Mittwoch, 11. Mai 2016

Kraft tanken beim "Urlaub von der Pflege"

An die 15.000 Südtiroler und Südtirolerinnen sind auf eine besondere Betreuung und Pflege angewiesen.

13 Teilnehmer haben sich bei "Urlaub von der Pflege" in Lichtenstern eine Auszeit genommen.
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13 Teilnehmer haben sich bei "Urlaub von der Pflege" in Lichtenstern eine Auszeit genommen.

Etwa 4.200 davon sind in Heimen untergebracht, der Großteil jedoch wird mit viel Liebe und Einsatz im eigenen Zuhause durch Familienangehörige umsorgt. Doch die Betreuung eines pflegebedürftigen Menschen ist intensiv und führt manchmal an die Grenzen der eigenen Kraft. Um die Pflegenden zu entlasten, hat der Katholische Familienverband Südtirol (KFS) heuer bereits zum 8. Mal das Seminar „Urlaub von der Pflege“ im Haus der Familie in Lichtenstern angeboten.  

„Rund zehn Prozent der Südtiroler Bevölkerung ist in eine Pflegesituation eingebunden“, schildert Christian Wenter, Primar der Geriatrie im Krankenhaus Meran die Situation. „Für viele ist es eine extrem fordernde Aufgabe, fast schon eine Lebensaufgabe“. Um ein körperliches, geistiges und seelisches Auftanken zu ermöglichen, seien regelmäßige Auszeiten deshalb das Um und Auf. 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben diese Möglichkeit in der vergangenen Woche von Montag, 2. Mai bis Samstag, 7. Mai genutzt und neue Impulse für den Alltag geholt.

„Es gehört zum obersten Gebot dieser Woche, dass die einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst ihre Bedürfnisse bestimmen können und somit auch Platz für individuelle Freiräume bleibt“ berichtet Kursleiterin Hildegard Kreiter. Dem Grundsatz Folge leistend, dass einer der wichtigsten Wege zum ganzheitlichen Wohlbefinden über den Fußweg führt, wurde morgens fleißig geturnt und nachmittags ausgiebig gewandert. Kreatives Gestalten, Singen und ein Volkstanzabend gehörten ebenfalls zum Programm wie die Vorträge mit Dr. Heidi Wachtler vom Dienst für Pflegeeinstufung, Toni Fiung, dem geistlichen Assistenten im KFS und Dr. Christian Wenter.

„Es ist unglaublich wichtig, auch an sich selbst zu denken“, betont der Referent Dr. Christian Wenter, der den Kursteilnehmern am Ritten nahelegte, wie positiv das eigene Wohlbefinden sich auch auf das Wohlbefinden des Pflegebedürftigen auswirke. Meist werde im engsten Kern der Familie gepflegt. Zu 80 Prozent seien es Frauen: Töchter, Schwiegertöchter oder Mütter, die ihre Angehörigen betreuen, viele von ihnen selbst schon im reiferen Alter.

„Ich erlebe es jeden Tag, dass Pflegebedürftige zu uns ins Krankenhaus kommen, weil die Familienangehörigen der Aufgabe nicht mehr gewachsen und überbelastet sind“, berichtet Wenter und ruft pflegende Angehörige auf, sich bewusst solche Auszeiten, wie bei „Urlaub von der Pflege“ zu gönnen. „Es braucht einen langen Atem, um Pflegende dazu zu bringen, sich auch nur für kurze Zeit aus der Betreuungssituation zu lösen. Solche Initiativen brauchen einen langen Atem und natürlich ein aktives funktionierendes Betreuungsnetz und genügend Anlaufstellen.“

„Ich bin jedes Jahr aufs Neue erstaunt, welche positiven Veränderungen sich am Ende der Woche bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern abzeichnen“, berichtet auch Kräuterpädagogin und Kneipptrainerin Hildegard Kreiter, die bereits seit mehreren Jahren das KFS-Seminar leitet. Die Gruppe sei zusehends mehr zusammengewachsen, habe sich ausgetauscht und gemeinsam gelacht.

Das Erholungsseminar „Urlaub von der Pflege“ wird vom KFS gemeinsam mit dem Haus der Familie organisiert und auch im kommenden Jahr eine Neuauflage erfahren.

Katholischer Familienverband Südtirol (KFS), Bozen

stol