Dienstag, 19. Juli 2016

Flüchtlinge: Italien versorgt 135.000 Personen

Italien versorgt zurzeit 135.583 Menschen in Flüchtlingslagern und anderen Einrichtungen. Dabei handelt es sich um eine Zahl, die gegenüber dem Vorjahr „leicht“ gesunken ist, berichtete der für Migrationsfragen zuständige Staatssekretär, Mario Morcone, in einem Bericht vor dem Parlament in Rom.

417 minderjährige Flüchtlinge beherbegt die Stadt Tarvis und wird dieser 2016 2 Millionen kosten.
417 minderjährige Flüchtlinge beherbegt die Stadt Tarvis und wird dieser 2016 2 Millionen kosten.

Morcone gab zu, dass das italienische Innenministerium mit Problemen bei der Suche von Unterkünften für die Flüchtlinge konfrontiert sei. Problematisch sei vor allem die Situation in Venetien, in der Lombardei und im süditalienischen Kampanien. Das Innenministerium sei um eine „faire Verteilung“ der Flüchtlinge in Italien bemüht. Angesichts der anhaltenden Flüchtlingswelle macht die Regierung in Rom Druck auf die norditalienischen Regionen, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Bisher hätten die süditalienischen Regionen Sizilien, Apulien und Kampanien sowie Latium mit der Hauptstadt Rom die größte Last der Flüchtlingsaufnahme übernommen, hieß es in Rom.

Sorgen in der Grenzstadt Tarvis

In der norditalienischen Grenzstadt Tarvis wächst indes die Sorge der hohen Kosten der Versorgung minderjähriger Flüchtlinge. Die Gemeinde nahe der österreichischen Grenze versorgt derzeit 417 minderjährige Flüchtlinge, die die Gemeindekassen 80 Euro pro Tag kosten. 941.000 Euro hat die Gemeinde seit Anfang 2016 für die jungen Flüchtlinge ausgegeben. Bis Jahresende wird dieser Betrag zwei Millionen Euro zu erreichen, so der Bürgermeister von Tarvis, Roberto Carlantoni. „Das ist viel Geld, das wir zwar vom Staat zurückerstattet bekommen, das wir aber inzwischen aus unserer Tasche zahlen müssen. Es ist schwierig, diese hohen Ausgaben zu rechtfertigen, vor allem wenn man bedenkt, dass auch viele unsere Mitbürger in finanziellen Nöten sind“, betonte Carlantoni nach Angaben der friaulischen Tageszeitung „Il Messaggero Veneto“.

Wirtschaftsflüchtlinge
Die meisten minderjährigen Flüchtlinge stammen aus Pakistan, Marokko und Algerien. „Wir müssen die Ankünfte stoppen, weil wir nicht mehr lang in der Lage sein werden, für die Verpflegungskosten aufzukommen“, erklärte Carlantoni. Seiner Ansicht nach müsse man zwischen Wirtschaftsmigranten und Flüchtlingen unterscheiden. Nur ein minimaler Teil der Minderjährigen, die in Tarvis untergebracht sind, seien Syrer. „Die meisten von ihnen kommen aus wirtschaftlichen Gründen nach Europa“, sagte der Bürgermeister.

apa

stol