Sonntag, 15. September 2019

Schluss-Akkord der EAV: Baba, „Banküberfall” & Co...

Früher war klar, was bei der EAV nach „Ba-Ba” kommt: „Banküberfall”. Doch mit Samstagabend steht das „Baba” für den Abschied von „Banküberfall” & Co, zumindest live. Und das letzte Konzert der „1.000 Jahre EAV”-Tour in der Wiener Stadthalle war tatsächlich ein würdiger - weil triumphaler - Schluss-Akkord für die Band rund um Frontman Klaus Eberhartinger und Mastermind Thomas Spitzer.

Die EAV ließ es am Samstag noch einmal krachen. - Foto: APA
Die EAV ließ es am Samstag noch einmal krachen. - Foto: APA

Dabei schwebte „Mr. Everhurtinger”, wie er von seinen Kollegen nach dem Bühnenabsturz auf Burg Clam getauft wurde, eben deswegen jüngst kurz zwischen Spitalo und fatalo - wenn er damals mit dem Kopf auf die Treppenkante der Bühne geknallt wäre, „dann hätte ich keine Sorgen mehr”, wie er zur APA meinte. So waren „nur” sechs Rippen gebrochen und der quirlige 69er käme immer noch wegen der Schmerzmittel-Hochdosierung „durch keine Dopingkontrolle”. Aber das Zeug wirkt: Auf der Stadthallenbühne hat man Eberhartinger kaum etwas von seinen Verletzungen angemerkt, beim „Märchenprinz” tänzelte er fast wie eh und je über sein Bühnenpodest - das Adrenalin tat da wohl ein übriges dazu.

Dreistündige „Einäscherungspartie”

Bei der dreistündigen „Einäscherungspartie” (Eberhartinger) ließ es die Erste Allgemeine Verunsicherung noch einmal so richtig krachen, natürlich vor allem mit einer ganzen Kaskade von Klamauk-Superhits wie „Märchenprinz”, „Banküberfall”, „Küss die Hand, schöne Frau”, „Heiße Nächte in Palermo”, „Samurai”, „Sandlerkönig Eberhard”, „Fata Morgana” etc.

Die häufig auch kritischen und nachdenklichen Töne der Steirer gingen in der 42-jährigen (!) Band-Geschichte im Vergleich dazu eher unter, erfreuten sich meist auch nicht gerade massiven Airplays. Das Anti-Atom-Lied „Burli” wurde vom Bayerischen Rundfunk 1987 gleich auf den Index gesetzt. Dankenswerterweise ließen Spitzer & Co aber beim allerletzten Konzert, das auch vollständig mitgeschnitten wurde, deutlich Platz dafür: Das religionskritische „S'Muatal” war da u.a. ebenso zu hören wie „Heimat”, „Rechts 2/3”, „Neandertal” und der gesungene Sketch „Toleranz” mit Spitzer und Eberhartinger - und auch diese Werke lösten freundlichste Beifallsbekundungen aus.

Aber erwartungsgemäß rissen in der Stadthalle vor allem die bekannten Hadern der Spaß- und Musikprofis die Fans mit. Besonderes Schmankerl: „Der Sandlerkönig Eberhard”, gesungen vom Überraschungsgast Gert Steinbäcker (Ex-STS), dem Vorgänger von Eberhartinger als EAV-Frontman in den 1980er-Jahren. Als letzte Nummer im Hauptprogramm riskierte Eberhartinger wieder den „Tod”, bei dem er auf Burg Clam abgestürzt war. Diesmal verzichtete der Sensenmann auf einen warnenden Wink, dafür spendeten die Fans in der völlig ausverkauften Stadthalle danach Standing Ovations.

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Im Zugaben-Set gab es gleich zwei Überraschungen: Mit Lemo („Gegen den Wind“) erklomm Gaststar Nr. 2 die EAV-Bühne. Und mitten in der traditionellen allerletzten Nummer „Morgen” erhielt die Combo Platin von ihrer Plattenfirma Ariola/Sony Music, skurrilerweise für das bereits 2005 erstveröffentlichte Best-of-Album „100 Jahre EAV - Ihr habt es so gewollt”.

„Vielleicht Phönix-aus-der-Asche-Tour in 3 oder 4 Jahren“

Also: Es war Samstagabend und die Dinge standen schlecht - weil eben das allerletzte EAV-Konzert angekündigt worden war. Andererseits: Es war Samstagabend und die Dinge wendeten sich zum Guten: weil es ein würdiges Abschiedskonzert war, weil es davon ein Video- und Ton-Dokument als „Abschiedsgeschenk” geben wird - und weil Klaus Eberhartinger, der Schlingel, im APA-Gespräch vor kurzem Folgendes gesagt hat: „Es ist keine Folgetournee geplant. Aber man soll nie ausschließen, dass einen der Hafer sticht und wir in drei oder vier Jahren vielleicht eine kurze Phönix-aus-der-Asche-Tour machen.”...

apa

stol