Montag, 25. Juli 2016

Ansbacher Attentäter soll IS-Sympathisant sein

Der Selbstmordanschlag von Ansbach soll nach Angaben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann einen islamistischen Hintergrund haben. Der deutsche Bundesinnenminister warnte indes vor einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge.

Polizisten nach der Hausdurchsuchung im bayerischen Ansbach. - Foto: AFP
Polizisten nach der Hausdurchsuchung im bayerischen Ansbach. - Foto: AFP

Nach der Bombenexplosion im fränkischen Ansbach geht die bayerische Landesregierung von einem islamistischen Hintergrund aus. Darauf deuteten die Umstände der Tat „schon sehr“ hin, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Montag in Nürnberg.

Bislang gebe es aber noch keinen Beleg für einen unmittelbaren Bezug zu islamistischen Organisationen. Weder eine Verbindung zum internationalen IS-Terrorismus noch eine psychische Störung des Täters seien auszuschließen, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) fast zeitgleich in Berlin.

De Maizière: "Verstehen die Sorgen der Bevölkerung"

Es könne auch eine Kombination aus beidem sein, so de Maizière. Er verstehe die Sorgen der Bevölkerung. Der Minister mahnte zugleich Besonnenheit und warnte vor einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge. Die ganz große Mehrheit komme nach Deutschland, um hier in Frieden zu leben. „Das muss sauber getrennt werden“, sagte de Maizière.

Keiner der Verletzten befindet sich in Lebensgefahr

Durch die Explosion waren nach neuesten Angaben der Polizei 15 Menschen verletzt worden, vier von ihnen schwer. Wie ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte, schwebt keiner der Verletzten in Lebensgefahr. Ein 27-jähriger Flüchtling aus Syrien soll am Sonntagabend nahe einem Open-Air-Konzert die Bombe gezündet haben. Der mutmaßliche Täter kam dabei ums Leben.

Attentäter soll IS nahegestanden haben

Eine erste Auswertung habe ergeben, dass der Mann Gewaltvideos mit islamistischer Ausrichtung und salafistischem Inhalt dabei hatte, sagte Herrmann. Nach seinen Angaben reiste der Täter am 3. Juli 2014 erstmals nach Deutschland ein. Er habe ab Februar 2015 eine Duldung erhalten, die danach mehrfach verlängert wurde.

Vor nicht einmal zwei Wochen habe die BAMF-Behörde in Nürnberg erneut den Betroffenen aufgefordert, Deutschland innerhalb von 30 Tagen Richtung Bulgarien zu verlassen. Bei der Durchsuchung seiner Asylunterkunft sei auch eine Fülle von Materialien gefunden worden, die zum Bau weiterer Bomben geeignet gewesen wären.

De Maizière versicherte, der Rechtsstaat in Deutschland sei stark und bleibe stark – sowohl im Bund als auch in den Ländern. Die Sicherheitsbehörden würden alles tun, damit solche schrecklichen Gewalttaten nicht wiederholen.

Polizeipräsenz verstärken

„Eine absolute Sicherheit dafür gibt es aber nicht“, sagte de Maizière: „Jeder Fall ist einer zu viel.“
Der Bundesinnenminister sagte, er wolle mit den Amtskollegen in den Ländern über mögliche Schlussfolgerungen beraten.

Die Bundespolizei werde ihre Präsenz an Flughäfen und Bahnhöfen sichtbar verstärken. Zudem werde im Grenzbereich das Instrument der Schleierfahndung angewandt.

dpa

stol