Mittwoch, 20. Mai 2015

Mehr als nur ein Kartoffelacker

Im Frühling werden traditionsgemäß Erdäpfel angepflanzt, so auch in der Franzensfeste. Die Bestellung des kleinen Ackers in der Mittleren Festung der Franzensfeste dient jedoch nicht nur der landwirtschaftlichen Nutzung in einem historischen Gemäuer.

Der Kartoffelacker, den Künstler Hannes Egger in der festung angelegt hat, hat einen geschichtlichen Hintergrund. Foto/Copyright: Festung
Badge Local
Der Kartoffelacker, den Künstler Hannes Egger in der festung angelegt hat, hat einen geschichtlichen Hintergrund. Foto/Copyright: Festung

Das Kartoffelfeld soll vor allem Denkanstöße liefern, die dann von den Festungsbesuchern weiterentwickelt werden können.

Der Grundgedanke hinter dem „Project Terra“ ist geschichtlicher Natur. Idee, Konzept und Umsetzung stammen vom Künstler Hannes Egger, der im Jahr 2014, anlässlich des Gedenkjahres zum Ersten Weltkrieg eine künstlerische Performance angedacht hatte.

Sie hat eine Dauer von vier Jahren – eben jene Zeitspanne, die der Erste Weltkrieg für sich beansprucht hat. Das Wurzelgemüse steht hingegen für die eingeschränkte Diät, die der Krieg der Bevölkerung aufzwängte.

„Terra“ beschäftigt sich vor allem mit jenen Ereignissen des Ersten Weltkrieges, die sich zwischen 1914 und 1917 in Galizien abspielten.

Hannes Egger reiste 2014 zu den ehemaligen Schlachtfeldern um die Festung Przemysl. Dort sammelte er neun Tonnen Erde ein, die auf einen Lastwagen in die Festung Franzensfeste gebracht wurden. Die Erde diente der Errichtung eines Kartoffelackers, der im Rahmen des Caritas-Projektes „72 Stunden ohne Kompromiss“ mithilfe einer Jugendgruppe angelegt wurde.

Auch heuer hat der Künstler einen Ort ausgewählt, der für die Geschicke Ersten Weltkrieges von großer, strategischer Bedeutung war: Die Val di Gresta.

Im September 1914 entschloss sich der österreichisch-ungarische Generalstab, nachdem man bereits gegen Russland und Serbien im Krieg stand, eine Verteidigungslinie entlang der südlichsten Tiroler Grenze zu errichten, für den Fall, dass es zu einem Konflikt mit dem Königreich Italien kommen sollte.

Um die Front im Vallagarina-Tal zu verkürzen und um Truppen und Waffen zu sparen, zog sich das österreichisch-ungarische Heer von der Linie, die zwischen dem Monte Pasubio, dem Monte Zugna und dem Monte Baldo verlief, zurück, um sich auf dem Landstreifen, der zwischen der Val di Gresta und Rovereto liegt, neu zu sammeln.

In der Val di Gresta hat Egger also Erdäpfelknollen besorgt, die er dann im Acker in der Franzensfeste eingepflanzt hat. Nun sollen die Knollen gedeihen und wachsen, bis zum Herbst. Dann wird das Gemüse, gleich wie im vergangenen Jahr, erneut geerntet und verkocht. Auch dieses Jahr wird der Künstler die Ernte mit einem Fest zelebrieren.

stol