><b>Interaktive Grafik</b><BR /><BR /><BR /> <a href="https://view.genial.ly/5fc8aafd74ef7b0d20769790/vertical-infographic-lennon" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Mehr über das Leben, das Schaffen und die Ermordung von John Lennon vor 40 Jahren erfahren Sie, wenn Sie sich durch die angefügte interaktive Infografik klicken.</a><BR /><BR /><BR /><b>„Wir leben alle in einer einzigen Welt“ (Yoko Ono)</b><BR /><BR />Als John Lennon vorgeworfen wurde , sich mehr dem „Kommunistischen Manifest“ zu nähern als einer weltgültigen Friedens-Laudatio betonte er unmissverständlich die Abneigung gegen den Materialismus mit seiner zweckorientierten Nutzethik aller Vorteile, sowie gegen die hedonistischen Sinnesfreuden: „No need for greed for hunger – brauchen keine Gier/Lust/Sucht für den Hunger!“ (Text 4. Strophe) Lennons Gemahlin Yoko Ono gehmahnte den genannten Antikonformismus der Verse: „Wir leben alle in einer einzigen Welt, ein Land, ein einziges Volk und Nation!“<BR /><BR /><b>John Lennon komponierte Imagine in einem Tag</b><BR /><BR />Anfang 1971 schrieb John Lennon auf einem Steinway in seiner Residenz im Tittenhurst Park im englischen Berkshire die Musik von Imagine – angedacht zunächst nur für Klavier – in Anwesenheit von Yoko Ono in einer Sitzung. Doch woher kamen diese provozierenden Verse, die im musikalischen Stil Soft-Rock Ballade zum Weltereignis der Superlative wurden? Lennon schrieb das Poem beflügelt vom Gedichtbuch „Grapefruit“, das Yoko Ono 1964 verfasst hatte. Doch im Besonderen reizte Lennon das Gedicht „Cloud Piece“ (Wolkenstück) in dem der Vers „Imagine the Clouds“ (Stellen Sie sich die Wolken vor)! Unter dem Synonym „Imagine“ werden uneingeschränkt die Termini neben vorstellen – Vorstellung, Wahrnehmung, Bild, Rahmen, Merkmal oder im Sinne der Ballade Imagine ebenso Funke – als Geniebegriff – von John Lennon eingefangen.<BR /><BR /><b>Christliches Gebetsbuch als Grundlage für Imagine</b><BR /><BR />Indes war Imagine nicht nur von „Cloud Piece“ beeinflusst, sondern auch von einem christlichen Gebetsbuch, das der afroamerikanische Bürgerrechtler, Aktivist, Comedian und Vegetarier Dick Gregory Yoko Ono und John Lennon schenkte, welches mithin als konzeptuelle Grundlage für Imagine verwendet wurde. Gregory war der erste Afroamerikaner der als Comedian vor einem weißen Publikum aufgetreten ist. John Lennon äußerte sich über diese bis dato völlig unbekannte aber wichtige Anregung: <i>„Die Idee des Gebets ist vertrauenswürdig, wenn die Wahrnehmung/Imagine der Welt die des Friedens ist. Doch nicht mit Diskriminierungen diktiert von der Religion – ja gewiss nicht ohne Religion – aber ohne der Gesinnung 'mein Gott ist größer als dein Gott' – dann könnte es wahrhaftig sein!“</i><BR /><BR />Als der Ökumenische Kirchenrat an John Lennon die Bitte richtete: „Können wir nicht den Text verändern und ihn schlicht in 'Imagine one Religion' umbenennen anstatt 'No Religion?'!“ Lennon war naturgemäß konsterniert, weil die Herren die zweckgebundene und humanistische Weltbildbetrachtung von Imagine mit Veränderung untergraben wollten, anstatt sie im Sinne vom Altenglischen gebet wie Bitte, Erbitten für Freiheit und Frieden als Hymne an die Menschheit zu erfassen! <BR /><BR /><b>Yoko, John: Kommunismus – Sozialismus Leitbilder?