Die Koffer im Flur ihres Elternhauses, sie stehen den ganzen Winter über startbereit. Wann Skier, Seile, Pickel, Steigeisen, Paraglider oder „GoPro“-Kameras ihre Reise antreten dürfen, das entscheidet sich morgens am Klo. Denn spätestens bei der Morgentoilette checken die beiden Brüder aus Schenna ihre Lieblings-App: den Wetterbericht.<BR /><BR />„Passt der Schnee und ist der Wind gut, müssen wir los“, erzählen Matthias und Jakob We<?TrVer> ger <?Uni SchriftWeite="97ru"> bei einem spontanen Treffen in Bozen – längerfristige<?_Uni> Termine zu fixieren ist für sie schwer. Aktuell warten die Brüder nämlich jeden Tag auf eine Südfront in den Dolomiten. Im Neuschnee durch die steilen Rinnen zu gleiten ist für sie „das Höchste der Gefühle“ – und es bringt gute Klickzahlen. Obschon der Spaßfaktor im Vordergrund steht, sind sie bei der Planung neuer Abenteuer nicht ganz unwichtig. <h3> Ihr „Office“ zwischen Felswänden und Fjorden</h3>Matthias (28) und sein jüngerer Bruder Jakob (25) sind nämlich im Hauptberuf Multisport-Ath<?TrVer> leten. Auf ihrem YouTube-Kanal „Weger Brothers“ nehmen sie die Zuschauer aus der Komfortzone hinaus in ihre Spielwiese fernab jeglicher Konventionen. Fünf bis sechs Tage die Woche sind die beiden Sportler im Schnitt in den Alpen, <?Uni SchriftWeite="94ru"> Dolomiten, aber auch in fernen Ländern der Welt unterwegs, um mit einer Kombination<?_Uni> aus mehreren Sportarten – etwa Kanufahren, Klettern und Radfahren im Sommer oder Freeskiing, Eisklettern und Paragliden im Winter – völlig neue Routen zu eröffnen und unbekannte Gegenden zu erkunden. „Die Natur konfrontiert uns mit einem breiten Spektrum an Situationen und Gegebenheiten. Wir begegnen ihr mit unterschiedlichen Fähigkeiten und können dadurch Grenzen überwinden“, erzählt Matthias Weger von neuen Kletterrouten, deren Startpunkt nur mit Paraglider erreichbar war, oder Trekkingtouren, für die zuerst Flüsse mittels Kajak passiert werden mussten. „Diese Abenteuer <?Uni SchriftWeite="93ru"> sind mit einer einzigen Sportart nicht machbar“, fügt Jakob We<?TrVer> ger hinzu.<?_Uni> <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="985492_image" /></div> <BR /><BR />Die beiden wissen, wovon sie sprechen. Die Weger-Brüder kommen nämlich aus dem Leistungssport und dominierten über Jahre den internationalen Kanu-Sport. Während Matthias ab 2015 dem österreichischen Team und Bundesheer angehörte, war der Jüngere bis 2022 Teil der italienischen Nationalmannschaft und in der Sportgruppe des Heeres verpflichtet. Ihr Weltklasseniveau bezeugen zahlreiche Titel, so war Matthias dreimal in Folge Extrem-Kajak-Europameister und Jakob U23-Weltmeister im olympischen Kanuslalom.<BR /><BR /><h3> Vom Kinderwagen in das Kanu</h3>Die Begeisterung für Bewegung wurde den beiden gewissermaßen in die Wiege gelegt. Vater Walter, selbst passionierter Kanufahrer, setzte seine Jungs schon im Kleinkindalter ins das Kanu im örtlichen Lido. Damals, so schmunzeln die beiden, eindeutig der tollere Sport als das Bergwandern am Wochenende mit der Familie. <BR /><BR />Die Passion für Alpinsportarten reifte erst in den Jugendjahren. Vor allem der Ältere verbrachte immer mehr Zeit auf Skiern, beim Paragliden oder in der Felswand, denn im Kanu. Das sorgte in der Mannschaft für Kritik. „Man sagte mir, dass ich dafür bezahlt werde, der beste Kanufahrer zu sein, und nicht am Berg oder in der Luft unterwegs zu sein“, erzählt Matthias Weger. <h3> Dem Leistungssport den Rücken gekehrt</h3>2019 schied er schließlich aus der österreichischen Nationalmannschaft aus und startete sein eigenes Ding. „Ich hatte viel Zeit und versuchte einfach, in mehreren Sportarten besser zu werden.