Samstag, 23. Mai 2015

Der Eurovision Song Contest 2015 im Vorab-Check

Warum quälen sich Millionen jedes Jahr stundenlang mit kurioser Musik und verfolgen eine hoch komplizierte Punktevergabe? Der Eurovision Song Contest wirft viele Fragen auf. Einige Antworten vor dem 60. ESC an diesem Samstagabend.

Conchita Wurst, Arabella Kiesbauer, Mirjam Weichselbraun und Alice Tumler
Conchita Wurst, Arabella Kiesbauer, Mirjam Weichselbraun und Alice Tumler - Foto: © APA/EPA

Das Finale des Eurovision Song Contest steigt an diesem Samstagabend wieder. In diesem Jahr geht der Musikwettbewerb zum 60. Mal über die Bühne – in Österreichs Hauptstadt Wien. Was es zum ESC 2015, der das Motto „Building Bridges“ (Brücken bauen) hat, zu wissen gibt:

Warum guckt man sich den ESC überhaupt an?

Tja, gute Frage. Geschätzt 100 Millionen Menschen weltweit verfolgen die Show, die manchmal quälend, manchmal langweilig ist, aber auch sehr glamourös sein kann. Der ESC ist wohl Europas verbindendstes Fernsehereignis, bei dem zumindest für die Fans kurzzeitig eine echte, völkerverbindende, europäische Öffentlichkeit entsteht. Der ESC ist ein klassisches Second-Screen-Event (neben dem Fernsehen hat man also noch soziale Netzwerke im Blick). Viele schauen aber auch einfach nur mit Freunden – fiebern mit, lästern viel und trinken dabei Sekt, naschen vom Käse-Igel oder was auch immer.

Warum findet der Song Contest 2015 in Österreich statt?

Vergangenes Jahr in Kopenhagen gewann die bärtige Dragqueen Conchita Wurst, hinter der der Sänger Tom Neuwirth steckt, den ESC mit der pompösen Ballade „Rise Like A Phoenix“. Sie holte damit die Show in ihr Heimatland. Es war das zweite Mal, dass die Alpenrepublik den Musikwettbewerb gewann. Davor war dies nur dem im Dezember gestorbenen Udo Jürgens im Jahr 1966 mit „Merci, Chérie“ gelungen.

Wer macht mit?

Dieses Jahr waren ursprünglich 40 Staaten im Rennen, von denen 27 – so viele wie noch nie – im Finale übrig sind. Raus flogen in den Halbfinals zum Beispiel Dänemark, die Niederlande, Finnland mit einer Punk-Band aus Behinderten, Malta, die Schweiz und Tschechien. Wegen Geldmangels setzte die Ukraine ihre Teilnahme komplett aus. Abstinent sind etwa auch die Türkei oder aber seit vielen Jahren Luxemburg. Gesetzt für das Finale sind immer die großen Geldgeber (Big Five), also Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien sowie der Gastgeber und 2015 außerdem noch ein außereuropäischer Ehrengast.

Was ist das Besondere in diesem Jahr?

Erstmals dabei ist Australien, womit zum 60. Jubiläum die geografische Begrenzung der Eurovision-Welt gesprengt wird. Die Aussis dürfen in Austria mitmachen, weil es in „Down Under“ seit etwa 30 Jahren eine stetig wachsende Fangemeinde gibt. Sollte Australien gewinnen, wäre Deutschland – das heißt: der bei der ARD federführende Norddeutsche Rundfunk (NDR) – einer der möglichen Ausrichter 2016, da der ESC auf alle Fälle in Europa bleiben soll.

Wer ist Favorit?

Zu den Favoriten gehört 2015 mal wieder Schweden. Chancen auf Plätze ganz vorn haben auch Russland, Belgien, Italien, Australien, Estland oder Serbien. Und natürlich gilt: Der ESC ist immer für eine Überraschung gut. Albanien vielleicht? Oder Israel?

Wer moderiert?

Ein Frauen-Trio führt durch die Show: Alice Tumler, Mirjam Weichselbraun und Arabella Kiesbauer. Conchita Wurst agiert als Betreuerin der Teilnehmer in deren Wartebereich, dem sogenannten Green Room. Fürs deutsche Publikum kommentiert bereits zum 18. Mal der Musikjournalist und Grand-Prix-Altvater Peter Urban mit sanfter Stimme. Wer sich Urban sparen will, kann beim ARD-Sender EinsPlus eine Übertragung mit Gebärdendolmetscher schauen.

Wie ist die Bühne?

Die riesige Bühne in Form eines überdimensionalen Auges in der Wiener Stadthalle ist ein Blickfang, sie macht zahlreiche Show-Effekte möglich. Die Halle mit 10.000 Zuschauern ist im Vergleich zu früheren ESC-Shows recht klein, aber beeindruckend. Der ORF ist stolz auf sein Kugelballett. Mehr als 600 Ein-Kilogramm-Kugeln mit einem Durchmesser von 20 Zentimetern tanzen computergesteuert an kaum sichtbaren Seilen über den Köpfen der Zuschauer. Es entstehen Formationen, die der Schöpfer Florian Wieder „kinetische Skulpturen“ nennt.

Wann steht der Sieger fest?

Viele ESC-Fans lieben die kultige Punktewertung mit Live-Schalten in alle 40 (!) Teilnehmerländer. Der ESC-Sieger 2015 dürfte spätestens gegen 0.30 Uhr feststehen.

dpa

stol