Nur schade, dass sie nicht viel vom überkandidelten Kunst-Essen hält – und auch nicht im sehr speziellen Plan von Chef Slowik vorgesehen ist. Er bittet sie, zu sich in die Küche und stellt sie vor die mysteriöse Entscheidung, ob sie „zu denen oder zu uns, zu den Nehmern oder den Gebern“ gehören will. In „The Menu“ orchestriert Regisseur Mark Mylod in seinem ersten Kinofilm seit langem einen ganz besonderen Restaurant-Abend, mit der Struktur des titelgebenden Menüs, vom Amuse-bouche bis zum Dessert. Mit jedem Gang wird das ausgefeilte, zuweilen etwas allzu clevere Drehbuch von Seth Reiss und Will Tracy dabei beunruhigender. <BR /><BR />Welche Hauptspeise am Plan steht, sollte lieber nicht verraten werden, auch wenn relativ früh angekündigt wird, was bevorsteht. Das Menü, das Slowik an seinem letzten Abend serviert, ist jedenfalls unbezahlbar. Nur soviel: Auf dem Speiseplan steht Klassenkampf, und jede und jeder der reichen Anwesenden bekommt sein Fett ab. Die Restaurantkritikerin, die einst Slowiks Aufstieg auf den Koch-Olymp ermöglichte ebenso wie die alten Restaurant-Stammkunden, die neureichen Investmentbänker-Jungs oder der ambitionslose Filmstar.<BR /><BR /> „The Menu“ ist kein Horrorfilm, eher eine sehr, sehr schwarze Satire mit simpler Stoßrichtung: nach oben. Anders als in metaphorischen Vorbildern wie Buñuels „Würgeengel“ mit ihrer anspielungsreichen Absurdität, reizt Mylod hier das Setting der geschlossenen Gesellschaft nicht bis zum äußersten Symbolischen aus – auch wenn durchaus Eskalation im Menu enthalten ist. Ralph Fiennes glänzt als strenger Meister, dem man die Verwandlung im Lauf des Abends abnimmt. Als unheimlich-freundliche Chef-Kellnerin Elsa ist Hong Chau das Highlight des Ensembles. Das entscheidende Gewürz in diesem Uhrwerk-Drehbuch ist jedoch Anya Taylor-Joy mit ihrer Figur, die das Geschehen auch für den Meisterkoch unvorhersehbar macht. <BR /><BR />„The Menu“ feierte seine Premiere im September beim Toronto Filmfestival und war bereits auf der Viennale zu sehen. Auch wenn einem das Lachen beim bittersüßen „The Menu“ im Hals stecken bleibt; Hunger auf Haute Cuisine oder einfach nur einen Burger bekommt man nach diesem Film auf jeden Fall.<BR /><BR />Termin: Cineplexx & UCI Kinos