“ <BR /><BR />Seine sportliche Entfaltung und diverse Erfolge blieben nicht unbemerkt. Bald schon klopften Sponsoren an, luden ihn zu Expeditionen, Wettbewerben und Filmprojekten im Wasser, an Land und am Berg ein. Der perfekt englischsprachige Burggräfler nahm je<?TrVer> de Chance wahr, um neue Gefilde kennenzulernen, und steckte mit seiner Abenteuerlust wohl auch Jakob an. Vor gut einem Jahr hängte dieser den Leistungssport ebenfalls an den Nagel. Keine einfache Entscheidung. „Man sagte mir, es sei extrem dumm, und auch das Heer wollte mich nicht gehen lassen“, erinnert sich Jakob. Bis heute aber hat er die Entscheidung nicht bereut. <BR /><BR />Denn seit sich der Student für Wirtschaft an der Fern-Uni Ha<?TrVer> gen und sein Bruder, bereits <?Uni SchriftWeite="96ru"> diplomierter Betriebswirt, „Vollzeit“<?_Uni> ihrer Marke „Weger Brothers“ widmen, können sie dank Sponsoren vom „Multisport“-Modell leben – und noch viel mehr erleben. Fliegen und Paddeln in Neuseeland, Freeriden in Argentinien oder Paddeln und Skifahren in Norwegen – das sind nur einige Vorhaben, die 2024 auf ihrer Agenda stehen. <BR /><BR /><h3> Große Filmprojekte und Abenteuer in der Wildnis</h3>Mit waghalsigem Extremsport haben ihre Unterfangen aber wenig zu tun. „Unser Job ist zwar spektakulär und actionreich, hat aber vertretbare Risiken. Kein Sponsor ist daran interessiert, dass jemand dabei stirbt“, weiß Matthias um die Diskussionen um „kopflose“ Extrem-Sportler, die ihr Tun in den 90er Jahren zu oft mit dem Leben bezahlten.<BR /><BR />„Wir haben heute die meisten Klicks, wenn wir Dinge machen, mit denen sich die breite Masse identifizieren kann – komplett verrückte Sachen sind gar nicht mehr gefragt“, kennt Jakob ihre Millionen- Community auf Instagram, YouTube oder TikTok genau. Europäer, Amerikaner, Asiaten und immer mehr Inder – vorwiegend aus Ski-Regionen – gehören zu ihren Followern. <BR /><BR />„Äs<?TrVer> thetisch wertvolle Bilder, schöner Schnee und tolle Lichtverhältnisse punkten besonders, aber auch Höhenangst triggert und schafft Emotionen bei den Zuschauern“, <?Uni SchriftWeite="94ru"> wissen die beiden Profis. Sie arbeiten mittlerweile mit professionellen Filmteams und Studios in Deutschland zusammen und generieren gemeinsam Content für diverse Kanäle, aber auch Werbespots und ganze Bergabenteuer-Dokumentationen.<?_Uni> <BR /><BR />Gerade wenn die Wegers mit Team unterwegs sind, steht Vernunft vor Leichtsinn. So wird im Winter jeder Hang genauestens geprüft und getestet, bevor man ihn quert, erzählt Ja<?TrVer> kob, der schon miterleben musste, was es heißt, von einer Lawine erfasst zu werden. „Dieses Erlebnis bleibt im Kopf, darum nehmen wir uns viel Zeit und überstürzen keine Entscheidung“, sagt er. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="985495_image" /></div> <BR /><BR />Wegers Eltern schätzen das Verantwortungsbewusstsein ihrer Buben und haben sich mittlerweile mit deren Jobwahl angefreundet. Und die Brüder selbst? Ein Brüdergespann ma<?TrVer> che vieles einfacher, aber auch komplizierter, lachen Jakob und Matthias, auf ihr Verhältnis angesprochen. „Man versteht sich einerseits ohne Worte, aber macht sich als Bruder logisch mehr Sorgen um den anderen“, unterstreicht Matthias, der – wie Jakob – seinen Lebenstraum noch möglichst lange leben will.<BR /><BR />„In unserem Metier gibt es kaum Konkurrenz, und auch wir entwickeln uns stets weiter, sportlich, vor der Kamera und auch marketingtechnisch. Seit Januar haben wir sogar einen Podcast“, rührt Matthias eifrig die Werbetrommel für ihr Business. Reich werden? „Dafür wird dieser Job nicht reichen“, lacht Jakob – doch er bringe Spaß und Genugtuung – und das, so sind sich beide einig, sei doch der größte Reichtum.