Mönch sein: Darunter verstehen viele, dass das Leben nur mehr aus Gebet und Arbeit besteht, und dass man nur in Ausnahmefällen das Kloster verlassen darf. Und Freizeitbeschäftigungen sind natürlich strengstens verboten. Die Realität ist aber eine ganz andere. <BR /><BR />Das „Ora et labora et lege“, das Beten, Arbeiten und Lesen, stehen bei P. Philipp Kuschmann, dem neuen Abt der Benediktinerabtei Marienberg bei Burgeis im Vinschgau, natürlich ganz im Mittelpunkt, aber er hat auch Hobbys, genießt seine Freizeit und geht unter die Leute – auch abseits vom klösterlichen Leben und von der Seelsorge.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="985360_image" /></div> <BR /><BR />„Als Abt muss ich noch meinen Rhythmus finden, um zu sehen, wie viel Freizeit bleibt, aber meine Hobbys möchte ich schon weiterhin betreiben“, sagt der aus dem Ruhrgebiet stammende 43-Jährige. „Im Winter wird sich wohl die eine oder andere Schneeschuhwanderung ausgehen.“ Langlaufen geht sich zeitlich schon länger nicht mehr aus – Skifahren hat er nie gelernt. <h3> Radeln im Sommer</h3>„Während ich im Winter mehr zu Fuß unterwegs bin, greife ich im Sommer auf das Fahrrad zurück“, erzählt er. „Wenn es irgendwie möglich ist, fahre ich in der warmen Jahreszeit immer mit dem E-Bike und lasse das Auto stehen. Einige Male unternehme ich auch Ein-Tages-Touren. Oder ich fahre bis zu einer Hütte, lasse dort das Rad stehen und hänge dann noch eine Bergtour dran. Bergtouren mache ich gerne.“<BR /><BR />Dem Herrgott in luftiger Höhe näher als normal war der 43-Jährige beispielsweise schon auf dem Piz Sesvenna (3204 Meter). Und auf der Dreikanonenspitze (3276 Meter) im Ortlergebiet feierte er schon eine Heilige Messe. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="985363_image" /></div> <BR /> Abt Philipp versucht, regelmäßig in der Natur und in der Bergwelt unterwegs zu sein. „Ich leite auch Berg- und Wanderexerzitien“, sagt er. „Bevor ich mit den Leuten die Wege gehe, bin ich davor entlang dieser Routen mit einem Wanderführer unterwegs, um zu schauen, ob die Wege begangen werden können.“<BR /><BR />Heuer leitet der im November neu gewählte Abt diese Exerzitien sicher noch selber. „Weil wir schon im August/September 2023 die Kurse ausgeschrieben haben und ich damals ja noch nicht wusste, was auf mich zukommt, wird alles planmäßig durchgezogen“, verspricht er.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="985366_image" /></div> <BR /><BR />Um sich fit zu halten, geht P. Philipp Kuschmann ein- bis zweimal pro Woche in ein Fitnessstudio. „Hier bin ich sehr konsequent“, sagt der Geistliche. „Fitnesstraining muss als schneller Ausgleich sein, auch um auf andere Gedanken zu kommen.“<h3> Koch und Konditor</h3>Sogar am Herd war der neue Klostervorsteher in der Vergangenheit immer wieder zu finden. „Nachdem unser Koch in Pension gegangen war und die neue Köchin 2 Tage in der Woche frei hat, musste ich eines Tages zwangsläufig in die Küche“, blickt der Ordensmann zurück. „Und es gefällt mir dort. Diese Arbeit ist auch deshalb recht angenehm, weil es in der Küche keinen Handyempfang gibt.“<BR /><BR />Wenn es in den vergangenen Jahren im Sommer leckere Kuchen im Marienberger Café gab oder zu Weihnachten innerhalb der Klostergemeinschaft Kekse genossen wurden, dann trugen diese auch die Handschrift des ehemaligen Priors der Benediktinerabtei Marienberg. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="985369_image" /></div> <BR />Ob er jetzt als Abt noch die Zeit finden wird, in der Küche zu arbeiten, bezweifelt er: „Es wird schwierig werden, derzeit kann ich aber noch nicht abschätzen, wie ich im Sommer als Abt eingespannt sein werde.“<h3> Abt sitzt an der Orgel</h3>Abt Philipp spielt auch auf der Königin der Instrumente, der Orgel: „In Deutschland habe ich den Abschluss in Kirchenmusik ‚C‘ gemacht, was einem nebenberuflichen Kirchenmusiker entspricht.“ Außer an den Sonn- und Feiertagen spielt der Geistliche bei fast jedem Gottesdienst in der Marienberger Stiftskirche auf der Orgel. „Wenn es mich unter der Woche trifft, die Messe zu zelebrieren, dann schweigt die Orgel und ein Mitbruder muss a cappella singen“, sagt er. „Leider fehlt die Zeit zum Üben. An den Sonn- und Feiertagen haben wir einen angestellten Organisten.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="985372_image" /></div> <BR /><BR />Abt Philipp Kuschmann ist auch gerne unter Leuten: So gehört er zur großen Familie des Alpenvereins und zur Bauernjugend des Schlanderser Sonnenbergs. Bei passenden Anlässen schlüpft er sogar in Lederhosen.<BR /><BR /> Und die Tracht zieht er an, wenn er beim Hauptkonzert der Burgeiser Musikkapelle als Sprecher auftritt. „Vor Jahren bin ich als Notlösung dazugekommen, und wenn es mir ausging, war ich in den vergangenen Jahren immer dabei“, betont Kuschmann, der auch ein gutes Verhältnis zu den Vinschger Schützen pflegt. <BR /><BR />„Und wenn mir ganz langweilig wird, fange ich an zu puzzeln. Als ich noch in Deutschland lebte, habe ich auch Theater gespielt. Das ist aber schon lange her“, sagt er. Übrigens: Der Abt ist auch geprüfter Gastwirt. „Einen solchen braucht es, weil wir ja ein Klostercafé und 9 Gästezimmer betreiben“, schmunzelt er. <BR /><BR /><embed id="dtext86-63027724_listbox" /><BR /><BR />