Sonntag, 04. März 2018

Humanitäre Krise im Südsudan verschärft sich weiter

Die humanitäre Krise im Südsudan verschärft sich weiter. Aufgrund von schlechter Ernte im November 2017, die wegen Regenausfällen zu 50 Prozent zerstört wurde, droht der Hälfte der Bevölkerung eine Hungersnot. „Die kommenden Monate vor der nächsten Ernte im Juni könnten sehr dramatisch werden”, so Helene Unterguggenberger, Südsudan-Projektleiterin der Caritas Österreich, gegenüber der APA.

Stets Unruhe seit der Unabhängigkeit vom Sudan Foto: APA (AFP)
Stets Unruhe seit der Unabhängigkeit vom Sudan Foto: APA (AFP)

Im Jahr 2017 konnte Caritas Österreich nach eigenen Angaben über 100.000 Menschen vor Ort unterstützen. „Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Nothilfe. Wir sind mit einer der schlimmsten humanitären Katastrophen nicht nur in Afrika, sondern womöglich weltweit konfrontiert”, sagt Unterguggenberger. „Etwa ein Drittel der südsudanesischen Bevölkerung ist auf der Flucht - entweder in den Nachbarländern oder intern vertrieben. Derzeit gibt es im Südsudan mindestens 1,9 Millionen Binnenflüchtlinge.” Sehr viele davon seien völlig von der externen Hilfe abhängig.

Der Ernährungsunsicherheitsskala (IPC scale) der UNO zufolge, auf der es fünf Stufen gibt, ist die Hälfte der Bevölkerung Südsudans von den drei dramatischsten betroffen - Krise, Not und Katastrophe. Bei einer Katastrophe, der alarmierendsten Stufe, sind 30 Prozent der Betroffenen akut unterernährt und mehr als zwei von 10.000 Menschen verhungern täglich. „Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren weiter verschlechtert. Die zur Hälfte zerstörte Ernte vom November könnte wirklich verheerende Folgen haben”, warnt die Projektleiterin.

Caritas Österreich unterstützt laut Unterguggenberger etwa 16.000 intern Vertriebene im Flüchtlingslager in der südsudanesischen Hauptstadt Juba. Ein weiteres Flüchtlingslager gibt es in der umkämpften Region Malakal im Norden des Landes und ca. 5.000 Südsudanesen werden in einem Lager im Norduganda betreut. Caritas versorge Flüchtlinge mit Grundnahrungsmitteln wie Mais, Bohnen, Öl und Salz. „Ein weiterer Schwerpunkt unserer Hilfe ist die Landwirtschaft. Wir versorgen und unterstützen rund 3.000 Familien mit Saatgut und Trainings. Unser Ziel ist, Menschen weniger abhängig von der externen Hilfe zu machen und ihnen einen Verdienst zu ermöglichen.”

Für 2018 sei unterdessen die Weiterführung des im Vorjahr gestarteten Programms für Schulkinder geplant. Im nördlichen Südsudan unterstütze Caritas sechs Volksschulen und versucht, täglich eine Mahlzeit für Kinder zur Verfügung zu stellen. „Die Ausbildungssituation ist sehr schlecht. Viele Eltern können sich keine Schulgebühren, die jährlich 30 US-Dollar betragen, leisten. Für jene Kinder, die die Schule besuchen, ist eine Mahlzeit in der Schule extrem wichtig. Wenn sie Hunger haben, können sie sich nicht konzentrieren und werden so nichts lernen”, so die Projektleiterin. Die Alphabetisierungsrate in Südsudan liegt laut UNESCO bei unter 30 Prozent.

apa

stol