Montag, 15. Juni 2015

Ein Tal in Aufbruchstimmung

Schnalstal: Attraktives touristisches Reiseziel und Gemeinde mit Lebensqualität für die Bewohner

Bildquelle: Dolomiten Archiv/Elke Wasmund
Bildquelle: Dolomiten Archiv/Elke Wasmund

Mit der Jungfernfahrt der Schnalstaler Gletscherbahn am 12. Juli 1975 erwachte ein ganzes Tal aus seinem Dornröschenschlaf – und schlug ein  neues, spannendes Kapitel Südtiroler Tourismus-, Sport- und auch Wirtschaftsgeschichte auf.

Die 40-jährige Geschichte der Schnalstaler Gletscherbahnen ist eng mit dem Wirtschaftsleben im Tal verwoben. Die Bahn, die große Vision des Schnalser Pioniers Leo Gurschler, war einer  der großen  Arbeitgeber im Vinschgau (und ist es mit ihren 80 Angestellten auch heute noch). Zum anderen hat die Inbetriebnahme der „höchsten Seilbahn Südtirols“ im Jahr 1975 zahlreiche Touristen ins Tal gelockt. Diese waren auf der Suche nach urwüchsiger „Bergromantik“, wollten jahrhundertealte Bauernhäuser bewundern und sich im Sommer wie im Winter von der Gletscherbahn in die schneebedeckte Bergwelt auf über 3000 Meter Höhe einschweben lassen.

Bereits mit dem Beschluss, die Seilbahn zu bauen – so berichtet der Schnalser Bürgermeister Karl J. Rainer in seinem Werk „Eine Seilbahn verändert ein Tal“ (erschienen bei Athesia) –, wurde beschlossen, in Kurzras ein Feriendorf mit mindestens 840 Betten zu schaffen. Die Zahl der Übernachtungen stieg  an. Der  Fremdenverkehrsboom versetzte die Schnalser in Aufbruchstimmung. Neue Hotels wurden gebaut, bestehende erweitert und qualitativ  verbessert. Familienpensionen wurden aufgestockt und Bauernhäuser ausgebaut.

Mit dem Bau der Seilbahn und der Erschließung des Hochjochgletschers wurde das Skifahren das ganze Jahr über ermöglicht. So wurde der Schnalstaler Gletscher unter anderem im Herbst Trainingsort für mehrere  internationale Mannschaften, sowohl in den alpinen als auch den nordischen Disziplinen. Der Sommerskilauf erlebte in den ersten 15 Jahren des Bestehens der Bahn einen großen Zuspruch, besonders bei italienischen Gästen. In den vergangenen Jahrzehnten nahm der Sommerskilauf allerdings ab, dafür wurde aber die Wintersaison verlängert. Stichwort: Klimawandel.

Auch die Berglandschaft profitierte vom Fremdenverkehr. Es wurde das Konzept „Urlaub auf dem Bauernhof“ übernommen, Buschenschänke entstanden, die Almen wurden touristisch genutzt, und den Bauern boten sich zahlreiche Möglichkeiten des Nebenerwerbs. Mit dem Schnalstal ging es durch den Bau der Gletscherbahn stets steil bergauf – im wahrsten Sinne des Wortes.

Durch die Zunahme des Tourismus wurden nicht nur im Gastgewerbe neue Arbeitsplätze geschaffen. Auch andere Branchen profitierten davon. So tragen aktuell in der Gemeinde Schnals knapp 40  Handwerksbetriebe zu einem aktiven Wirtschaftsleben bei. In der Gemeinde herrscht  Vollbeschäftigung, die Bevölkerungszahl nahm in den vergangenen Jahrzehnten zu (und blieb stabil), und das Dorf wurde auch für junge Menschen attraktiv. 

Fazit: Das Schnalstal hat sich durch den Bau der Gletscherbahn zu einem attraktiven touristischen Reiseziel entwickelt, wobei Kultur, Tradition, Natur, aber vor allem die Lebensqualität für die Bewohner erhalten geblieben sind. Am Sonntag, 12. Juli, feiert die Bahn ihr 40. Jubiläum.

stol