Dienstag, 15. Mai 2018

New Yorker Design trifft Grödner Holz-Know-How

Endlich ist es soweit: Die Studenten der renommierten „Parsons The New School of Design (New York)“ treffen in diesen Tagen in Südtirol ein. Sie verbringen bis 8. Juni 2018 einen Praktikumsmonat in einer Grödner Firma und vertiefen dort jenes Wissen, das sie seit Januar mit Kunst- und Modehistoriker Ulrich Lehmann zum Thema Holzdesign und Holzverarbeitung erworben haben.

Die Studenten der renommierten Parsons The New School of Design in New York kommen nach Gröden, um von den erfahrenen Südtirolern zu lernen. - Foto: 3DW
Badge Local
Die Studenten der renommierten Parsons The New School of Design in New York kommen nach Gröden, um von den erfahrenen Südtirolern zu lernen. - Foto: 3DW

Doch nicht nur für die Studenten werden es vier Wochen voller neuer Erkenntnisse und spannender Erfahrungen sein, auch die heimische Wirtschaft, allen voran Gastgeber 3DW.it, möchte von den innovativen Ideen der New Yorker Design-Szene profitieren und frischen Wind in die Grödner Holzproduktion bringen.

Seit fast zwei Jahren laufen die Vorbereitungen für die Partnerschaft zwischen Nordamerikas bester Designhochschule und 3DW.it. An deren Beginn stand die Zusammenarbeit von Handtaschen-Designer Micheal Nelson mit den Grödner Holzexperten. Der Parsons-Alumni designte in Florenz einige seiner edlen Mini-Handtaschen und suchte einen Produzenten für einen geschnitzten Holzgriff. Den fand er in Gröden, und so nahm die Geschichte ihren Lauf.

Designer begeistert von Gröden

„Micheal war so begeistert von den Menschen in Gröden und ihrer Arbeit, dass er uns in New York sofort davon berichtete“, erinnert sich Lehmann. Es folgte ein erstes Treffen im Big Apple, dann ein Besuch Lehmanns in Südtirol. Nach diesem war auch er von einer Zusammenarbeit überzeugt: „Dieses Zusammenspiel von traditionellem Handwerk, modernsten Maschinen und dem Material Holz ein einfach toll.“

Daraus würden ungeahnte Möglichkeiten für modernes Design und das Zusammenspiel verschiedener Materialien erwachsen. Doch es sind nicht nur die Technik der Holzverarbeitung und die Kombination von Moderne und Tradition, die den gebürtigen Deutschen im Grödnertal so beeindruckt haben. „Die Studenten sollen auch das einmalige soziale Gefüge, die enge Zusammenarbeit der Menschen und die Ökologie des Tales kennenlernen“, erklärt er. In den USA fehle es an vielem davon, und der Zugang zu traditionellen Manufakturen ist quasi unmöglich.

Studenten sollen verstehen, was handwerkliche Arbeit wert ist

Die Designhochschule gehört zur Universitätsgruppe der New School, die bekannt ist für ihre Verbindung von progressivem amerikanischem Gedankengut und kritischer europäischer Philosophie. Zudem hat sie eine starke Tradition in den Sozialwissenschaften.

„Daher passen 3DW.it und Gröden gut zu unserem Ansatz“, sagt Lehmann und ergänzt: „Ich hoffe, dass die Studenten nicht nur lernen, wie ein Originalmaterial zu einem Designobjekt verarbeitet wird. Sie sollen auch verstehen, was die Zusammenarbeit mit einem Produzenten bedeutet und was handwerkliche Arbeit wert ist.“ Denn bisher wissen sie zwar alles über Designsprache und Entwerfen, haben aber noch nicht erlebt, wie die Maschinen und Menschen in einem Betrieb wie 3DW.it arbeiten. Die angehenden Designer kennen auch nur bedingt die Eigenheiten des Werkstoffes Holz sowie die daraus erwachsenden Möglichkeiten und Grenzen. All das sollen sie nun in den vier Wochen in Gröden kennenlernen und somit ihr Wissen im Mode-, Interior- und Produktdesign erweitern.

Begeisterung ist spürbar

Die Begeisterung Lehmanns für das Kursprojekt ist spürbar. Davon angesteckt haben sich gut 40 Studenten um die Teilnahme beworben, die zehn besten wurden ausgewählt. Unter ihnen auch Ryan Haselman, der vor seiner Zeit in der „Parsons The New School of Design“ jahrelang Erfahrungen als Zimmerer, Tischler und Restaurator alter Gebäude sammelte und aktuell in der universitätseigenen Holzwerkstatt arbeitet. Er ist gespannt auf die Reise: „Ich freue mich darauf, eine Firma kennenzulernen, die traditionelles Holzhandwerk und technische Innovation verbindet.“

Dadurch erhoffe er sich eine Verbesserung seiner handwerklichen und technischen Fähigkeiten. Denn, Haselman kommt genauso wie seine Kollegen und Dozent Lehmann nicht vom Big Apple nach Gröden, um 3DW.it die große Welt des Designens zu zeigen, sondern um, mit großer Bescheidenheit und Ehrfurcht ausgestattet, von den erfahrenen Südtirolern zu lernen. Schließlich arbeiten diese seit Generationen mit Holz, jener Materie, die der Mensch nach Stein als zweites systematisch bearbeitet und genutzt hat. In den Augen der „Parsons The New School of Design“ werden in der vierwöchigen Praktikumszeit Egon Bernardi und sein Team von 3DW.it die erfahrenen Lehrer sein.

Einmalige Chance

Dennoch möchten natürlich auch die Grödner etwas von den New Yorkern lernen. „Sie werden uns in die faszinierende Welt des Designs einführen“, ist sich Bernardi sicher. Denn schließlich säßen sie am Puls der Zeit, was Design und Produktentwicklung angeht. „Wir erhoffen uns daher frische Ideen für den Holzsektor“, ergänzt Verkaufsleiter Emil Artuso. Er betreut die Partnerschaft mit der Designhochschule seit dem Start der Verhandlungen und ist genauso begeistert wie sein New Yorker Konterpart Lehmann: „Das Potenzial neuer Designs mit den aktuellsten Möglichkeiten der Produzierbarkeit zu verbinden ist eine einmalige Chance.“

Eine Chance, die Wertigkeit der lokalen, handwerklichen Arbeit anzuheben, sich von der traditionellen Ars Sacra zu lösen und neue Märkte beziehungsweise Produkte zu entdecken. Und das ist nicht nur wirtschaftlich interessant, sondern auch für das Grödner Sozialgefüge. „Denn mit neuen Produkten macht die Arbeit mehr Spaß, und so können wir vielleicht auch wieder mehr Jugendliche für das traditionelle Handwerk begeistern.“ Modernes Design, das nicht nur den Produkten, sondern auch dem Grödner Tal und seiner Wirtschaft gut stehen würde.

stol

stol