</b><BR /><BR />„Es gibt keinen echten kommunistischen Staat auf der Welt, und auch wenn ich virtuell in Imagine vom 'Kommunisten Manifest' spreche, so stelle ich mir vor, dass die Religionen, Nationen und die Politiker unwesentlich sind. Ich bin ja bei keiner politischen Bewegung, doch der Sozialismus, den ich meine, ist nicht der aktuelle, der täuschende russische oder chinesische, welcher diesen Diktatoren genehm ist!“ (1980, kurz vor Ermordung) Yoko war ganz seiner Meinung, denn sie bevorzugte, wie John einen menschlichen (englischen) Sozialismus, der wie bei Imagine radikal eine bessere Welt der Zukunft reklamieren sollte. Das Antireligiöse in Imagine wurde allerdings von vielen Kritikern zur Hymne der Atheismus deklariert. Trotzdem war und ist Imagine eine Krönung der Musik-Welt-Geschichte, die sogar in einer musikwissenschaftlichen Dissertation an der Wiener Universität schon vor John Lennons Tod positives Aufsehen erregte!<BR /><BR /><b>Notate zur Rezeption bei Künstlern und Politik</b><BR /><BR />Abgesehen vom ungeheuren Erfolg schon bei der Erscheinung steht Imagine immer noch im Zentrum des Weltgeschehens und zwar zuvörderst bei Künstlern wie Madonna, Joan Baez, Lady Gaga, Elton John, Stevie Wonder u.v.a., die Imagine reinterpretiert haben. Imagine ist auch Angriffsfläche für rechtsradikale Politikerinnen.<BR /><BR />Giorgia Meloni der xenophoben Partei „Fratelli d'Italia“, unterstützte die unterlegene Lega-Gouverneur-Kandidatin der Region Toskana und Lennon Kritikerin Susanna Ceccardi, als diese im Fernsehen sagte: „Das, was wir im Text lesen, ist keine 'Canzone pacifista', es ist eine 'Canzone utopista' oder besser: 'nutopista'“! (Nutopie = eine Imagination – Vorstellung – Bitte von John Lennon. Es bedeutet kein festgelegtes Land, sondern eine neue Gesellschaft für Einwanderungsprobleme) <BR />Meloni machte am 21. Juli 2020 ebenso im Fernsehen den anstößigen Vermerk: „Imagine von John Lennon ist die Hymne einer vereinheitlichten Weltideologie ohne Identität, die nicht zu meiner Bildung gehört!“ <BR /><BR />Bei den XXX Olympischen Spielen 2012 in London und vor Papst Franziskus hingegen wurde Imagine als Friedenshymne zelebriert.<BR /><BR /><BR /><b>„Double Face“ und geplanter Mord in New York</b><BR /><BR />Als am 9. Oktober 1975 Yoko Ono John Lennons zweiten Sohn Sean gebar, verließ der Künstler für fünf Jahre die Musikwelt, um einzig und allein als Familienvater zu sein. Am 17. November 1980 wurde das veröffentlichte Doppel-Album „Double Fantasy“ – Gesang Yoko, Gitarre/Gesang John – als Huldigung an Sohn Sean: „Beautiful Boy! und: „(Just Like) Starting Over – Neuer Beginn“ als unaufhörliche Liebe zu Yoko mit den unsterblich intimen Fotos von Annie Leibovitz zum letztgültigen Vermächtnis. Denn am 8. Dezember 1980 wird John Lennon von Mark David Chapman erschossen. <BR /><BR /><b>„Ich habe keine wirkliche Person umgebracht!“</b><BR /><BR />„Ich laufe hier seit 7 Jahren frei herum. Das ging natürlich als Beatle in England nie“, so John Lennon bei seinem letzten Interview. Er sollte nur mehr vier Stunden leben. Chapman, der Lennon mit vier Schüssen niederstreckte bekannte sich schuldig: „Ich habe keine wirkliche Person umgebracht. Lennon war nur ein Bild auf meinem Cover Album. Er war nicht real.