Donnerstag, 21. Mai 2015

Italien: 33 Personen wegen Terrorismus ausgewiesen

Ist Italien eine Drehscheibe für Terroristen? Mit diesem Vorwurf hat die Regierung zu kämpfen, nachdem am Mittwoch ein illegal eingereister, eines Anschlags verdächtiger Marokkaner auf italienischem Boden festgenommen worden war. Im Innenministerium lässt man diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen, obgleich der hier geschilderte Fall zeigt, wie machtlos der Staat eigentlich ist.

2014 wurde 13, heuer bereits 33 Personen aus Italien ausgewiesen.
2014 wurde 13, heuer bereits 33 Personen aus Italien ausgewiesen. - Foto: © APA/EPA

Seit Beginn dieses Jahres sind 33 Personen wegen Terrorverdachts aus Italien ausgewiesen worden. Im Vorjahr waren es noch 13, berichtete der italienische Innenminister Angelino Alfano in einer Ansprache vor dem Parlament am Donnerstag. 

In Rollen gebracht hatte die neuerliche Diskussion der Fall des Verdächtigen Abdel T. Dem Marokkaner werden laut der italienischen Polizei Mord, Entführung und Terrorismus vorgeworfen.

Alfano äußerte sich, nachdem der Mann am Mittwoch wegen des Anschlags auf das tunesische Nationalmuseum mit 24 Toten festgenommen worden war (STOL hat berichtet). Der Innenminister bestätigte, dass der Mann, der an der Vorbereitung des Attentats beteiligt gewesen sein soll, im Februar illegal als Flüchtling auf Sizilien gelandet sei.

Attentäter gibt falsche Identität an

Dabei habe er eine falsche Identität angegeben.

„Damals galt er jedoch nicht als für die internationale Sicherheit gefährlich“, berichtete Alfano. Erst nach dem Anschlag in Tunis sei er aufgrund der Anzeigen Tunesiens international gesucht worden. Ermittlungen rund um den Marokkaner seien noch im Gange, berichtete der Minister.

Grundlage für die Festnahme sei ein von den tunesischen Behörden ausgestellter internationaler Haftbefehl gewesen, teilte Alfano mit. Das Innenministerium in Tunis gab lediglich an, dass zwei Marokkaner und ein Algerier „mit indirektem Zusammenhang“ zu dem Anschlag gesucht würden. Sie hätten „den Angreifern geholfen“. Ob der Festgenommene zu den Gesuchten gehörte, wurde nicht bestätigt.

Verdächtiger hat Italien nie verlassen

Nachdem er illegal nach Italien gereist war, lebte er mit seiner Mutter und zwei Brüdern nahe Mailand.

Die Angehörigen halten sich laut Polizei rechtmäßig im Land auf, der Festgenommene hätte hingegen ausreisen sollen. Er habe Italien aber nie verlassen, sagte ein Bruder.

Anti-Terror-Vorkehrungen in Italien hoch

Italiens Regierungschef Matteo Renzi dankte der Polizei für den Einsatz gegen den Terrorismus. Rechtsparteien werfen der Regierung jedoch vor, Italien zu einer „Drehscheibe für Terroristen“ gemacht zu haben.

Alfano berichtete, dass die Anti-Terror-Vorkehrungen in Italien hoch seien. Kein Land könne jedoch absolute Sicherheit garantieren.

apa/stol/ker

stol