Dienstag, 26. September 2017

„Prison Photography“ – Wenn Häftlinge fotografieren

„Prison Photography“ nennt sich das letzte Künstlerbuch, das Nicolò Degiorgis als Gastkurator im Rahmen der kürzlich eröffneten Ausstellung Hämatli & Patriae, entwickelt hat. Das Buch ist in der Museion Passage sowie zeitgleich in einer temporären Ausstellung in der Justizvollzugsanstalt Bozen zu sehen, die am Dienstag vorgestellt wurde.

Das Buch ist sowohl eine Reflexion über die Fotografie, als auch ein Versuch, der Monotonie des Gefängnisalltags zu entkommen. - Foto: Museion
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Das Buch ist sowohl eine Reflexion über die Fotografie, als auch ein Versuch, der Monotonie des Gefängnisalltags zu entkommen. - Foto: Museion

„Prison Photography“ ist eine Sammlung von Schwarz-Weiß-Fotografien, die in den Jahren 2013 bis 2017 von Gefängnisinsassen in Bozen im Rahmen eines von Nicolò Degiorgis im Auftrag der Genossenschaft alfa beta piccadilly geleiteten Fotografiekurses aufgenommen wurden.

Nuzzaci: „Der Kurs hat etwas Befreiendes“

Das Buch ist sowohl eine Reflexion über die Fotografie, als auch ein Versuch, der Monotonie des Gefängnisalltags zu entkommen. „Der Kurs mit Nicolò Degiorgis und damit die Begegnung mit Kunst und Fotografie haben etwas Befreiendes. Die Kunst ist in einem Gefängnis noch wichtiger, weil sie den Insassen die Möglichkeit gibt, sich als Individuen zu fühlen“, sagt die Justizvollzugsanstalt-Direktorin Anna Rita Nuzzaci.

„Die Zusammenarbeit mit der JVA Bozen ist für uns ein Beispiel für eine Kooperation, die nicht selbstverständlich ist. In der Region wurden Synergien aktiviert, die weiter ausgebaut werden können“, erklärt die Direktorin des Museion Letizia Ragaglia, die daran erinnerte, dass „der Dialog mit der Justizvollzugsanstalt am 14. November mit einem runden Tisch im Museion fortgesetzt wird.

Piero Caruso, Ahmed Ali, Nicolò Degiorgis und Mohamed Mustafa Abubaker. - Foto: Museion

Degiorgis erläuterte die Struktur des Buches, das in mehrere Kapitel unterteilt ist, die unterschiedlichen fotografischen Sujets zugeteilt sind, wie Architektur, Porträt und Stillleben. Die der Fotografie in einem isolierenden Ort wie dem Gefängnis naturgemäß auferlegten Grenzen sind der Dreh- und Angelpunkt, um den der gesamte Kurs kreist. „Prison Photography“ist als Abreißblock konzipiert: Jede Seite kann herausgelöst werden, um individuelle Ausstellungen entstehen zu lassen.

Kunst außerhalb des musealen Raums zeigen

Das Projekt Prison Photography ist Teil von „Hämatli & Patriae“. Der Ausstellung gingen fünf Präsentationen von fünf Künstlerbüchern voraus, die im Museion und zeitgleich an fünf Orten in der Region gezeigt wurden, die eine Beziehung zu den Büchern aufweisen. Dahinter steht die Idee, Kunst außerhalb des musealen Raums zu zeigen und daher an Orten, die der Gegenwartskunst nicht zuzuordnen sind.

Außer der Justizvollzugsanstalt in Bozen die seit dem Januar 2007 bespielten Orte waren die Alexander-Langer-Schule in Bozen, die ENI-Siedlung in Borca di Cadore (in Zusammenarbeit mit Dolomiti Contemporanee), das Priesterseminar in Brixen und das Plessi Museum (in Zusammenarbeit mit der Brennerautobahn AG).

stol

stol