Sonntag, 15. Mai 2016

"Doch ein bisschen viel Druck auf einmal"

Jan Böhmermann hat in der ersten Folge seines Podcasts „Fest & Flauschig“ Einblicke in seine Gefühlswelt der trubeligen letzten Wochen gewährt.

Jan Böhmermann
Jan Böhmermann

Als Künstler steht der 35-Jährige weiter hinter seinem Schmähgedicht und bezeichnet sich als „der kalte Fisch“, dem es egal sei, verklagt zu werden. „Künstlerisch war das eine geile Nummer“, sagte Böhmermann in der rund einstündigen Folge „Aufbau West“, „schade, dass sie von mir war“.

"Die Luft wird doch ein bisschen dünn"

Als Privatperson nämlich habe ihn der Wirbel um sein Gedicht verunsichert. „Persönlich war das doch ein bisschen viel Druck auf einmal.“ Dass seine Satire so auf seine Existenz zurückwirken könne, habe er nicht gedacht.

„Die Luft wird dann doch ein kleines bisschen dünn, wenn abends die Polizei bei dir an der Tür klingelt und dann sagt: 'Wir müssen Sie mal kurz hier rausholen, weil wir um Ihre Sicherheit besorgt sind.'“, so Böhmermann. Das habe ihn zu einer mehrwöchigen Auszeit bewogen – auch mit Blick auf seine Familie.

Nicht auf Augenhöhe mit Merkel und Co.

Dem von manchen Kritikern geäußerten Vorwurf, er könne austeilen, aber nicht einstecken, entgegnete Böhmermann: „Ich bin doch nicht auf Augenhöhe mit der mächtigsten Frau Europas oder Welt und auch nicht mit einem Staatspräsidenten“. Er sei „der kleine Junge auf der Straße, der oben die Leute mit Steinen beschmeißt“.

Böhmermann hatte in seiner TV-Show „Neo Magazin Royale“ Ende März ein Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vorgetragen. Erdogan hatte einen Strafantrag gegen Böhmermann gestellt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte das Gedicht als „bewusst verletzend“ bezeichnet.

dpa

stol