Dienstag, 06. März 2018

Ost-Ghouta: Konvoi nicht komplett ausgeladen

Erstmals seit der Eskalation der Gewalt im belagerten Ost-Ghouta hat eine große Hilfslieferung die syrische Region erreicht. Einige lebensrettende medizinische Produkte ließ die syrische Regierung aber nicht durch. Die Lastwagen konnten nach Angaben von Hilfsorganisationen und Aktivisten auch nicht vollständig ausgeladen werden.

Ost-Ghouta vor den Toren der Hauptstadt Damaskus hat seit Mitte Februar die heftigsten Luftangriffe der Regierung seit Beginn des Syrien-Krieges 2011 erlebt.
Ost-Ghouta vor den Toren der Hauptstadt Damaskus hat seit Mitte Februar die heftigsten Luftangriffe der Regierung seit Beginn des Syrien-Krieges 2011 erlebt.

Am Montagabend schrieb Sadjad Malik, Vertreter des UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, auf Twitter: „Der Hilfskonvoi nach Ost-Ghouta verlässt Duma nach fast neun Stunden. Wir haben so viel geliefert, wie wir konnten inmitten des Beschusses.“

Auch mehrere Aktivisten in der Region berichteten, dass die Wagen das Gebiet wegen stärker werdenden Beschusses wieder hätten verlassen müssen. Wie viele der 46 Lastwagen nicht entladen werden konnten, blieb zunächst unklar.

Der Konvoi aus Dutzenden Lastwagen sei am Montag in das heftig umkämpfte Gebiet bei Damaskus nahe der Stadt Duma eingefahren, sagte die Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Ingy Sedki, der Deutschen Presse-Agentur. Die Lieferung bestand nach Angaben des UN-Nothilfebüros Ocha unter anderem aus Nahrung für 27.500 Menschen.

Viele medizinische Güter mussten auf Druck der syrischen Regierung aus der Lieferung genommen werden, wie Ocha berichtete. Sie durften auch nicht durch andere Gegenstände ersetzt werden. Dadurch seien 3 der 46 Lastwagen, die in der Früh losgefahren waren, fast leer gewesen. Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge waren unter den blockierten Hilfsgütern das gesamte Material für die Behandlung von Verletzungen und für Operationen sowie Insulin und Dialyse-Artikel.

Heftigster Luftangriff seit Beginn des Syrien-Krieges

Ost-Ghouta vor den Toren der Hauptstadt Damaskus hat seit Mitte Februar die heftigsten Luftangriffe der Regierung seit Beginn des Syrien-Krieges 2011 erlebt. Auch am Tag der Hilfslieferung gingen die Bombardements weiter: Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden allein am Montag mindestens 68 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt.

Insgesamt starben nach Angaben der Beobachtungsstelle in den vergangenen beiden Wochen mehr als 760 Zivilisten durch Bombardements und Artilleriebeschuss, darunter mindestens 172 Kinder. Fast 4000 Menschen – meist Frauen und Kinder – seien verletzt worden und auf medizinische Versorgung angewiesen. Über gefallene Kämpfer dort gibt es keine entsprechenden Angaben.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte die Lage in Ost-Ghouta als „Hölle auf Erden“ bezeichnet. Bewohner berichteten, es fehle an Essen, Wasser und Strom. Ärzten mangele es an Material, sie müssten wegen der großen Anzahl Verletzten sehr lange am Stück arbeiten. In dem seit 2013 von der Regierung belagerten Ost-Ghouta sollen etwa 400.000 Menschen eingeschlossen sein.
Am Wochenende verschärften sich auch die Bodenkämpfe in der Region. Der Beobachtungsstelle zufolge konnten Einheiten der Streitkräfte von Präsident Bashar al-Assad etwa 40 Prozent des Rebellengebietes im Osten erobern. Nach den heftigen Bombardierungen des Gebietes will die syrische Armee Ost-Ghouta nun offensichtlich erobern. Die Lage erinnert an das 2016 von Assads Truppen gestürmte Aleppo. Hunderte Familien flohen vor den Kämpfen in andere Teile der Region.

apa/dpa

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stol