Samstag, 18. Februar 2017

Deutschland nimmt sprechende Spielzeugpuppe vom Markt

Die Kehrseite der neuen Welt des vernetzten Spielzeugs ruft in Deutschland eine Behörde auf den Plan: Die Bundesnetzagentur stuft eine sprechende Puppe als potenzielles Spionagegerät ein und nimmt sie vom Markt. Weitere Fälle könnten folgen.

Die funkfähige Sendeanlage, die in der Puppe "Cayla" verbaut ist, könnte zur Spionagezwecken missbraucht werden, urteilt die deutsche Bundesnetzagentur.
Die funkfähige Sendeanlage, die in der Puppe "Cayla" verbaut ist, könnte zur Spionagezwecken missbraucht werden, urteilt die deutsche Bundesnetzagentur. - Foto: © APA/AFP

Die Bundesnetzagentur in Deutschland hat in einem ungewöhnlichen Schritt eine sprechende Puppe wegen Überwachungsgefahr aus dem Handel genommen und will in Zukunft noch mehr Spielzeug auf den Prüfstand stellen.

"Unerlaubte funkfähige Sendeanlagen"

Die Behörde gehe „gegen unerlaubte funkfähige Sendeanlagen in Kinderspielzeug vor“, hieß es am Freitag. Betroffen ist erstmal die vernetzte Puppe „My Friend Cayla“, deren Sicherheit schon vor Monaten von Verbraucherschützern kritisiert worden war.

„Gegenstände, die sendefähige Kameras oder Mikrofone verstecken und so Daten unbemerkt weiterleiten können, gefährden die Privatsphäre der Menschen. Das gilt auch und gerade für Kinderspielzeug“, erklärte der Präsident der Bundessnetzagentur Jochen Homann.

Grundsätzlich sei jegliches Spielzeug, das funkfähig und zur heimlichen Bild- oder Tonaufnahme geeignet sei, in Deutschland verboten, betonte die Behörde. „Die Bundesnetzagentur wird noch mehr interaktives Spielzeug auf den Prüfstand stellen und wenn nötig dagegen vorgehen.“

Kein Vorgehen gegen Eltern

Ein Vorgehen gegen die Eltern sei im Zusammenhang mit dem Betrieb von „Cayla“ aktuell nicht vorgesehen, erklärte die Behörde, die den Telekommunikationsmarkt überwacht. „Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass Eltern eigenverantwortlich die Puppe unschädlich machen. Die Einleitung von Verwaltungsverfahren gegen die Eltern ist derzeit nicht geplant.“

Europäische Verbraucherschützer hatten bereits im November nach einer ausführlichen Untersuchung unter anderem davor gewarnt, dass sich wegen Sicherheitslücken Fremde mit etwas technischem Wissen über die Puppe mit den Kindern unterhalten könnten.

Entwickler der Puppe schweigt bisher

Der amerikanische „Cayla“-Entwickler Genesis, der die 2015 erschienene Puppe nach eigenen Angaben bereits bis Anfang vergangenen Jahres eine Million Mal verkauft hatte, war am Freitag zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

dpa

stol