Sonntag, 24. April 2016

Österreich: Erste Reaktionen zur Bundespräsidentenwahl

Am Sonntag wählt Österreich einen neuen Bundespräsidenten. STOL hat für Sie die ersten prominenten Reaktionen zusammengefasst.

Noch-Bundespräsident Heinz Fischer erschien gemeinsam mit seiner Frau Margit im Wahlbüro.
Noch-Bundespräsident Heinz Fischer erschien gemeinsam mit seiner Frau Margit im Wahlbüro. - Foto: © APA

Sechs Kandidaten stellen sich der Wahl am Sonntag (STOL hat berichtet). Die größten Chancen auf das Amt dürften der ehemalige Grünen-Chef Alexander Van der Bellen, FPÖ-Kandidat Norbert Hofer und die unabhängige Irmgard Griss haben. Schlechter schneiden bei Umfragen Andreas Khol (ÖVP) und Rudolf Hundstorfer (SPÖ) ab. Ausgeschlossen dürfte ein Wahlerfolg von Richard Lugner sein.

Khol bei Stimmabgabe zuversichtlich

ÖVP-Bundespräsidentschaftskandidat Andreas Khol hat sich bei seiner Stimmabgabe am Sonntag trotz der für ihn bescheidenen Umfragen zuversichtlich gegeben. Es gehe ihm „hervorragend“, sagte er beim Eintreffen vor dem Wahllokal in Wien-Hietzing. „Überraschung ist mein Geschäft“, sagte er zu seinen Chancen, in die Stichwahl zu kommen.

Andreas Khol (ÖVP) bei der Stimmabgabe in Wien-Hietzing. - Foto: APA

Khol, der von seiner Gattin, seiner Tochter Hemma und einer seiner Enkeltöchter begleitet wurde, meinte, er habe sich alle Umfragen angesehen. „Die merke ich mir alle und werde sie dann kommentieren“, sagte er. Er verwies darauf, dass es diesmal sehr viele spät entschlossene Wähler gebe, „so 300.000 entscheiden sich erst in der Wahlzelle“.

Van der Bellen dankbar und demütig

Der Grüne Bundespräsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen hat am Sonntag pünktlich um 11 Uhr im Amerling-Gymnasium in Wien-Mariahilf seine Stimme abgegeben. Begleitet von Ehefrau Doris Schmidauer und beobachtet von einer großen Medienmeute gab er sich zumindest nach außen hin ruhig und gelassen. „Ich versuche, entspannt zu wirken“, meinte er lächelnd.

Mit blauer Krawatte und begleitet von zahlreichen Journalisten schritt Alexander Van der Bellen zur Urne. - Foto: APA

Dass er siegessicher sei, verneinte Van der Bellen. „Nein, bin ich nicht. Ich sehe dem mit Demut entgegen.“ Auch in der Stichwahl sehe er sich noch nicht, denn laut Umfragen werde das Rennen unter den ersten drei wohl sehr knapp ausgehen. Zur Frage, wen er denn am liebsten als Gegner in der zweiten Runde sähe, meinte er danach in tirolerisch gefärbtem Dialekt: „Mir ist jeder und jede recht.“

Griss hatte bei Stimmabgabe Ausweis vergessen

Nicht perfekt auf den Wahlsonntag vorbereitet ist Irmgard Griss zur Stimmabgabe erschienen. Die unabhängige Kandidatin hatte ihren Ausweis vergessen, konnte im Wahllokal im 1. Wiener Gemeindebezirk dennoch einwandfrei identifiziert werden. Auch sie zeigte sich zuversichtlich für den Ausgang der Wahl und sieht sich angesichts des Wahlkampfes jetzt schon als Siegerin.

