Für die Qualität der Loipen wird das Biathlonkomitee Antholz international gelobt, weiß Generalsekretärin Erika Pallhuber. <BR /><BR />18.30 Uhr in der Südtirol Arena: Josef Palluber wirft seine 400 PS starke Prinoth-Bison-Pistenraupe an. Mehrere starke LED-Scheinwerfer machen die Umgebung taghell. Orange Blitzlichter zucken. <h3> Feingefühl mit 400 PS</h3>Sepp hat sein Handwerk von Ulrich Zingerle gelernt und arbeitet immer noch mit ihm zusammen. Auch er fährt heute eine Runde mit. „Wir verstehen uns gut“, sagt Sepp mit einem Seitenblick zu Zingerle. <BR /><BR />Mit ganz viel Fingerspitzengefühl steuert Sepp die 400 PS unter der Haube seiner „Katze“ über 2 Steuerknüppel auf die Piste. Es geht gleich in den Wald, auf die 3-Kilometer-Strecke.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="985267_image" /></div> <h3> Harte Unterlage aus Kunstschnee</h3>Seit November arbeiten die Pistenpräparierer an den Loipen. Dank des asphaltierten Untergrunds auf der Strecke, die im Sommer als Rollerbahn genutzt wird, und der neuen Beschneiungsanlage kann genügend Kunstschnee mit Lkw schnell verteilt werden. Die Kunstschneeunterlage sei deutlich besser als Naturschnee, erklärt Sepp. „Wenn die Luft aus dem Kunstschnee draußen ist, bildet dieser eine viel kompaktere Unterlage als Naturschnee, und die braucht es dringend für den weiteren stabilen Aufbau.“<BR /><BR />Es sind Pallhuber und ein paar Kollegen, die auf dem unterschiedlich geformten Untergrund eine ebene Piste formen, die den strengen Wettkampfbedingungen gerecht wird. Wieviel Schnee unter den breiten Raupen liegt, zeigt ein modernes Messgerät in der Kabine an. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="985270_image" /></div> <BR /><BR />„In den 29 Jahren hat sich viel geändert“, sagt Sepp. Früher war der Schießstand am Antholzer See, die Läufer sind alle im klassischen Stil gelaufen und zur Präparierung standen nur kleine Geräte zur Verfügung. Dafür brauchte es mehr Muskelkraft. <h3> Hightech und Erfahrung</h3>Inzwischen sind die Geräte moderner geworden und die körperliche Arbeit weniger. Was geblieben ist, ist die Verantwortung der Präparierer, den Athleten wie den Freizeitsportlern täglich die bestmöglichen Bedingungen bieten zu können.<BR /><BR />„Schlimm ist es, wenn der Wind geht“, sagt Sepp. Dann müsse der ärgste Schmutz, der von den Bäumen herabfällt, von Hand entfernt und eventuell noch einmal drübergefahren werden. Oder wenn die Temperatur nicht passt, dass die Schneedecke nicht bindet. Heute sei es mit minus einem Grad ideal. „Wenn die Temperatur nicht passt, muss nach dem ersten Fräsen zugewartet werden, bis die Schneedecke absitzt, um dann noch einmal zu fahren. Dann bist du halt die halbe Nacht unterwegs“. Es sei auch kein Jahr wie das andere.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="985273_image" /></div> <BR /><BR />Auf dem großen Bildschirm rechts von ihm sieht Sepp alle Details seiner Maschine, die er zur Präparierung braucht – von der Außentemperatur über die Geschwindigkeit bis zum Anpressdruck der Fräse oder der großen Schaufel auf der Stirnseite des Bison. Auch die kleine Fräse hinten, die eine perfekte Loipenspur in den Schnee drückt, ist von hier steuerbar.<BR /><BR />Hightech erleichtert die Arbeit, aber „man muss schon doch aufpassen, was man tut“, wirft Sepp ein.<BR /><BR />Es ist der Anspruch an sich selbst, eine perfekte Arbeit abliefern zu wollen, die Sepp mit geübtem Auge jede Geländebiegung absuchen lässt. Oft ist er mit dem Ergebnis nach einmal Drüberfahren noch nicht zufrieden. Ein zweites und, wo es braucht, auch ein drittes Mal wird gefräst, bis wirklich alle Unebenheiten weg sind und die Strecke „brettleben“ ist. <BR /><BR />Wir passieren die Huber-Alm und fahren in Richtung Ziel. „Diese gesamte Kurve hier habe ich zur Gänze mit der Maschine aufgeschüttet“, erklärt er – und während er erzählt, zeigt das Messgerät kontinuierlich an, wie uneben der tatsächliche Untergrund wäre. „Schau wie es jetzt schön ist“, gibt er sich zufrieden und blickt einen Moment durch die große Heckscheibe zurück auf den knapp 6 Meter breiten Teppich aus kleinen feinen Rillen, den die Fräse hinterlässt.<BR /><BR />Sepps ganzer Stolz aber kommt erst – im weitläufigen Start- und Zielgelände der Südtirol Arena. Der gesamte Aufbau ist aus Schnee – „stundenweise mit dieser Maschine geformt“. Die kleinen blauen Dreiecke, mit denen der Streckenverlauf und die Strafrunde ausgewiesen werden, liegen am Boden so als ob sie ein einziges Teil wären. Keinen Zentimeter Unebenheit weist die blaue Scheitellinie auf. Erst wenn es so ausschaut, ist Sepp zufrieden.<BR /><BR />Vor jedem Wettkampf werden die Strecken von 2 Verantwortlichen des Wettbewerbs abgenommen, aber nach vollendeter Arbeit von Sepp Pallhuber gibt es nichts zu beanstanden.<h3> Wenn es schneit,wird die Nacht kurz</h3>Sollte es in der Nacht noch schneien, muss neu gefräst werden. „Ob und wann nach einem Schneefall wieder zu fahren ist, entscheidet jeder Präparier selbst. „Das sagt dir die Erfahrung.“ Bei 10 Zentimetern Neuschnee müsse unbedingt neu gefahren werden, „weil die Luft aus dem Schnee heraus muss. Das ist wichtig!“<BR /><BR />Nach mehr als 2 Stunden penibler Präparierung steuert Sepp seinen Bison in Richtung Garage. „Eigentlich“, sagt er, „hätte ich jetzt frei bis morgen.“ Somit bliebe Zeit für die Arbeit am heimatlichen Bauernhof. Mit einem Blick in Richtung Platzscheinwerfer, in dessen Lichtkegel feine Schneeflocken tanzen, meint er: „Ich denke aber, dass ich wohl um 4 Uhr aufstehen werde müssen, den frischen Schnee zu präparieren.“<BR /><BR />Josef Pallhuber ist einer von vielen, die im Hintergrund mit Herzblut dafür arbeiten, damit Athleten und Tausende Fans seit Donnerstag und noch bis morgen in Antholz echte Biathlon-Festtage erleben.