Donnerstag, 31. Mai 2018

Fünf Tote bei Protesten in Nicaragua

Bei den anhaltenden Massenprotesten in Nicaragua sind am Mittwoch mindestens fünf Menschen gestorben. Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Regierungsanhängern und -gegnern wurden zudem mehr als 20 Menschen verletzt, wie Polizei und Opposition mitteilten. Präsident Daniel Ortega wies unterdessen Forderungen nach seinem Rücktritt zurück.

Hunderttausende Menschen gingen auf die Straße Foto: APA (AFP)
Hunderttausende Menschen gingen auf die Straße Foto: APA (AFP)

In Nicaraguas Hauptstadt Managua schossen nach Polizeiangaben Vermummte auf Familien, die an einer Kundgebung für die Regierung teilnahmen, und verletzten zwölf Menschen, darunter fünf Polizisten. Zwei Mitglieder der Jugendorganisation der regierenden sandinistischen Partei (FSLN) starben später.

Das nicaraguanische Menschenrechtszentrum berichtete von zwei Toten und zwölf Verletzten bei Zusammenstößen im nördlichen Verwaltungsbezirk Esteli. Ein fünfter Mensch starb, als Regierungsanhänger in Managua das Feuer auf eine Kundgebung eröffneten.

Nicaraguas Präsident Ortega wies unterdessen Forderungen der Opposition nach seinem Rücktritt zurück. „Nicaragua gehört uns allen und wir bleiben alle hier”, sagte er vor mehreren tausend Anhängern in der Hauptstadt. Es war das erste Mal, dass der 72-Jährige öffentlich auf die Forderungen nach vorgezogenen Präsidentschaftswahlen reagierte.

Seit dem Beginn der Massenproteste am 18. April wurden nach neuen Angaben von Menschenrechtsorganisationen und der Polizei mindestens 92 Menschen getötet und mehr als 860 weitere verletzt. Die Wut der Demonstranten hatte sich zunächst gegen Pläne für Rentenkürzungen gerichtet. Ortega zog sie angesichts des Widerstands dagegen schon bald wieder zurück. Der ehemalige Guerillakämpfer regiert Nicaragua seit elf Jahren. Sein jetziges Mandat endet im Jänner 2022.

Vergangene Woche war ein Vermittlungsversuch der katholischen Kirche zur Überwindung der innenpolitischen Krise gescheitert. Der nationale Dialog wurde von der Bischofskonferenz ausgesetzt, weil sich Regierung und Opposition nicht auf eine gemeinsame Agenda einigen konnten.

apa/dpa

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stol