Montag, 16. Mai 2016

Österreichs Prominente wollen Hofer in der Hofburg verhindern

In einer knappen Woche wählen die Österreicher ihren neuen Bundespräsidenten. Es wird eine richtungsentscheidende Wahl: Erstmals duellieren sich am 22. Mai ein ehemaliger Grünen-Chef und ein Kandidat der rechten FPÖ. Die Entscheidung lässt Österreichs Promis nicht kalt. Die Lagerbildung ist eindeutig: Praktisch alle bekannten Gesichter aus Theater, Fernsehen und Literatur stehen hinter dem links-liberalen Wirtschaftsprofessor Alexander Van der Bellen.

Hauptsächlich Prominente aus Kunst und Kultur wollen verhindern, dass Norbert Hofer am 22. Mai als strahlender Sieger aus dem österreichische Präsidentschaftsrennen hervorgeht.
Hauptsächlich Prominente aus Kunst und Kultur wollen verhindern, dass Norbert Hofer am 22. Mai als strahlender Sieger aus dem österreichische Präsidentschaftsrennen hervorgeht. - Foto: © APA

Die Schauspielerinnen Ursula Strauss, Maresa Hörbiger und ihre Schwester Elisabeth Orth, Südtirols Extrembergsteiger Reinhold Messner und der künftige Intendant der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser, treten für ihn ein. Praktisch die gesamte Kabarettisten-Szene des Landes will ebenfalls ein Kreuz bei „VdB“ setzen – von Josef Hader bis Michael Niavarani.

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Im ersten Wahlgang gewann der rechte FPÖ-Kandidat Norbert Hofer mit großem Vorsprung. 35,1 Prozent aller Stimmen konnte er für sich gewinnen. Hofer gilt als das „freundliche Gesicht“ der umstrittenen Partei, die in allen Umfragen auf Platz eins liegt. Hofer ist aber maßgeblich für das als fremdenfeindlich geltende Programm der FPÖ zuständig.

Van der Bellen wurde von 21,3 Prozent der Wähler unterstützt. Der gebürtige Kaunertaler punktet vor allem mit seinem ruhigen und sachlichen Auftreten. Inhaltlich vertritt er in den meisten Punkten das genaue Gegenteil seines Kontrahenten.

"Stimmen für Van der Bellen": Künstler im Wahlkampf

Einige bekannte österreichische Künstler befinden sich inzwischen für Van der Bellen im Wahlkampf und werden am Montagabend im Wiener Konzerthaus zu seinen Gunsten auftreten. Unter diesen Wahlwerbern finden sich klingende Namen wie Hubert von Goisern, Josef Hader und André Heller.

Hart getroffen von dem Ergebnis der erste Runde zeigte sich der Münchner Schauspieler Elyas M'Barek: „Hab nen österreichischen Pass zu verschenken. Will den nicht mehr“, schrieb der Sohn einer Österreicherin und eines Tunesiers auf Twitter.

Waltz: "Können uns nicht leisten, nur nach innen zu schauen"

Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger will den Kandidaten der einwanderungskritischen FPÖ samt seinem „irren Amtsverständnis“ verhindern. Oscar-Preisträger Christoph Waltz sagte: „Österreich kann es sich nicht leisten, nur nach innen zu schauen.“

Der Künstler André Heller sieht schwierige Zeiten für Politik und Gesellschaft auf Österreich zukommen: „Daher muss zumindest an der Spitze des Staates eine unopportunistische, unmanipulierbare, welterfahrene Ausnahmepersönlichkeit stehen.“

Hofer: "Van der Bellen hat Hautvolee, ich die Menschen"

An der öffentlichen Ablehnung vieler Promis und Intellektueller scheint Hofer sich nicht zu stören: „Van der Bellen hat die Hautevolee und ich die Menschen“, warf Hofer seinem Kontrahenten bei einer TV-Diskussion vor. Er wolle ein Ansprechpartner für die einfachen, hart arbeitenden Menschen sein, nicht für die High Society.

Zu den prominenten Unterstützern Hofers gehört Stratosphären-Springer Felix Baumgartner: Nur Hofer sei in der Lage, die Alpenrepublik im Ausland gut zu vertreten. „Wir sollten einem jüngeren Kandidaten eine Chance geben. Einem, der politisch nicht ausgebrannt ist“, so Baumgartner bei Facebook.

Aufruf: FPÖ-Wähler nicht als "Nazis" beschimpfen

Der österreichische Autor Thomas Glavinic („Das größere Wunder“) ist einer der wenigen Intellektuellen des Landes, der die FPÖ-Erfolge eher gelassen sieht. Wer im Fall eines Freiheitlichen in der Hofburg von der Notwendigkeit des Auswanderns spreche, liege nicht richtig. „Ich glaube, das ist eher Wichtigtuerei. Ich find's absurd“, sagte der 44-Jährige dem Sender ORF.

Wer die Wähler der FPÖ ständig als „Ewig-Gestrige“ und „Nazis“ beschimpfe, treibe sie nur immer weiter in die Arme der Rechten. Egal, wer Bundespräsident werde, er werde dem Kontinent nicht so schaden können wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, meint Glavinic. „Der ist wirklich ein Problem.“

dpa/stol

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