Montag, 24. August 2015

Meraner Musikwoche: China macht den Anfang

Ein außergewöhnlicher Auftakt: Mit Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie eröffnen der Chor und das Orchester der chinesischen Nationaloper in Peking die 30. Meraner Musikwochen.

Die 30. Meraner Musikwochen.
Die 30. Meraner Musikwochen.

Am 25. August um 20.30 Uhr eröffnen das Orchester und der Chor der chinesischen Nationaloper aus Peking die 30. Ausgabe der Meraner Musikwochen. Am Pult steht Opernchef Yu Feng, Instrumentalsolistin ist Mélodie Zhao. (STOL hat berichtet)

Im Meraner Kursaal wird die in der Schweiz geborene 21-jährige Pianistin mit chinesischen Wurzeln eine Bearbeitung der Chorkantate „Der gelbe Fluss“ des chinesischen Komponisten Xian Xinghai interpretieren.

Danach steht Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie auf dem Programm – in einer Interpretation aus dem „Reich der Mitte“, auf die man durchaus gespannt sein darf.

Die chinesische Nationaloper

Die 1952 gegründete chinesische Nationaloper ist heute die größte Oper in China und im asiatisch-pazifischen Raum. Die Nationaloper unterhält ein Opernensemble, einen Chor, ein sinfonisches Orchester und eigene Werkstätten.

Im Laufe der Jahre arbeitete das Theater mit verschiedenen großen Persönlichkeiten aus der Musik zusammen, unter anderem mit Luciano Pavarotti oder Josè Carreras.

Auch heute noch bleibt dieses Musiktheater dem Prinzip der internationalen Ausrichtung treu und übt weiterhin seine Rolle als eine der wichtigsten Institutionen chinesischer Kultur und als „Brücke“ zur westlichen Musik aus.

Die Instrumentalsolistin Mélodie Zhao

Mélodie Zhao wurde 1994 in Gruyère geboren. Bereits im Alter von drei Jahren nahm sie Klavierunterricht an Chinas Zentralem Konservatorium in Peking. Mit neun Jahren studierte sie im Genfer Konservatorium und arbeitet seit ihrem zwölften Lebensjahr an ihrer internationalen Karriere als Konzertpianistin.

Mit 13 Jahren nahm die Virtuosin die 24 Etüden von Chopin auf, mit 16 die zwölf Transzendentalen Etüden von Liszt und zwischen 17 und 19 Jahren alle Beethoven-Sonaten, die beim Label Claces auf zehn CDs veröffentlicht wurden. 2013 folgten dann Tschaikowskys  Klavierkonzerte Nr. 1 und 2 mit dem Orchestre de la Swiss Romande.

Die Musik in China

Der Bürgerkrieg und die japanische Besatzung (1937–1945) brachten großes Leid über China. Die Musik spendete dem chinesischen Volk dabei Trost und Mut. Ein Beispiel dafür ist Xian Xinghais 1939 entstandenes Chorwerk „Großer Gesang vom Gelben Fluss“.

Mao Zedongs Frau Jiang Qing gab den Auftrag dieses Werk in ein Klavierkonzert umzuarbeiten. Da der Komponist den Sieg der Partei nicht mehr selbst erlebt und in seinem Werk dargestellt hatte, wurden nachträglich die „Internationale“ und die Mao-Hymne „Dongfanghong“ („Der Osten ist rot“) eingefügt.

Ein Team von Komponisten, Pianisten und Arrangeuren erarbeitete gemeinschaftlich das neue Konzert. Der Klavierpart übertraf alles bisher Gehörte und auch die chinesischen Massenmedien sorgten für die angemessene Verbreitung.

Ob es an Jiang Qings Medienmacht oder an der Erhabenheit des Originals liegt – das „Klavierkonzert vom Gelben Fluss“ ist bis heute ein beliebter „Klassiker“ der modernen chinesischen Musik.

stol

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