“ Am Nachmittag ließ sich Chapman von Lennon „Double Face“ signieren, er hatte auch den Roman „Fänger im Rogen“ von Jerome David Salinger und Beatle Kassetten mit 14. Stunden Musik bei sich.<BR /><BR /> Chapman ist nach 12 abgelehnten Gnadengesuchen noch im Gefängnis, aber für sein signiertes „Double Face“ wurde von Anonymen fast eine Million Dollar geboten und, skurril genug, auch mit Chapmans Fingerabdrücken! <BR /><BR /><b>„Dies ist meine Aussage. Holden Caulfield“</b><BR /><BR />„Ich war Niemand, bis ich den größten Jemand tötete!“ Nach dem Mord setzte sich Chapman unbeeindruckt auf den Bürgersteig vor dem Eingang von Lennons Wohnung im New Yorker „The Dakota“ und las aus den Roman von Salinger. Im Beisein von Yoko setzen die Beamten Chapman in Handschellen, der auf den Roman blickte und lapidar sagte: „Dies ist meine Aussage. Holden Caulfield.“ <BR /><BR />Chapman, der sich mit dem in New herumirrenden und mit der verabscheuenden Gesellschaft und Umwelt des 16-jährigen Icherzählers Caulfield identifizierte, war schockiert von Lennons Aussage: „Wir sind bekannter als Jesus!“ (1966) Von Drogen heimgesucht sah er 1977 John Lennon auf dem Dach von „The Dakota“ bei einer Fotosession: „Ich weiß noch wie ich auf die Bilder starrte und zu mit sagte: 'Was, wenn ich ihn umbrächte'?.“<BR /><BR /> Für Chapman war sein verhasstes Idol nur noch ein Multimillionär, ein Lügner, ein Verräter der die Religion mit Spott übergossen hatte und der in Imagine die Abschwörung von jeglichem Besitz postulierte! <BR /><BR /> „Imagine all the People <BR /> Sharing all the world“<BR /><BR /><b>Zu Ehren von John Lennon, hier der Text von „Imagine“</b><BR /><BR />Imagine there's no heaven<BR />It's easy if you try<BR />No hell below us<BR />Above us only sky<BR />Imagine all the people<BR />Living for today...<BR /><BR />Imagine there's no countries<BR />It isn't hard to do<BR />Nothing to kill or die for<BR />And no religion too<BR />Imagine all the people<BR />Living life in peace...<BR /><BR />You may say I'm a dreamer<BR />But I'm not the only one<BR />I hope someday you'll join us<BR />And the world will be as one<BR /><BR />Imagine no possessions<BR />I wonder if you can<BR />No need for greed or hunger<BR />A brotherhood of man<BR />Imagine all the people<BR />Sharing all the world...<BR /><BR /><b>Deutsche Übersetzung</b><BR /><BR />Stell dir vor es gibt kein Himmelreich,<BR />es ist leicht es zu versuchen,<BR />keine Hölle unter uns,<BR />über uns nur Himmel.<BR />Stell dir vor alle Menschen,<BR />leben für das „heute“.<BR /><BR />Stell dir vor es gibt keine Länder,<BR />es ist nicht schwer es zu tun,<BR />nichts wofür man morden oder sterben müsste,<BR />und auch keine Religion.<BR />Stell dir vor alle Menschen,<BR />leben in Frieden.<BR /><BR />Du wirst vielleicht sagen ich bin ein Träumer<BR />aber ich bin nicht der Einzige.<BR />Ich hoffe du wirst dich eines Tages uns anschließen,<BR />und die Welt wird eins sein.<BR /><BR />Stell dir vor es gibt keinen Besitz,<BR />ich frag mich ob du das kannst,<BR />kein Grund für Gier oder Hunger,<BR />alle Menschen wären Brüder.<BR />Stell dir vor alle Menschen,<BR />teilen sich die Welt…<BR /><BR /><BR />Video zu <a href="https://www.youtube.com/watch?v=YkgkThdzX-8" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">„Imagine“</a><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />