Sonntag, 24. Juni 2018

Lifeline lädt Salvini an Bord ein

Die Crew des Rettungsschiffs „Lifeline“ hat Italiens Innenminister Matteo Salvini zu einem Besuch an Bord eingeladen. „Herr Salvini, wir haben kein Menschenfleisch, sondern Personen an Bord. Wir laden Sie ein, damit sie sich überzeugen können, dass wir Menschen vor dem Ertrinken gerettet haben“, so in einem Tweet am Sonntag.

Die „Lifeline“ ist seit Donnerstag auf Irrfahrt auf dem Mittelmeer.
Die „Lifeline“ ist seit Donnerstag auf Irrfahrt auf dem Mittelmeer. - Foto: © APA/AFP

Schiffskapitän Klaus Peter betonte, er fürchte nicht die Festnahme, sollte er in einem italienischen Hafen eintreffen, wie Salvini droht. „Ich möchte Herrn Salvini zu einer Reise mit uns einladen. So kann er die dramatischen Szenarien im Meer begreifen.

Niemand an Bord dieses Schiffes verdient einen Euro von den Rettungseinsätzen. Wir sind alle ehrenamtliche Helfer“, so Peter im Interview mit dem italienischen Radiosender Radio Capital.

Die „Lifeline“ ist seit Donnerstag auf Irrfahrt auf dem Mittelmeer. Sowohl Italien als auch Malta verweigerten dem Schiff der deutschen Organisation „Mission Lifeline“ die Einfahrt in einen Hafen. Salvini drohte Hilfsorganisationen mit der Beschlagnahmung ihrer Schiffe und der Festnahme der Besatzung. Migranten nannte er dabei „Menschenfleisch“.

„Die Einwanderungsproblematik ist zur Atombombe geworden“

Salvinis Vorgänger Marco Minniti warnte vor der Isolierung Italiens und der Implosion der EU wegen der Flüchtlingskrise. „Seit einem Jahr war ein Dialog zwischen EU und Afrika im Gange, die Zahl der Migrantenankünfte in Italien war drastisch gesunken. In zwei Wochen hat sich alles gewandelt: Der Nationalpopulismus hat einen Konflikt in Europa ausgelöst, in dem Italien isoliert ist und der EU die Implosion droht“, sagte der Ex-Innenminister Marco Minniti im Interview mit der italienischen Tageszeitung „La Stampa“.

„Die Einwanderungsproblematik ist in wenigen Wochen zu einer Atombombe für ganz Europa geworden“, sagte der sozialdemokratische Politiker. Er kritisierte, dass Salvini das Thema Migration in Angriff nehme, als wäre er in „einem permanenten Wahlkampf“.

apa

stol