Donnerstag, 12. September 2019

Transart: Weißes Knistern, schwarze Wut

Nach dem fulminanten Auftakt des diesjährigen Transart-Festivals mit dem exzellent inszenierten Stück All the Good am Mittwochabend in der Bozner Bahnhofsremise, geht das Festival am Donnerstag und Freitag in die nächste Runde. Ein zentrales Element von Transart ist stets das Neue in der Musik, so setzt das Festival auch gleich zu Beginn einen besonderen Akzent und zwei einzigartige, hochmoderne Raumsituationen mit avancierten Klängen und Kompositionen: den NOI Techpark und die Stiftung Antonio Dalle Nogare.

Die von Eugene Ughetti konzipierte Intermedia Konzertinstallation Polar Force handelt von der Schönheit, unfasslichen Weite, Fragilität und einzigartigen Komplexität der Antarktis.- Foto: Transart
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Die von Eugene Ughetti konzipierte Intermedia Konzertinstallation Polar Force handelt von der Schönheit, unfasslichen Weite, Fragilität und einzigartigen Komplexität der Antarktis.- Foto: Transart

Experimentell und aktuell ist die die Performance-Installation „Polar Force“ von Eugene Ughetti und Speak Percussion, aufgeführt in einem eigens entwickelten, aufblasbaren Tunnelzelt, das fast schon an ein Iglu erinnert. Die Klangperformance untersucht unser Verhältnis zur natürlichen Welt aus der Perspektive des kältesten, windigsten und trockensten Kontinents der Erde und erzählt von der überwältigenden Schönheit und einzigartigen Komplexität der Antarktis.

Am Freitagabend hält ein fast schon bewährtes Konzept an einem Ort Einzug, der ein besonders erfreulicher Neuzugang unter der Spielstätten des Festivals ist: die weitläufigen Ausstellungsräume des im vergangenen Jahr in eine Stiftung übergegangenen Privatmuseums des Sammlers Antonio Dalle Nogare. Hier wird der Blick zurück gerichtet. Mit John Cage und Julius Eastman werden zwei gänzlich unterschiedliche Künstlerpersönlichkeiten der US-Avantgarde des 20. Jahrhunderts einander gegenübergestellt. 

John Cage, dessen reiches kompositorisches Schaffen ihm die Rolle einer Schlüsselfigur der Neuen Musik sicherte, gilt nach wie vor als einer der weltweit einflussreichsten Komponisten der jüngeren Vergangenheit und genießt auch 27 Jahre nach seinem Tod ungebrochenen Kultstatus. Eine gänzlich anderes Schicksal wurde dem 1990 im Alter von nur 49 Jahren verstorbenen Julius Eastman zuteil, der erst in den letzten Jahren eine schrittweise Wiederentdeckung erlebt: Als hochtalentierter schwarzer, homosexueller Komponist waren ihm Widerstände in Gesellschaft und kulturellem Establishment sicher, nicht umsonst heißen seine Werke etwa "Evil Nigger", "Gay Guerrilla" oder "Crazy Nigger". Das renommierte Berliner Festival Maerzmusik widmete ihm 2017 ein Symposium und einen thematischen Schwerpunkt.

Fünf Stunden lang ist die Konzert-Installation in der Stiftung Dalle Nogare auf selbst wählbaren Pfaden erkundbar, zwischen den Exponaten der Sammlung und der ungeheuren Energie, die sich zwischen der wutentbrannten Musik Eastmans und der zen-philosophischen Gelassenheit von Cage entlädt.

12. September: POLAR FORCE im NOI Techpark, um 18.30 Uhr und um 20.30 Uhr

13. September: INAUDITO Stiftung Dalle Nogare, 18 bis 23 Uhr

Hier geht's zum gesamten Programm von Transart.

stol

stol