Entlang der Grenzübergänge – Reschen, Brenner, Winnebach – ließ der faschistische Diktator Benito Mussolini in den Jahren 1931 bis 1936 bzw. 1939 bis 1942 massive Verteidigungsanlagen errichten. Auch im Großraum Bozen wurden mehrere Bunker gebaut, von denen heute nur mehr einer erhalten ist. <BR /><BR /><BR />In unmittelbarer Nähe der Mebo-Einfahrt, von der Eisackuferstraße kommend, befindet sich ein Lkw-Stellplatz, an dem an einem Ende davon ein von außen unscheinbarer, von Efeu und anderen Sträuchern bewachsener Eingang sichtbar wird. <BR /><BR />Aber hinter diesem Eingang tritt eine völlige andere Welt zutage: Es handelt sich hier nämlich um den letztverbliebenen freistehenden Bunker im Industriegebiet von Bozen-Süd – alle übrigen sind inzwischen verschwunden. Dieser Bunker ist ein Relikt aus längst vergangenen Jahren – diese Schutzwälle sind im Bozner Raum als so genannte 3. Verteidigungsanlage in den Jahren 1931 bis 1936 bzw. 1939 bis 1942 errichtet worden – und wurde wie viele andere auch im Zuge des Übergangs militärischer Immobilien im Jahr 1999 dem Land Südtirol abgetreten.<BR /><BR /><embed id="dtext86-49268390_quote" /><BR /><BR /><BR />Der Bunker ist praktisch noch im Urzustand erhalten und der heutige Besitzer, Max Agostini, hat ihn seinerzeit direkt vom Landesamt für Vermögen erworben: „Es war noch vor den verschiedenen Versteigerungen, die vom Land ausgelobt worden sind. Ich habe mich umgesehen und umgehört, dieser Bunker hat mir von allem Anfang an sehr gefallen, und so habe ich sofort zugeschlagen. Auch das umliegende Gelände gehörte dazu, ich finde diesen Ort einfach ideal für mich.“ <BR /><BR />Bisher hat Agostini beim Bunker noch sehr wenig geändert, es sei auch nicht seine Absicht, ihn dem Verfall preiszugeben, er wäre aber auch offen für mehrere Optionen, beispielsweise könne er sich ein Tauschgeschäft vorstellen.<BR /><BR />Der Bunker ist auf 3 Ebenen angelegt und umfasst insgesamt etwa 250 Quadratmeter. Umgeben ist der Bunker von 3,5 bis 4,5 Meter dicken Betonwänden, die vor jeglichem Luft- und Bodenangriff schützen sollten. Vom Eingang aus gelangt man in die verschiedenen Gänge und Räume, wo zu Verteidigungszwecken die entsprechenden Waffen eingesetzt werden konnten. Der Bunker sollte mit Panzerabwehrkanonen bestückt werden, die auf den Panzergraben ausgerichtet sind, an dessen westlichen Ende der Bunker sitzt. Er verfügte weiters noch über Scharten für Maschinengewehre und -pistolen sowie solchen, die der Observation dienten.<BR /><BR /><b>Wertschätzung für die Anlagen</b><BR /><BR /><BR />Während sich im Erdgeschoss und im Obergeschoss die Verteidigungsräume befanden, waren im Untergeschoss hauptsächlich die Verpflegungs- und Mannschaftsräume untergebracht.<BR /><BR />Laut Heimo Prünster, der derzeit den sogenannten „Vallo Alpino“ im Auftrag des Landesmuseums Festung Franzensfeste erforscht, würden heutzutage die Bunker auf unterschiedliches Interesse in der Bevölkerung stoßen: „Wie bei vielen Dingen, gibt es auch hier begeisterungsfähige Menschen, die sich für diese Festungsmethode interessieren, manche hingegen können damit wenig anfangen.“ <BR /><BR />Wichtig sei aber, dass die Bunker aus der Sicht ihrer Entstehung betrachtet und demzufolge auch wertgeschätzt werden sollen. „Für mich persönlich stellen sie jedenfalls ein sehr interessantes Forschungsobjekt dar, das eben viele Facetten aufweist. So kann man sie mit den Schlössern und Burgen unseres Landes in Verbindung setzen, die ja letztlich auch zum Schutz und zu Verteidigungszwecken errichtet worden sind“, sagt Prünster.<BR /><BR /><b>Ein Teil der Stadtgeschichte</b><BR /><BR /> Er bezeichnet Bunkeranlagen als die „letzten Vertreter aus der Gattung der Wehrbauten und der jüngste Bestandteil der reichen Südtiroler Festungsgeschichte.“<BR /><BR />Auf die Frage, was er sich vom Bunker-Besitzer Max Agostini wünsche, meint Prünster, dass es das Wichtigste wäre, dass „dieses allerletzte Exemplar der Gattung martialischer Kriegsbauten in Bozen“ erhalten bleiben könne, andernfalls würde ein nicht unwesentlicher Teil der Stadtgeschichte verloren gehen.<BR />