Mittwoch, 15. April 2015

„Massenweises Sterben im Mittelmeer ist Schande für Europa“

Nach dem Untergang eines Flüchtlingsbootes vor der libyschen Küste werden Hunderte Tote befürchtet. Caritas-Präsident Michael Landau bezeichnete das massenweise Sterben im Mittelmeer als eine „Schande für Europa“.

„Will die EU glaubwürdig bleiben, muss sie dringend eine auf Menschenrechten basierende, gemeinsame Strategie zum Flüchtlingsschutz umsetzen“, betonte Landau am Mittwoch in einer Aussendung. „Wer Schleppern das Handwerk legen will, muss Menschen auf der Flucht die Möglichkeit geben, legal Europa zu erreichen.“ Die aktuelle „Abwehrpolitik“ werde die EU nicht weiterbringen, so Landau.

Auch die Grünen forderten sichere Korridore für Flüchtlinge. Mit dem Auslaufen der Seenotrettungsprogramms „Mare Nostrum“ zum Jahreswechsel 2014/15 „überlässt die EU das Mittelmeer gewinnorientierten Schleusern und nimmt das Sterben Unzähliger Schutzsuchender in Kauf“, kritisierten Ulrike Lunacek, Vizepräsidentin des Europaparlaments und Grüne Delegationsleiterin, und Alev Korun, Menschenrechtssprecherin der Grünen.

Statt Flüchtlinge und Migranten wie Verbrecher zu jagen, bräuchte es sichere und legale Wege nach Europa: „Durch einen sicheren Korridor, über den Asylsuchende EU-Boden erreichen können, ohne auf Schlepper angewiesen zu sein; durch mehr Resettlement sowie humanitäre Visa und durch Erleichterungen beim Nachzug von Familienmitgliedern.“

Tage nach dem Untergang eines Flüchtlingsbootes vor der libyschen Küste werden im Mittelmeer nach Angaben von Überlebenden noch bis zu 400 Menschen vermisst. Es wäre eine der schlimmsten Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer, seit im Oktober 2013 mehr als 360 Menschen vor der italienischen Insel Lampedusa ertranken. Im vergangenen Jahr kamen rund 170.000 Flüchtlinge über Italien in die Europäische Union. Mehr als 3.000 Menschen starben bei dem Fluchtversuch.

apa

stol