Mittwoch, 07. Februar 2018

Irakische Jihadisten gestehen ihre Untaten im Fernsehen

Die Verbrechen der Jihadisten sind oft so grauenhaft, dass sie für die Zuschauer nur schwer erträglich sind. Die Sendung „Die Faust des Gesetzes“ erspart dem Publikum dennoch keine Details. Seit Ende 2013 interviewt Ahmed Hassan für den Staatssender Irakiya immer freitags zu bester Sendezeit ehemalige Gotteskrieger, die wegen „Terrorismus“ zum Tode verurteilt worden sind.

Oft werden die Täter auch mit Angehörigen der Opfer konfrontiert.
Oft werden die Täter auch mit Angehörigen der Opfer konfrontiert.

Nicht jeder findet das richtig, doch für Hassan ist seine Sendung ein Beitrag zum Kampf gegen die Jihadisten. Der „Islamische Staat“ (IS) „hat womöglich militärisch verloren, doch seine Ideologie lebt weiter“, warnt der 36-Jährige, der mit beigem Anzug und brauner Krawatte im Dekor eines Polizeibüros der 1920er-Jahre auftritt. „Seine Anhänger halten die anderen für Ungläubige und werden weiter morden, solange ihre Ideologie fortbesteht.“ Seine Sendung widmet sich jeweils einem Verbrechen – sei es ein Anschlag, ein Massaker oder ein Mord.

Zu Anfang sind stets Bilder des Verbrechens zu sehen – etwa des Massakers von Hit im Westen des Irak, bei dem 2014 50 Mitglieder des Stammes Abu Nimr vom IS exekutiert wurden. Anschließend werden die Jihadisten zurück an den Ort ihrer Tat geführt, um die Einzelheiten der Tat zu erklären. So erzählt der IS-Kämpfer Mithak Hamid Hekmet, wie das Blutbad in Hit abgelaufen ist und wer daran teilnahm.

„Warum habt ihr meine Familie zerstört?“

Oft werden die Täter auch mit Angehörigen der Opfer konfrontiert. „Warum habt ihr meine Söhne Ahmed und Hamid getötet? Warum habt ihr meine Familie zerstört?“, schreit in einer Sendung eine Mutter drei Männer an, die verurteilt wurden wegen des Mordes an ihren Söhnen – zweier Polizisten. „Wie könnt ihr mit den Händen essen, die meinem Sohn in den Kopf geschossen haben?“, fragt eine andere Mutter.

Der Moderator Hassan erhält die Informationen von der Regierung, die auch entscheidet, welche Taten behandelt und welche Häftlinge interviewt werden. Infrage kämen nur Jihadisten, die bereits verurteilt worden sind – teils zu lebenslanger Haft, zumeist aber zum Tode, sagt Hassan. „Einige derjenigen, die ich interviewt habe, sind seitdem hingerichtet worden. Das ist Sache der Justiz, nicht meine“, sagt der Moderator.

Vergangenes Jahr wurden im Irak 106 Menschen hingerichtet, die meisten wegen „Terrorismus“. Laut Artikel 4 des Anti-Terror-Gesetzes droht jedem die Todesstrafe, der Terrorakte verübt, plant, finanziert, unterstützt oder der dazu anstachelt. Nicht nur Iraker werden verurteilt, sondern auch Ausländer. So erhielt erst am 21. Jänner eine Deutsch-Marokkanerin aus Mannheim wegen IS-Mitgliedschaft die Todesstrafe.

Sendung feiert ihre 150. Ausgabe

Hassan versichert, dass alle Jihadisten „freiwillig“ an seiner Sendung teilnehmen, die dieser Tage ihre 150. Ausgabe feiert. Auch sei allen klar, dass sie keinen Strafnachlass erwarten dürfen. „Wenn sie mitmachen, dann weil sie Reue empfinden, ihre furchtbaren Taten zeigen und die Denkweise ihrer Gruppen offenbaren möchten, um andere davon abzubringen, den gleichen Fehler zu begehen“, sagt Hassan.

Menschenrechtsaktivisten finden es problematisch, Todeskandidaten im Fernsehen der Öffentlichkeit vorzuführen, doch Hassan versichert, niemand werde unter Druck gesetzt. Er sagt aber auch: „Wir sind im Krieg, und wir sollten uns lieber für die Rechte der Opfer, als für die der Terroristen interessieren.“

apa/afp

stol