Freitag, 24. Juni 2016

25 Jahre "YUxit" - der Zerfall Jugoslawiens

Ein Vierteljahrhundert nach ihrer Unabhängigkeit sind Gesellschaften müssen Slowenien und Kroatien noch einen Problemberg bewältigen.

Stipe Mesic, der letzte Präsident der Republik Jugoslawien und spätere kroatische Staatspräsident.
Stipe Mesic, der letzte Präsident der Republik Jugoslawien und spätere kroatische Staatspräsident. - Foto: © APA/AFP

„Heute dürfen wir träumen“. Mit diesen Worten eröffnete der slowenische Präsident Milan Kucan am 25. Juni 1991 in Ljubljana die Feiern zur Unabhängigkeit des kleinen Alpen-Adria-Landes. Am gleichen Tag erklärte auch der Nachbar Kroatien seinen Austritt aus dem Vielvölkerstaat Jugoslawien.

Im Rückblick sind sich die meisten Medien und Politiker in beiden Ländern einig: Slowenien hat viel mehr aus seinen Chancen gemacht als Kroatien.

Das hängt nach übereinstimmender Meinung vor allem mit dem Bürgerkrieg (1991-1995) in Kroatien zusammen: 16.000 Tote, eine Viertel Million Vertriebene und die weitgehende Zerstörung der Industrie waren ein Ergebnis des Waffengangs zwischen Kroaten und ihrer aus Belgrad unterstützten serbischen Minderheit. Dagegen war die Militäraktion der jugoslawischen Volksarmee (JNA), die nur Stunden nach der Unabhängigkeitserklärung Sloweniens anrollte, schon zehn Tage später beendet.

Während Slowenien „auf der sonnigen Seite der Alpen“ (Tourismuswerbung) schon 2004 der EU und der Nato beitrat, schaffte Kroatien den Sprung in die Nato erst 2009 und in die EU sogar erst vor drei Jahren. Während das Euroland Slowenien schnell zum Musterknaben aufstieg, blieb Kroatien bis heute in vieler Hinsicht ein Problemland: Beispielsweise durch den Streit mit seinen Nachbarn Slowenien, Serbien, Bosnien-Herzegowina.

Doch in beiden Ländern blieb die historische Kluft zwischen Links und Rechts in Gesellschaft und Politik bis heute unüberbrückbar. Wer hat im Zweiten Weltkrieg aufseiten der faschistischen Hitler-Quislinge oder der kommunistischen Partisanen gekämpft? Wer hat welche Rolle in den Kriegen vor 25 Jahren gespielt? Gerade erst hat der slowenische Oppositionsführer Janez Jansa gegen Milan Kucan als „Vater der Unabhängigkeit“ bei Gericht eine Klage wegen Hochverrats eingereicht.

In Kroatien hat die größte Partei, die christlich-konservative HDZ, wieder die alten Grabenkämpfe angezettelt. Nicht nur auf den Fußballplätzen sind faschistische Gesänge zu hören. Selbst Minister werden verdächtigt, faschistische Ideen wieder salonfähig machen zu wollen. Dass die HDZ wegen eines Korruptionsfalls ihres Vorsitzenden in diesem Monat ihre eigene Regierung nach nicht einmal fünf Monaten gestürzt hatte, dürfte demokratiepolitisch auch nur schwer zu vermitteln sein.

Slowenien war Ende 2013 wegen seiner maroden staatlichen Banken in eine bedrohliche Schieflage geraten, konnte dem Eurorettungsschirm aber so gerade noch entkommen. Jetzt geht es nach Überzeugung fast aller Fachleute wieder solide bergauf. Ganz anders in Kroatien: Eine schwerfällige Staatsverwaltung erstickt oft private Unternehmer. Die Korruption ist allgegenwärtig. Eine seit eineinhalb Jahren vorbereitete Bildungsreform ist wegen rechter ideologischer Bedenken auf Eis gelegt. Ein Drittel der drei Millionen Hektar fruchtbarsten Ackerlandes liegt brach, weil sich die Bearbeitung nicht lohnt.

Die Folge ist eine massenhafte Auswanderung vor allem junger, gut ausgebildeter Menschen. Das führt bereits zu einem heimischen Notstand an Pflegekräften und Ärzten in Krankenhäusern. „Kroatien dreht sich 20 Jahre lang im Kreis“, analysierte die renommierte Zagreber Zeitung „Vecernji list“ im Mai: „Es wird die falsche politische Führung gewählt, die das Land nicht gut führt“. Ljubo Jurcic, einer der bekanntesten Wirtschaftsprofessoren, predigt seit langem ein schlichtes Allheilmittel: Die Politiker sollten sich einfach raushalten und die Leute machen lassen.

dpa

stol