Freitag, 28. September 2018

Erdogan von Merkel im Kanzleramt in Berlin empfangen

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Freitag zu Mittag im Kanzleramt in Berlin empfangen. Nach einem rund einstündigen Gespräch ist eine gemeinsame Pressekonferenz geplant. Mit Spannung wurde unter anderem erwartet, ob der regierungskritische türkische Journalist Can Dündar unter den Journalisten sein würde.

Der Staatsbesuch Erdogans sorgt in der Türkei für heftige Kritik und Proteste.
Der Staatsbesuch Erdogans sorgt in der Türkei für heftige Kritik und Proteste. - Foto: © APA/AFP

Kurz vor der Pressekonferenz berichteten deutsche und türkische Medien, dass Erdogan von der deutschen Regierung dessen Auslieferung sowie die von 68 weiteren Aktivisten fordert; eine entsprechende Verbalnote wurde demnach Anfang der Woche der Regierung übergeben.

Der 57-jährige Dündar war wegen eines Artikels zu Waffenlieferungen des türkischen Geheimdiensts nach Syrien zu 5 Jahren und 10 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden und lebt deswegen seit mehr als 2 Jahren in Deutschland im Exil. Die türkische Justiz wirft ihm Spionage, Verrat von Staatsgeheimnissen und Propaganda vor.

Der Staatsbesuch Erdogans und das für den Abend im Schloss Bellevue vorgesehene Staatsbankett für den türkischen Präsidenten sorgen wegen der Repressionen gegen Andersdenkende in der Türkei für heftige Kritik und Proteste. Am Nachmittag ist auf dem Potsdamer Platz in Berlin eine Großdemonstration „Erdogan not welcome“ geplant, zu der die Veranstalter rund 10.000 Teilnehmer erwarten.

Unangemeldete Demonstration von Erdogan-Gegnern 

Nach der Ankunft Erdogans in Berlin am Donnerstag brannten in der Nacht auf Freitag in mehreren Bezirken der deutschen Hauptstadt Autoreifen und Mülltonnen. Ob es einen Zusammenhang mit dem Besuch gab, war laut Polizei noch unklar. Im Stadtviertel Kreuzberg fand am Donnerstagabend eine unangemeldete Demonstration von 100 bis 150 Erdogan-Gegnern statt.

Im Regierungsviertel und besonders um das Hotel Adlon am Brandenburger Tor, wo Erdogan wohnt, gab es weiter strenge Sicherheitsvorkehrungen der Stufe eins. Bis zu 4200 Polizisten waren im Einsatz. Der Bereich war komplett gesperrt. Auf dem Adlon waren Scharfschützen postiert. Der Luftraum über Berlin war für private Sportflugzeuge sowie für Drohnen bis Samstagmittag gesperrt.

apa/afp/dpa

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stol