Samstag, 19. September 2015

Nach Unruhen an ungarischem Grenzübergang elf Haftbefehle beantragt

Nach den Unruhen am ungarisch-serbischen Grenzübergang Röszke vor drei Tagen hat die ungarische Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen elf festgenommene Flüchtlinge beantragt. Die Männer würden des „verbotenen Überschreitens der Grenzsperre als Teilnehmer von Massenunruhen“ beschuldigt, teilte die Staatsanwaltschaft in der südungarischen Stadt Szeged am Samstag mit.

An den ungarischen Grenzzäunen kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Flüchtlingen, die ihre Reise nach Westeuropa fortsetzen wollen.
An den ungarischen Grenzzäunen kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Flüchtlingen, die ihre Reise nach Westeuropa fortsetzen wollen. - Foto: © APA/EPA

Am Mittwoch waren ungarische Sicherheitskräfte und aufgebrachte Flüchtlinge am geschlossenen Grenzübergang Röszke zusammengestoßen. Die Polizei hatte Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt, die Flüchtlinge warfen Steine und Flaschen. Nach Darstellung der ungarischen Behörden sollen die Migranten die Grenzsperre durchbrochen haben und von Sicherheitskräften zurückgedrängt worden sein.

"Orban gab Weisung"

Indes mehren sich Zweifel an dieser Version. Der Oppositionspolitiker Ferenc Gyurcsany erklärte am Freitag: „Die Polizisten haben mit bewusster Absicht, auf geplante Weise und aller Wahrscheinlichkeit nach auf Weisung von Ministerpräsident Viktor Orban die Flüchtlinge angegriffen.“

Tatsächlich veröffentlichte das Portal „24.hu“ Video-Clips, auf denen zu sehen ist, wie Hunderte Flüchtlinge freudig durch das unerklärlicherweise geöffnete Grenztor gingen. Dabei riefen sie „Danke, Ungarn!“, offenbar in der Annahme, die Grenze sei für sie wieder offen. Danach sieht man, wie sie vor dem Angriff der Polizei davonlaufen.

Armee-Reservisten mobilisiert

Indessen hat Ungarn am Samstag begonnen, einen Teil der Armee-Reservisten zu mobilisieren, um mit der „Masseneinwanderungskrise“ fertig zu werden, wie die staatliche Nachrichtenagentur MTI berichtete.

Dies sei auf Wunsch des Stabschefs passiert. Die Reservisten sollen vorrangig in Kasernen als Ersatz für reguläre Soldaten eingesetzt werden, die zum Grenzeinsatz abberufen wurden.

dpa

stol