Die geschäftsführende Primarin des Dienstes für Abhängigkeitserkrankungen, Dr. Bettina Meraner, warnt: Nikotin ist eine psychoaktive Substanz, es wirkt im Gehirn – und verändert bei längerer Einnahme die Struktur des Gehirns. Zudem bestehe auch Krebsgefahr.<BR /><BR />Seit Jahren wird auch in Südtirol „gesnust“, berichtet der Leiter des Forums Prävention, Peter Koler. Snusen kommt aus Skandinavien. Die Beutel – Snus – bestehen aus Tabak, Wasser, Salz und Aromen. Diese Snus werden unter die Ober- oder Unterlippe geklemmt, die Beutelchen bleiben dann für mehrere Minuten dort, bis die Wirkung vorüber ist. <BR /><BR />Aber achtung: Solche Beutel sind nicht weniger schädlich als Tabak-Rauchen, warnt Dr. Meraner. Am Zahnfleisch seien große Schäden möglich, es bestehe sogar das Risiko eines Zahnverlusts und auch ein Risiko für Tumorerkrankungen im Mund-Rachen-Raum sowie für Bauchspeicheldrüsenkrebs. <BR /><BR /><embed id="dtext86-59195508_quote" /><BR /><BR />Neben dem Oraltabak Snus gibt es nun – als eine relativ neue Erfindung – auch tabakfreie Nikotinbeutel, sagt Koler. Der Konsum funktioniert wie beim „Snusen“. In diesem Fall wird allerdings Nikotin aufgenommen – jedoch im Unterschied zu Snus kein Tabak. „Die gesamte Nikotinindustrie orientiert sich um zu rauchfreien Produkten“, berichtet Koler. <BR /><BR />In Italien seien die Beutel über das Milleproroghe-Gesetz zunächst zugelassen worden – dann habe es aber Bedenken des Gesundheitsministers gegeben. Sowohl die Nikotinbeutel als auch die Snus seien somit „in Italien weder legal verkaufbar noch legal erwerbbar“. Die Konsumenten kämen trotzdem an ihre Beutel – sie besorgen sich diese online. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="887528_image" /></div> <BR /><BR />Im Unterschied zum Zigaretten-Rauchen erfolgt die Nikotin-Aufnahme mittels Beutel (oder Sackerl) langsamer, erklärt Dr. Meraner. „Das Nikotin bleibt dann auch länger im Körper und man hat nicht die Spitze wie beim Rauchen.“ Der Konsument habe das Gefühl, wacher zu sein und sich besser konzentrieren zu können. <BR /><BR />Das Problem dabei: Werden diese Beutel öfters konsumiert, „dann gewöhnen sich Körper und Gehirn an Nikotin. Führt man Nikotin nicht zu, so bekommt man leichte Entzugserscheinungen. Dann wird man unruhig und nervös, man kann sich nicht konzentrieren und hat dann das Gefühl, wenn man wieder Nikotin nimmt, kann man sich besser konzentrieren“, berichtet Meraner. Irgendwann verlange der Körper eine höhere Dosis. Zudem sei Nikotin in jeder Form schädlich.<h3> Reiz des Verbotenen</h3>Bei Jugendlichen haben die Beutel, die man unter der Lippe platziert, den Reiz des Verbotenen und der Grenzüberschreitung, meint Koler. „Es gibt ihnen einen Kick,wenn sie den Beutel raufschieben.“ Ältere Jugendliche würden die Beutel hingegen dazu verwenden, um mit Schulstress besser umgehen zu können. Die Zahl der Anfragen zu diesem Thema nimmt zu, berichtet Koler: von besorgten Eltern und Schuldirektoren beispielsweise. „Man merkt, es ist ein Thema“, sagt Koler.<BR />