Donnerstag, 09. September 2021

Rottenbuch: Alexander Langer-Archiv vorgestellt

Das Archiv von Alexander Langer, insbesondere seine weitgehend unbekannte Privatkorrespondenz, wurde am heutigen Donnerstag im Ansitz Rottenbuch in Bozen vorgestellt.

Am heutigen Donnerstag wurde das Archiv von Alexander Langer, im Ansitz Rottenbuch in Bozen vorgestellt.
Badge Local
Am heutigen Donnerstag wurde das Archiv von Alexander Langer, im Ansitz Rottenbuch in Bozen vorgestellt. - Foto: © lpa
Die archivalische Hinterlassenschaft von Alexander Langer (1946–1995) war im Frühjahr 2021 aufgrund ihrer kulturhistorischen Bedeutung vom Landesdenkmalamt unter Archivschutz gestellt worden. Es folgte im Juni 2021 die Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen der 1999 gegründeten Alexander Langer Stiftung, dem Südtiroler Landesarchiv und der Fondazione Museo Storico del Trentino. Sie ist der Ausgangspunkt für die Aufwertung des Archivs, die zu einer intensiveren Beschäftigung mit dieser intellektuellen und politischen Persönlichkeit der jüngeren Südtiroler Geschichte führen soll.

Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer, die bei der heutigen Vorstellung nicht dabei sein konnte, unterstreicht die Bedeutung der archivalischen Hinterlassenschaft Alexander Langers als materielles Kulturgut: „Wer Langer kannte, kann durch das Archiv die Erinnerung an ihn bewahren. Für die Jugend und die nachfolgenden Generationen ist das Archiv eine Möglichkeit, sein Gedankengut und seine gesellschaftskritischen Beiträge kennenzulernen. Unsere Verantwortung ist es, die Bewahrung und Zugänglichkeit der Archive zu gewährleisten“, so Kuenzer. „Dem muss auch die Digitalisierung Rechnung tragen: Digitale Kopien sollen auch über Jahre und Jahrzehnte lesbar bleiben.“

Alle 3 Institutionen - Alexander Langer Stiftung, Südtiroler Landesarchiv und Fondazione Museo Storico del Trentino - gemeinsam haben am heutigen Donnerstagvormittag in Anwesenheit von Peter Langer, Bruder von Alexander Langer, Einblicke in das umfassende Langer-Archiv mit besonderer Berücksichtigung seiner Korrespondenz gegeben.

Die Unterschutzstellung des Alexander-Langer-Archivs erfolgte aufgrund seiner öffentlichen Relevanz, erklärte Landeskonservatorin Karin Dalla Torre: „Es handelt es sich um ein wichtiges Korpus von Dokumenten, das Langer im Rahmen seiner politischen Tätigkeit und als Botschafter seines Weltbildes aufgebaut hat. Aus Sicht des Landesdenkmalamtes ist es wichtig, dass die Gesellschaft bedeutende Archivbestände wahrnimmt und bewahrt. Die Aufwertung dieses Archivs wird die Aufmerksamkeit um die Person Langers mit Sicherheit erhöhen.“

Europäische Dimension

Das Gedankengut der Persönlichkeit Alexander Langer bekannt zu machen, seine Hauptanliegen, für die er sich Zeit seines Lebens stark machte, wie etwa die „Zehn Punkte des Zusammenlebens“, weiterzuverbreiten: „Das ist Hauptaufgabe der Alexander Langer Stiftung“, unterstrich Giorgio Mezzalira von der Alexander Langer Stiftung. „Langer hatte eine europäische Dimension, er war Vorreiter in vielen Fragen und hat in seinen Schriften zahlreiche topaktuelle Themen vorweggenommen.“

Das Südtiroler Landesarchiv konzentriert sich auf die archivarischen Aspekte, auf die historische Forschung am Archiv und seine Aufwertung, wie Direktorin Christine Roilo im Zuge der Präsentation betonte: „Auch kann der Bestand als noch nicht abgeschlossen betrachtet werden. Die Idee ist, neben der Bewahrung des Archivs künftig auch zusätzliche Unterlagen zu akquirieren und das Archiv Langers wenn möglich zu erweitern.“ Zudem hüte das Landesarchiv weitere Archive und Nachlässe, die denselben Zeitraum betreffen und somit die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen aus verschiedensten Perspektiven nachzeichnen.

Giuseppe Ferrandi, Direktor der „Fondazione Museo Storico del Trentino“ ging auf die enge Zusammenarbeit des Museo Storico del Trentino mit der Langer Stiftung und dem Südtiroler Landesarchiv ein. „Ziel ist es“, so Ferrandi, „das Archiv und die Arbeit der Forschenden zu kommunizieren, sie zugänglicher und bekannter zu machen“. Als museale Einrichtung habe man zahlreiche Möglichkeiten auch auf digitaler Ebene, um einer breiteren Öffentlichkeit Einblicke in das Archivgut zu gewähren.

Ingrid Facchinelli von der Alexander Langer Stiftung hat das Langer-Archiv geordnet und verzeichnet und kennt es somit im Detail: „Das Archiv enthält eine Vielzahl handschriftlicher Notizen und Sammlungen Langers, Drucke, Arbeitsmaterialien, Foto-, Film- und Audiomaterial. Es dokumentiert seine langjährige Tätigkeit als Lehrer, Journalist, Aktivist und Politiker. Über dieses Archiv lässt sich die gesellschaftliche Entwicklung in ganz Europa über Jahrzehnte hinweg nachvollziehen – etwa im Bereich Umweltschutz, Zusammenleben und Minderheiten.“ Besondere Einblicke würden auch seine Schulhefte aus der Mittel- und Oberschulzeit, seine Notizen aus den ersten Jahren als Lehrer, ein Tagebuch aus der Militärzeit, Tagungsbeiträge und Adresssammlungen geben.

Der bisher am wenigsten bekannte Teil des Archivs umfasst die Privatkorrespondenz Alexander Langers: „Sie erzählt viele biografische Details aus einer Zeit, in der Briefe ein wichtiges Kommunikationsmittel waren und lässt sein Netzwerk verschiedenster Kontakte in der ganzen Welt sichtbar werden“, so Facchinelli: „Über die Korrespondenz fand ein tiefgründiger Austausch zu aktuellen Themen statt. Hier tun sich ganz neue Kontexte auf, die weiter erforscht werden können.“ Die Fortsetzung der Inventarisierung des Langer Archivs sei ein Werkzeug, den Zugang dazu zu ermöglichen.

lpa