Samstag, 30. Juni 2018

Großdemo des ÖGB gegen Arbeitszeit-Ausweitung

Der Widerstand gegen die Erhöhung der Maximal-Arbeitszeit erreicht am Samstag mit einer Großdemonstration in Wien seinen vorläufigen Höhepunkt. Auf Initiative des ÖGB werden zehntausende Menschen vom Westbahnhof zum Heldenplatz marschieren, um Widerstand gegen 12-Stunden-Arbeitstag und 60-Stunden-Arbeitswoche zu signalisieren.

ÖGB strikt gegen 12-Stunden-Arbeitstag Foto: APA (Symbolbild)
ÖGB strikt gegen 12-Stunden-Arbeitstag Foto: APA (Symbolbild)

Zwei Kundgebungen sind dabei geplant, eine vor Beginn des Zugs und eine am Abschlussort. Bei letzterer werden sämtliche Vorsitzenden der Teilgewerkschaften und zum Abschluss ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian zu den Demonstranten sprechen. Auch prominente Mitglieder der SPÖ mit Parteichef Christian Kern an der Spitze haben sich für den Protestmarsch angesagt, zu dem ferner Mandatare der Liste Pilz erwartet werden. Die Christgewerkschafter sind ebenfalls mit ihren Spitzen vertreten.

Beschlossen werden sollen die neuen Arbeitszeit-Regeln kommenden Donnerstag im Nationalrat. Die Gewerkschaft hat bereits jetzt für diesen Fall weitere Proteste angekündigt. Streiks werden nicht ausgeschlossen, zudem erwartet man sich eine sehr harte Herbstlohnrunde.

Die geplante Arbeitszeitflexibilisierung ist auch den SPÖ-Frauen ein Dorn im Auge. Sie wird daher im Zentrum der Sommertour stehen, die am Montag in Oberösterreich startet und durch alle Bundesländer führt. Im Rahmen der Tour werden Beratungs- und Hilfseinrichtungen besucht und Straßenaktionen durchgeführt.

Laut aktuellem Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer wollen mehr als zwei Drittel derer, die Überstunden machen und länger als 40 Stunden arbeiten müssen, ihre Arbeitszeit reduzieren. Am häufigsten gelte dies für Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialbereich. Besonders unzufrieden mit langen Arbeitszeiten seien Frauen mit Kindern unter 15 Jahren.

SPÖ-Frauen-Vorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek warnt davor, dass es Frauen aufgrund der neuen Regelungen noch schwerer am Arbeitsplatz haben werden. „Wie soll eine alleinerziehende Mutter, wenn sie womöglich noch pendeln muss, zwölf Stunden am Tag arbeiten? Das kann sich nur jemand ausdenken, der von der Realität absolut keine Ahnung hat”, zeigte sich Heinisch-Hosek verärgert. Gerade in ländlichen Gebieten sei es schwierig, einen Ganztagsplatz zu bekommen, weil viele Kinderbetreuungseinrichtungen bereits zu Mittag zusperren. Kritik übt die Frauenchefin auch an der von Schwarz-Blau nun angekündigten „Freiwilligkeit”: „In Wahrheit wollen sie mit aller Gewalt die 60-Stunden-Woche durchboxen, das ist ein Wahnsinn.”

apa

stol