Samstag, 02. Mai 2015

Charme, Champagner und Chuzpe: Vom Dorfkellner zum Barmanager

Glamouröse Cocktails, exquisite Weine, aromatischer Kaffee: Das sind nur einige der Bereiche, in denen sich Erik Gamper hervorragend auskennt. Als einer der jüngsten Barmanager Europas hat der Kalterer in nur wenigen Monaten den Gastronomiebereich des Nobelhotels „Le Méridien“ in München auf den Kopf gestellt.

Foto: liz
Foto: liz

Mit leuchtenden Augen stellt Erik Gamper ein schwarzes Gerät, das an eine Heißkleber-Pistole erinnert, auf den schwarzen Marmortresen der Cocktailbar im Münchner „Le Méridien“. „Ich habe die Rauchmaschine auf einer Bar-Messe gesehen und musste sie haben“, erklärt der Kalterer schmunzelnd.

Ein Schlauch leitet den Rauch der im Lauf verbrennenden Apfelholz-Späne in ein Gin-Glas. Drei Eiswürfel, jeder so groß wie zwei Streichholzschachteln, fangen Teile des Rauchs im Glas, viel tritt auch wieder aus. Mit fließenden Bewegungen füllt Erik zweierlei Sorten Gin, dann Tonic in das Glas, ein Ästchen Rosmarin dient der Dekoration. Der „Smoked Gin Tonic“ ist eine Eigenkreation des jungen Südtirolers – wie viele andere Cocktails auf der Getränkeliste.

 

Der Rauch wird in das Glas gefüllt, wo die Eiswürfel ihn festhalten. Anschließend folgen zwei Sorten Gin und Tonic. Voilà: Der "Smoked Gin Tonic" - Foto: liz

 

"Meine Angestellten kennen mein genaues Alter nicht"

Seit einem Jahr ist Erik Gamper der Barmanager des Fünf-Sterne-Hotels „Le Méridien“ am Münchner Hauptbahnhof. Neben der Hotelbar und dem Kaffeestand in der Lobby unterliegen auch der Zimmerservice und das hoteleigene Restaurant „Le Potager“ der strengen Aufsicht des 25-Jährigen.

Dass die meisten seiner Mitarbeiter gleich alt oder älter sind, macht es nicht immer einfach: „Meine Angestellten kennen mein genaues Alter nicht“, erklärt der Kalterer seine Lösung für das Problem.

Die fehlenden Lenze kompensiert Erik mit seinem Auftritt: Elegant schreitet er in Maßanzug und polierten Lederschuhen durch die Hotellobby, während er mit altbekanntem Südtiroler Charme die im Foyer flanierenden Gäste begrüßt, mit den Empfangsdamen hinter dem Rezeptionstresen scherzt und gleichzeitig alles im Auge behält.

Gleich nach seinem Wechsel vom „Le Méridien“ in Wien nach München im Februar 2014 wurde Klarschiff gemacht: „Ich ging bestehenden Problemen auf den Grund und musste mitunter einige Leute entlassen“, erzählt der Barmanager von den anfänglichen Schwierigkeiten. Und da er schon mal beim Aufräumen war, gestaltete der Südtiroler die Bar von Grund auf neu, entwarf eine neue Getränke- und Weinkarte und führte strengere Standards für sich und seine Mitarbeiter ein.

Umringt von Luxus, Champagner und Zimmerservice fühlt sich der Südtiroler zu Hause. Dabei sind erst zehn Jahre vergangen, seit der damals 15-Jährige in der Kalterer Pizzeria „Goldener Stern“ seine ersten Schritte als Kellner versuchte.

Vom Dorfkellner zum Barmanager im Nobelhotel

Zehn Jahre der Ausbildung rund um Wein, Bier, Kaffee und allem, was sonst noch trinkbar ist. Zehn Jahre, in denen er in Dorfdiskos jobbte, Cocktails auf dem Clubschiff Aida mixte, Jagertee in der Hohenhaus Tenne in Schladming servierte und Segelschiff-Besitzer am Attersee bediente. Als er 2012 das „Le Méridien“ in Wien und damit die Großstadt erreichte, wusste Erik Gamper alles rund ums Bar-Business: was einen guten Cocktail ausmacht, wie man mit Getränkelieferanten, nörgelnden Gästen und Betrunkenen umgeht und wie man höflich, aber bestimmt reichen Damen einen Korb gibt. Oder eben nicht.

„Ich kann nur sagen: Alle Klischees über Barkeeper und Frauen sind wahr.“ Alter, Schicht, Beziehungsstatus: Das alles mache keinen Unterschied, erzählt Erik verschmitzt. „Oft ist es ein Blick, ein zugesteckter Zettel, eine rasch auf die Rechnung gekritzelte Zimmernummer. Diskretion ist sehr wichtig, denn eigentlich sind intime Beziehungen zu Gästen verboten.“

Heute könne er sich manche Freiheiten nicht mehr leisten, bedauert Erik auf dem Weg zurück in die Hotelbar. Mittlerweile überwiege die Büroarbeit, den direkten Kontakt zu seinen Gästen vermisse er sehr. Deshalb kehrt der Kalterer zwei Tage die Woche an seinen Ursprung zurück, schwingt Ginflaschen, formt Eiskugeln und dekoriert Cocktails mit Rosmarin oder Brombeeren. „Das hat meine Mitarbeiter anfangs irritiert. Ein Chef, der mit anpackt. Ich muss erst noch lernen, die Distanz und auch meine Seniorität zu wahren.“

Ansonsten hat sich Erik gut an ein Leben in Luxushotels eingelebt, auch beim Reisen: Übernachtungen im Hostel kommen für den jungen Barmanager nicht mehr in Frage. „Irgendwie tut es mir leid. Aber ein Hotelzimmer ohne Bügeleisen macht mich einfach nicht mehr glücklich“, lacht Erik, während er den nächsten Cocktail auf den schwarzen Marmortresen stellt.

 

Das Auge trinkt mit: Erik legt viel Wert auf eine außergewöhnliche Darstellung des Cocktails. - Foto: liz

 

 

Elisabeth Turker

stol