Mittwoch, 24. Oktober 2018

Robert Scherer: Retrospektive in Eppan

Anlässlich seines 90. Geburtstages widmet die Gemeinde Eppan an der Weinstraße, in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Künstlerbund und dem KulturKontakt Eppan, dem Maler, Grafiker und Glaskünstler Robert Scherer eine umfassende Retrospektive. Dem äußerst vielseitigen Künstler war das Überetsch 30 Jahre lang Lebens- und Schaffensmittelpunkt, bevor er, seinem „permanenten Drang nach Veränderung“ folgend, seine bisher letzte Heimstätte in Ala bezog.

Robert Scherer. (Archivbild 2008)
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Robert Scherer. (Archivbild 2008) - Foto: © D

Seine bewegte Jugend, geprägt von Katakombenschule, Option und Einsatz als Frontsoldat, hat seinen künstlerischen Werdegang mitbestimmt. Sein äußerst weit gespanntes Schaffensspektrum umfasst große Zyklen an Wandgemälden und Tafelbildern in den verschiedensten Techniken sowie Handzeichnungen und Druckgrafiken; einzigartig sind Scherers Glasskulpturen, in denen die Magie des Lichtes, die den Farben innewohnt, in besonderem Maße wirksam wird. Getreu seinem Leitspruch „Bewegung ist Leben“ bestimmen formtragende expressive Linien weitgehend Scherers künstlerische Handschrift.

Reiches und vielseitiges Lebenswerk

Solch fließende Bewegungsrhythmen in seinen Bildwerken können sich zu einem flächenfüllend wuchernden Geflecht von Figur, Natur und Ornament verdichten. Robert Scherer hat mit seinem reichen und vielseitigen Lebenswerk und seiner unverkennbaren eigenständigen Formensprache das künstlerische Geschehen der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts in Südtirol wesentlich mitgeprägt und damit eine signifikante Vermittlerrolle zwischen Tradition und Moderne eingenommen.

Über fast 7 Jahrzehnte erstreckt sich das künstlerische Werkschaffen des im Jahr 1928 in Kortsch/Vinschgau geborenen Malers, Zeichners, Grafiker und Glaskünstlers Robert Scherer. Zum ersten Mal sind in einer Ausstellung alle fünf von ihm bedienten Werksparten vertreten. Die Schau in den historischen Räumen des Lanserhauses vermag einen Einblick in die Fülle und Vielfalt seines Schaffens zu gewähren. Robert Scherer hat die auf seinem intensiven Studien- und Bildungsweg an der Wiener Akademie der bildenden Künste erhaltenen akademischen Lehren und Impulse zu seiner unverkennbar eigenständigen und eigenwilligen künstlerischen Handschrift zu verarbeiten vermocht. Überdies haben seine zahlreichen Studienaufenthalte und Reiseerlebnisse in vieler Herren Länder sowohl seinen kulturellen Horizont geweitet als auch ihren Niederschlag im formalen Erscheinungsbild seines Werkes gefunden.

 „Bewegung ist Leben“ 

In Scherers Frühwerk - sowohl in seinen episch breiten Wandbildern als auch im Tafelbild und den Grafikblättern - erkennt man ein Substrat, das sich noch an kubistischen Formelementen mit betonter Flächenbrechung orientiert. Seiner persönlichen Devise „Bewegung ist Leben“ und seinem Drang nach „permanenter Veränderung“ entsprechend durchwirkt ein farbig fließend expressives Liniengeflecht weite Teile seiner malerischen Bildsprache. Das Spiel der fließenden Linien als Ordnungselement in der Verflechtung von Figuration und Abstraktion im Netzwerk expressiver Farbakkorde wird zum Markenzeichen seines künstlerischen Selbstverständnisses. Dazu mag wohl das Erbe des österreichischen Expressionismus und ein Erinnerungssubstrat an den ornamentalen Sinn des Jugendstils beigetragen haben.

Magie des Lichtes

Kristian Sotriffer (renommierter Kunstrezensent und Kulturpublizist) glaubte in Robert Scherers Werk (besonders in seinen monumentalen Wandzyklen) insofern einen „Dualismus“ erkannt zu haben, "als das ornamentale grafische Grundmuster dynamisch bewegter linearer Rhythmen sich mit figuraler Körperlichkeit verbindet, die auch im dichten Linienfluss ihre eigene expressiv formulierte Komposition und Struktur bewahrt". Neben diesen stilistisch-formalen Erkennungszeichen tritt auch der Symbolgehalt der Farbe mit intensiver Wirkkraft hervor. Es ist der Akkord von Rot-, Blau- und Gelbtönen in all ihren Nuancen, wobei der Maler dem Licht, seiner Helligkeit und Leuchtkraft zusehend verstärkte Bedeutung zumisst. Solche die Materie durchdringende Transparenz wird in Scherers späteren Aquarellen und materialgemäß am intensivsten in seinen Glasskulpturen sicht- und fühlbar, durch die Magie des Lichtes, die den Farben innewohnt.

Weit gespannter thematischer Horizont

Weit spannt sich auch der thematische Horizont: Neben unzähligen Impressionen von heimatlichen Natur- und Kulturlandschaften stehen Bildmotive, umgesetzt in Skizzen, Zeichnungen und Zyklen, aus seinen vielen Studienreisen und Bildungsaufenthalten (z.B. die Athos-Klöster in Griechenland, Sujets aus Spanien, Marokko/Sahara u.a., und immer wieder "sein" Venedig). Daneben finden wir auch themenbezogene Werkgruppen mit zeitlos gültigen Inhalten aus dem religiösen Bereich (Heilige und Engelwesen), aus der Mythologie, Literatur, Musik (z.B. die "Kindertotenlieder" nach Gustav Mahler), zu Krieg, Menschen in Not, bis hin zu Tod und Verwandlung. Diese können als „metaphorische Deutungsversuche an Mensch und Welt“ verstanden werden, ebenso als Sinnbilder des Lebens, des Seins, als Identitätssuche des Menschen und Künstlers selbst, als Interpretation menschlicher Grundbefindlichkeiten wie Liebe und Leid, Freude und Trauer, die letztendlich im Bewusstsein von Leben, Tod und Jenseits verankert sind. 

Informationen zur Ausstellung

Retrospektive
26. Oktober bis 25. November 2018
Eröffnung: Freitag, 26. Oktober 2018 um 19 Uhr im Lanserhaus
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 15 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr
Eintritt frei

stol

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