Mittwoch, 24. Mai 2017

Majestätsbeleidigung in Thailand: 14-Jähriger in Haft

Noch ist die Erinnerung der zwei Naturnser an ihren missglückten Thailandurlaub wohl nicht verblasst. Die Schändung der Flagge hatte sie ins Gefängnis gebracht. Für die beiden Südtiroler ist es noch einmal gut ausgegangen, doch ob ein 14-Jähriger genauso Glück hat, der nun wegen Majestätsbeleidigung einsitzt, ist fraglich.

Der Jugendliche wird in einem berüchtigten Armeegefängnis in Bangkok ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten.
Der Jugendliche wird in einem berüchtigten Armeegefängnis in Bangkok ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten.

Die drakonischen Gesetze gegen Majestätsbeleidigung in Thailand haben jüngst zur Inhaftierung des 14-jährigen Buben geführt: Der Jugendliche werde in einem berüchtigten Armeegefängnis in Bangkok ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten, weil er gemeinsam mit anderen ein Bild des verstorbenen Königs Bhumibol verbrannt haben soll, teilte die Menschenrechtler von Human Rights Watch am Mittwoch in Bangkok mit.

Die Gruppierung zeigte sich „alarmiert“ über die zunehmende Anwendung der drastischen Gesetze zur Majestätsbeleidigung. Wer in Thailand die Monarchie kritisiert, kann dafür bis zu 15 Jahre ins Gefängnis kommen.

Seit der Machtübernahme einer pro-monarchistischen Junta 2014 registrieren Menschenrechtler eine steigende Zahl solcher Fälle, seit dem Amtsantritt des neuen Königs Vajiralongkorn hat sich die Strafverfolgung offenbar weiter intensiviert. Bereits das Weiterverbreiten kritischer Kommentare über soziale Netzwerke wie Facebook kann zur Inhaftierung führen.

Südtiroler hatten Glück

Gut ausgegangen war die Sache für zwei Naturnser. Tobias Gamper und Ian Gerstgrasser – der eine 20, der andere 18 Jahre alt – sollen in Krabi, einer Provinz im Süden Thailands, mehrere Flaggen vor einem Einkaufszentrum zu Boden gerissen haben (STOL hat berichtet). 
Überwachungskameras hielten die Tat fest, die Aufnahmen verbreiteten sich rasant, die Thais reagierten überaus empört. Die Schändung der Flagge ist in Thailand keinesfalls ein Kavaliersdelikt – Medienberichten zufolge stehen darauf bis zu zwei Jahre Haft. 

Sie kamen glimpflich davon: 7 Monate Haft auf Bewährung, Ausweisung aus Thailand und umgerechnet rund 100 Euro Geldstrafe - auch weil die beiden in einem Video Reue zeigten (STOL hat berichtet)

Ohne Kontakt zur Außenwelt in Militärhaft

Der aktuelle Fall ist um so schwerwiegender, da es sich um Einheimische handelt. 

Bei dem in der vergangenen Woche festgenommenen 14-Jährigen handelt es sich laut Human Rights Watch um Abhisit Chailee aus der nordöstlichen Provinz Khon Kaen. Mit ihm seien wegen der angeblichen Bildverbrennung zwei 19-Jährige und ein 20-Jähriger inhaftiert worden.

Ihnen werde der Zugang zu Anwälten verwehrt, und sie befänden sich ohne Kontakt zur Außenwelt in Militärhaft, erklärte der Asien-Direktor der Gruppe, Brad Adams.

dpa/stol

stol