Irmgrad Griss bei der (vergeblichen) Suche nach ihrem Lichtbildausweis. - Foto: APA

„Hoffentlich habe ich ihn mit“, sagte sie nach der Aufforderung der Wahlhelfer, einen Lichtbildausweis zu zücken. Der abschließende Befund war negativ. „Also ich glaube, dass sie die Frau Doktor Griss ist“, wurde ihr jedoch in Anwesenheit von Journalisten das Vertrauen ausgesprochen. „Mein Team und ich haben getan, was in unserer Macht stand“, legte Griss nach ihrer Stimmabgabe den Ausgang in die Hand der Wähler.

Hofer mit gutem Gefühl

Gut gelaunt traf der FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer am Sonntag kurz nach 8.30 Uhr in Pinkafeld beim Wahllokal ein, das sich in der Musikschule im Gebäude der Neuen Mittelschule befand. Sein Ziel sei weiterhin die Stichwahl, sagte er den wartenden Journalisten.

Im burgenländischen Pinkafeld gab FPÖ-Kandidat Norbert Hofer seine Stimme ab. - Foto: apa/afp

„Ich kann nur vom Gefühl her sagen, dass es ganz gut ausschaut“, sagte Hofer nach der Stimmabgabe. Wenn er einen Vergleich zu anderen Wahlkämpfen ziehe, die er schon gemacht habe, sei die Stimmung „sehr gut“ gewesen, „darum müsste auch das Ergebnis passen“. Aber, wenn man „mitten im Getriebe“ sei, dann sei es ganz schwer abzuschätzen, wie es ausgeht.

Hundstorfer: "Man wählt sich selbst"

SPÖ-Hofburg-Kandidat Rudolf Hundstorfer ist Sonntagvormittag zwar ohne Krawatte, aber mit gutem Gefühl zur Wahl geschritten. Bei der Stimmabgabe im Wiener Amerling-Gymnasium gab es keine Überraschung: „Man wählt sich selbst.“

Rudolf Hundstofer (SPÖ) wählt, wie er offen zugibt, sich selbst. - Foto: APA

Mangelnden Fleiß will sich Hundstorfer jedenfalls nicht nachsagen lassen. Er glaube, der Kandidat gewesen zu sein, der am meisten unterwegs gewesen sei. Bis gestern 21.00 Uhr habe er Wahlkampftermine absolviert. Mit einem Scheitern im ersten Durchgang will sich Hundstorfer noch nicht befassen: „Ich habe keinen Plan B.“

Lugner: "Eine Stimme hab ich sicher"

Baumeister und Präsidentschaftskandidat Richard Lugner hat am Sonntagvormittag kein Geheimnis daraus gemacht, für wen er diesmal gestimmt hat. „Ich werde den fünften auf der Liste wählen“, sagte Lugner umringt von zahlreichen Kameras vor der Stimmabgabe in der Mannagettagasse in Wien-Döbling.

Gut gelaunt und begleitet von Frau Cathy (im Hintergrund, mit gelber Jacke) erschien Richard Lugner zur Wahl. - Foto: APA

„Eine Stimme habe ich fix, leider darf meine Frau nicht wählen“, so Lugner, der von seiner deutschen Angetrauten Cathy begleitet wurde. Die Frage sei, ob ihm der Dreikampf an der Spitze Stimmen koste. Dass er vom ORF zu den Kurz-Duellen nicht eingeladen wurde, habe für zusätzlichen Zuspruch gesorgt.

Fischer rechnet mit hoher Wahlbeteiligung

Der amtierende Bundespräsident Heinz Fischer hat bereits gewählt. Er gab seine Stimme gemeinsam mit seiner Frau Margit kurz nach 9.00 Uhr im achten Wiener Gemeindebezirk ab. Er rechne angesichts der großen Anzahl von sechs zur Wahl stehenden Kandidaten mit einer hohen Wahlbeteiligung, sagte Fischer vor Journalisten.

Zu seinem bevorstehenden Abschied aus der Hofburg meinte er, bis zum 8. Juli „sicher locker“ zu sein. Am 8. Juli werde er vielleicht melancholisch sein, so Fischer.

apa/stol/bfk

stol