Donnerstag, 04. Januar 2018

EU-Bürger bei Protesten im Iran festgenommen

Das iranische Regime hat die Proteste schon für beendet erklärt. Soziale Medien berichten aber von weiteren Demonstrationen. Der Innenminister spricht von höchstens 42 000 Demonstranten.

Im Zusammenhang mit den regimekritischen Protesten im Iran ist nach offiziellen Angaben ein EU-Bürger festgenommen worden.
Im Zusammenhang mit den regimekritischen Protesten im Iran ist nach offiziellen Angaben ein EU-Bürger festgenommen worden. - Foto: © shutterstock

Im Zusammenhang mit den regimekritischen Protesten im Iran ist nach offiziellen Angaben ein EU-Bürger festgenommen worden. Der Mann sei in der Stadt Borudscherd im Westen des Landes in Haft, sagte der Justizleiter der Stadt, Hamid-Rest Bolhassani, am Donnerstag. Der Nachrichtenagentur Tasnim sagte er, der Festgenommene sei von europäischen Geheimdiensten ausgebildet und nach Borudscherd entsandt worden, um dort die Proteste zu leiten. Er sagte nicht, aus welchem europäischen Land der Mann sei und ob er auch die iranische Nationalität habe.

Ajatollah Ali Chamenei, das politische und religiöse Oberhaupt im Iran, hatte ausländische Kräfte beschuldigt, für die Eskalation der Proteste im Land verantwortlich zu sein.
Gleichzeitig gab es, eine Woche nach Beginn der Proteste, in der Nacht auf Donnerstag weitere Demonstrationen. In sozialen Medien zeigten Aktivisten, Blogger und Journalisten Videos von Kundgebungen, die in unterschiedlichen Städten gefilmt worden sein sollen.

Weitere Protest-Orte

Proteste soll es demnach zum Beispiel in den Städten Noschar im Norden, Sarrin Schar im Osten, Kermanschah im Nordwesten, Bandar Abbas im Süden oder Ahwas und Desful im Südwesten gegeben haben. Ahwas und Desful liegen in der Provinz Chusestan, die ein Zentrum der Proteste ist. Ein Video zeigte Menschen, die Slogans gegen den obersten iranischen Führer Ajatollah Ali Chamenei skandierten. Die Berichte ließen sich unabhängig zunächst nicht bestätigen.
Offensichtlich gab es auch weitere Festnahmen. Die Nachrichtenagentur Tasmin berichtete, dass in der ostiranischen Stadt Birdschand 28 Menschen wegen „illegaler Versammlungen“ in Haft seien.

Ausmaß weiter unklar

Das Ausmaß der Demonstrationen blieb weiter unklar. Innenminister Abdulurea Rahmani Fasli sagte laut der Nachrichtenagentur Isna am Donnerstag, an den Protesten hätten bisher „höchstens 42 000 Menschen“ teilgenommen. Beobachter halten das für untertrieben.
 Staatliche Medien berichten kaum über die Proteste, die am vergangenen Donnerstag mit Kundgebungen gegen die Wirtschafts- und Außenpolitik des Landes begonnen hatten, aber dann zunehmend regimekritisch wurden.

stol