Fachleute halten eine flächendeckende Vorsorgekampagne zu diesem Bakterium auch in Südtirol für sinnvoll. Bis dahin sollte sich jede und jeder zumindest einmal mit dem Thema befassen. <BR /><BR />Ein Bakterium, das ausschließlich den Magen besiedelt und dort Entzündungen der Schleimhaut auslöst: Das ist Helicobacter pylori. „80 Prozent der Betroffenen spüren den Keim nicht. 15 – 20 Prozent aber haben Symptome. Folgen von Helicobacter pylori können ein Geschwür und/oder Magenkrebs sein“, weiß Dr. Peter Malfertheiner.<BR /><BR /> Der Arzt, der aus Seis stammt, gilt als Experte auf dem Gebiet. Er war Klinikdirektor an der Universitätsklinik Magdeburg und ist jetzt als Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig. <BR /><BR />Vor 40 Jahren wurde Helicobacter pylori erstmalig in der Literatur von den beiden Australiern Barry Marshall und John Robin Warren beschrieben, 2005 erhielten sie dafür den Medizin-Nobelpreis. „Sie haben damit eine Revolution ausgelöst. Bis zu diesem Zeitpunkt war man der Meinung, dass der Magen ein steriles Organ sei, den die Magensäure schützt“, erklärt Dr. Malfertheiner. Er berichtet von weltweit einer Million Magenkrebspatienten im Jahr. Bei 90 Prozent der Fälle gebe es einen Zusammenhang mit einer Helicobacter pylori-Infektion. <h3> Südtiroler Hepatitis C – Screening als Vorbild</h3>Wie kann man aber Helicobacter pylori erkennen und behandeln? Das Bakterium lasse sich über serologische Untersuchungen, also Blutproben, über Antigene des Keims im Stuhl oder in der Atemluft nachweisen, weiß der Experte. Übertragen wird der Keim in der Kindheit, meist von der infizierten Mutter. „Er geht dann spontan auch nicht mehr weg. Der Keim infiziert die Magenschleimhaut, die Entzündung wird chronisch und kann zu Vorstufen von Krebs führen“, erläutert der Experte.<BR /><BR /> Helicobacter pylori sei ein absolutes Paradebeispiel, wie unterschiedlich Menschen reagieren können. „Einer spürt keine Symptome, einer bekommt Krebs, ein anderer Ulkus, also ein Geschwür“, so Dr. Malfertheiner. Insbesondere im fortgeschrittenen Alter würde die chronische Infektion mit H. pylori die Menschen krank machen. Gerade bei Magenkrebs sei ab 60 Jahren in über 80 Prozent der Fälle Helicobacter pylori die Ursache. Deswegen müsse man jede Chance nutzen, eine Vorsorge präventiv zu ermöglichen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-59935432_quote" /><BR /><BR />Hierzulande wurde kürzlich eine Vorsorgekampagne durchgeführt, bei der sich die Jahrgänge 1969 bis 1989 auf Hepatits C testen lassen konnten. Hepatitis C gilt als Ursache für Zirrhose und Leberkrebs. „Die Helicobacter pylori Vorsorge ist genauso wichtig wie die Hepatitis C Vorsorge“, sagt Dr. Malfertheiner. Eine Helicobacter pylori-Infektion sei gut behandelbar, wenn man als (asymptomatischer) Patient von der Infektion weiß. Es kann später vor bösen Folgen schützen. <BR /><BR />Dr. Malfertheiner unterstützt deshalb eine Vorsorgekampagne für Helicobacter pylori. Der Mediziner schätzt, dass bis zu 25 Prozent der Südtiroler Bevölkerung mit Helicobacter pylori infiziert ist. „Am besten wäre es, wenn man ein Screening bei der asymptomatischen Bevölkerung durchführt“. Solche Screenings gebe es schon in Ländern wie China oder Taiwan. „Die Gesundheitsverantwortlichen in den Institutionen nennen als Gründe, die dagegen sprechen, die hohen Kosten und eine eventuelle Begrenzung beim Zugang zum Screening“, erklärt Dr. Malfertheiner. <h3> Internationale Tagung am Samstag in Völs</h3>Internationale Experten aus 16 Ländern treffen morgen auf Schloss Prösels zusammen, um sich zum Thema auszutauschen und die Entdeckung vor 40 Jahren zu feiern. „1987 haben wir eine Gruppe, die „European Helicobacter and Microbiota study group„ (EHMSG) gegründet, wir haben entscheidende Forschung betrieben“, erzählt Dr. Peter Malfertheiner. Er sei stolz darauf, dass seitdem so vielen Menschen geholfen werden konnte. <BR /><BR />„Als wir in den 1980er Jahren angefangen haben zu forschen, hat jeder Zehnte ein Geschwür bekommen, weil so viele infiziert waren. Mittlerweile sind wir viel weiter, es gibt Maßnahmen, um den Magen der Menschheit von diesem bedrohlichen Mikroorganismus freizubekommen“, sagt der Arzt. <BR /><BR />Gesprochen wird bei der Tagung auch über mikrobiologische Medizin. Um Helicobacter pylori zu behandeln, werden Säurehemmer in Kombination mit Antibiotika eingesetzt – gegen die viele Bakterien inzwischen aber resistent sind. „Wir werden unter anderem über die positiven Wirkungen von Probiotika diskutieren. Probiotika können bei vielen Menschen die Verträglichkeit von Antibiotika verbessern“, schließt der Experte.<BR />