Sonntag, 28. Juni 2015

Borgs letzter „Musikantenstadl“ als „Weltkulturerbe“

In das Amphitheater von Pula (Kroatien) zogen Samstagabend Gladiatoren ein – als Vorhut für Andy Borg, der mit dem „Stadllied“ den Musikantenstadl einläutete. Es war die letzte Schlacht des österreichischen Schlagersängers und sie war lange vorher schon entschieden. Bereits im Februar hatten die Partnersender ARD, ORF und SRF mitgeteilt, dass der „Stadl“ in Pula Borgs letzte Moderation sein werde.

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Archivbild - Foto: © D

Entsprechend melancholisch angehaucht fiel der Begrüßungsapplaus für den Moderator aus. „Ich hab Euch auch lieb“, sagt Borg zu Beginn, ohne ein Wort über seine letzte Sendung zu verlieren. „Ich weiß, was Ihr meint. Ich meine das genauso.“ 2000 Jahre alt ist die Arena, die die Kulisse für Borgs letzte Sendung bildet. „Wir gehören zum Weltkulturerbe.“

Die Stimmung wolle er sich nicht vermiesen lassen, hatte Borg im Vorfeld seiner letzten Sendung gesagt. „Es wird meine Abschiedsshow beim Stadl, aber mit Sicherheit keine Trauerveranstaltung.“ Und so gab er sich in Pula betont gut gelaunt, scherzte, schunkelte und führte mit einem Dauergrinsen durch seine letzten zweieinhalb Stunden als „Stadl“-Moderator. „Unserem Andy ein herzliches Servus“ stand auf einem Plakat im Zuschauerraum, „Goodbye Andy“ auf einem anderen.

Andreas Gabalier als erster Gast

Seinen ersten Gast Andreas Gabalier kündigte er mit den Worten an: „Die jungen Menschen finden ihn urgeil.“

Im Gespräch mit ihm, gab Borg sich viel Mühe, zu betonen, wie wenig angestaubt Volksmusik (und der „Stadl“) doch sind. Kurz vor Schluss sang Gabalier „ein letzten Mal für unseren Andy Borg“ seinen Kracher „I sing a Liad für di“.

Nostalgisch wurde es nur einmal etwa auf halber Strecke.

Sein Publikum habe ihn in all den „Stadl“-Jahren immer umarmt, sagt Borg da. „Diese Umarmung wird jetzt gelöst, aber ich falle in die Arme meiner geliebten Frau.“

Dann sang er eine Schnulze für die Gattin.

Als es später anfing zu regnen, sagte er: „Der Himmel hat gerade ein paar Tränen vergossen.“ Danach stimmte er an: „Bella, bella, bella Marie – vergiss mich nie.“ 

Adios Amor als Abschluss der Show

Ganz zum Schluss sang Borg – wie angekündigt – „Adios Amor“, das Lied, mit dem seine Karriere vor 33 Jahren begann.

„Ich bin stolz, Moderator dieser legendären Sendung gewesen zu sein“, sagt er zum Abschied. „Servus“ und „san's meinetwegen nicht traurig“.

Der 54-Jährige hatte für die Sendung, deren Zukunft lange ungewiss war, gekämpft und sich gegen Jugendwahn im Fernsehen stark gemacht.

Umso bitterer für ihn, dass es jetzt ohne ihn weiter geht.

Neustart mit jüngeren Moderatoren

Nach der Sommerpause übernehmen seine Nachfolger: Alexander Mazza (42) ist zwölf Jahre jünger als Borg, Francine Jordi (38) sogar 16 Jahre.

Borg hatte die Show, die zu den ältesten im deutschen Fernsehen gehört, im September 2006 von ihrem Erfinder Karl Moik übernommen, der vor drei Monaten im Alter von 76 Jahren starb.

Während das Durchschnittsalter der Zuschauer mit 68 hoch ist, sinken seit Jahren die Quoten: 1994 schalteten nach Angaben der beteiligten Sender im Schnitt noch 7,53 Millionen Menschen (Marktanteil: 25,9 Prozent) den „Stadl“ ein.

2014 waren es nur noch 3,96 Millionen (13,6 Prozent). Grund genug für die Sender, einen radikalen Schnitt und den „Musikantenstadl 2.0“ zu planen.

Gute Marktanteile für letzten „Stadl“

Im ORF sahen Samstagabend durchschnittlich 673.000 Personen Borgs letzten „Stadl“, der Marktanteil lag bei 30 Prozent. In Deutschland bescherte Borgs Abschied der Show mit 17,3 Prozent 4,4 Mio. Zusehern) einen besseren Marktanteil als in vielen Sendungen zuvor.

Der ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber betonte, es gehe darum, die Sendung modern zu machen.

Borg habe sich aber „jeglicher Form der Veränderung widersetzt“.

Die gewohnten Kulissen der TV-Show, die sonst aus Hallen übertragen wird, seien übrigens bereits zerlegt worden, sagte Borg.

Für den Neuanfang werden sie nicht mehr benötigt.

Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Borg: „Ich glaube nicht, dass es den “Stadl„ in der jetzigen Form in zehn Jahren noch geben wird.

Nicht wegen der neuen Moderatoren, sondern weil man dem Druck der Veränderung nicht standhalten kann.“

apa/dpa

stol