Mittwoch, 27. April 2016

Neues Projekt der EOS Genossenschaft

Im Januar 2016 hat die EOS Genossenschaft die Tätigkeit des bislang eigenständigen Südtiroler Instituts für systemische Forschung und Therapie, kurz IARTS übernommen. „Ziel der Integration in die EOS Gruppe ist es, die bisherige bewährte Tätigkeit des Instituts fortzusetzen, diese aber durch neue Impulse anzureichern“, so die Geschäftsführerin der EOS Genossenschaft, Barbara Pizzinini. „Außerdem soll IARTS noch stärker sozial ausgerichtet werden und neben den sanitären auch für soziale Berufsbilder geöffnet werden.“

EOS Sozialgenossenschaft
Badge Local
EOS Sozialgenossenschaft

Was ist IARTS?

IARTS ist im In- und Ausland bekannt für Weiterbildung und Forschung in Systemischer Psychotherapie, Beratung und Supervision blickt auf eine 20jährige Geschichte zurück. Es hat in 20 Jahren mehr als 80 Psychotherapeuten ausgebildet, ist Garant für Spezialkurse und Supervisionen, Seminare, Kongresse und Netzwerke zwischen Mailand, Heidelberg, Wien, München, Bologna, Parma und Bozen gewesen und hat bekannte Therapeuten wie Helmut Zingerle, Verena Perwanger und Roger Pycha hervorgebracht.

Das Hauptanliegen des Institutes besteht darin, systemisches Denken und Handeln zu verbreiten, um in einer Welt zunehmender Komplexität sinnvolles soziales und therapeutisches Zusammenwirken zu organisieren und Vernetzung mit Experten und hilfreichen Erfahrungen im In- und Ausland zu ermöglichen.

Die Übernahme der Tätigkeit durch die EOS Genossenschaft war für beide Seiten sinnvoll, einerseits  um bei steigender Bürokratie und sinkenden Förderungen von Seiten der öffentlichen Hand durch die Nutzung von Synergien den Fortbestand  des Instituts zu sichern und andererseits um in der EOS Gruppe ein weiteres Kompetenzzentrum zu haben.

Letztens hat die erste Supervision unter der neuen Leitung und mit der neuen Koordinatorin, Sabine Cagol, in Bozen stattgefunden und konnte regen Zulauf verzeichnen. Cagol hat ihre systemische Ausbildung in Heidelberg, Mailand und Padova erfahren und leitet seit Jahren die Kinderpsychiatrie-Ambulanz in Bruneck.

Die Gruppe ist für aktive Mitarbeiter gemäß dem systemischen Grundsatz der Selbstorganisation offen, auch zeitweilig Interessierte und Therapeuten anderer Schulrichtungen sind willkommen. Kontakte zur Universität Bozen, deren Rektor Walter Lorenz das Systemische Modell immer wieder zitiert und praktiziert, sind im Entstehen.

Hintergrund – was bedeutet „systemisch“?

Die Systemische Theorie, auf der die gleichnamige Therapieform basiert, geht davon aus, dass die soziale Landschaft ähnlich organisiert ist wie Lebewesen. Gruppen und Organisationen entstehen, indem sie sich innere Regeln geben, die ein gleich bleibendes Gerüst darstellen. Sie tauschen nach außen, zu anderen Systemen, Informationen und Erwartungen aus.

Vor allem beobachten und deuten sie das Verhalten anderer Gruppen und reagieren darauf wechselbezüglich, in Schleifen der Erkenntnis und des Verhaltens. Die Systemische Sichtweise fordert respektvolles Miteinander, Hochachtung vor den Regeln und Leistungen anderer, und gegenseitige Einflussnahme ohne genaue Abgrenzung von Ursache und Wirkung. Sie sieht die Konstruktion der Wirklichkeit durch verschiedene Beobachter ohne den Anspruch einer einzigen Wahrheit vor.

In der Praxis bedeutet Systemisches Vorgehen eine Kooperation in Netzwerken mit gleichberechtigten, sehr flexiblen und bewegungsfreien Partnern. In der Landschaft des Gesundheits- und Sozialwesens Südtirols ist dieses Modell überall dort gefragt, wo keine hierarchische Zusammenarbeit denkbar ist, weil die Partner aus ganz verschiedenen Bereichen wie Selbsthilfe, privaten Anbietern, Arbeitsamt, Sozialwesen, Schule, Gesundheitswesen, Polizei, Kirche oder Gesundheitswesen stammen und keiner dem anderen etwas vorschreiben kann. Solche Netzwerke werden durch gemeinsame Ziele und ethische Grundsätze zusammen gehalten.

EOS Genossenschaft und Dr. Roger Pycha, April 2016

EOS Sozialgenossenschaft, Bruneck

stol