Samstag, 28. November 2015

„Ein guter Konditor hat keine Geheimnisse“

Gezweifelt hat Andreas Acherer nie. Er hat immer daran geglaubt, dass aus seiner Idee etwas werden kann. Aus der Idee, ein Geschäft zu eröffnen mit einzigartigen Mehlspeisen, die man so schnell in keiner anderen Konditorei findet. Für seine kleinen Kunstwerke wurde er vor Kurzem mit den „Tre Torte“ des Gourmetführers Gambero Rosso ausgezeichnet.

Ein Weihnachtsbaum aus edelster Schokolade erhält in der Backstube von Andreas Acherer den letzten Feinschliff.
Ein Weihnachtsbaum aus edelster Schokolade erhält in der Backstube von Andreas Acherer den letzten Feinschliff.

Die Lichter sind schon an in der Backstube Acherer und das bereits seit mehreren Stunden: Andreas Acherer und sein Team stehen meist ab vier Uhr vor dem Ofen, jetzt oft schon um 3 Uhr oder sogar noch früher. Doch auch wenn es gerade stressig ist, weil die Panettoni im Ofen sind und noch unzählig viele Lebkuchen gemacht werden müssen, hat er kurz Zeit für ein Interview.

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Andreas Acherer bei zwei Momenten der Panettoni-Herstellung (Fotos: DLife).

Was ich einmal werden möchte

Dass er schon mit fünf Jahren wusste, was er werden will, erzählt Andreas Acherer gleich zu Beginn. Und zeigt dann auf das Bild, das er damals gemalt hat: Ein Junge mit einer Torte in der Hand ist darauf zu sehen. Darüber steht in Schreibschrift: Was ich einmal werden möchte.

Warum er nicht – wie viele andere Kinder auch – Feuerwehrmann oder Pilot werden wollte? „Mein Opa war Bäcker. Ich glaube, ich habe das im Blut gehabt“, erklärt er und blickt durch die Backstube, der er vor neun Jahren neues Leben eingehaucht hat. Eine Backstube, mit der er mehr verbindet, als bloß seine Arbeit: Wo jetzt Öfen, Backbleche und Tische stehen, hat einst sein Großvater gewohnt, erzählt Acherer: „Wo jetzt das Schokoladelager ist, war das Badezimmer meines Großvaters. Es fühlt sich schon komisch an, hier Tag für Tag zu arbeiten, wo er gelebt hat.“

Spargel-, Oliven- und Wasabitörtchen

Dann wechselt er das Thema und spricht wieder über seine Arbeit, über die Kreativität, die er so daran liebt, über das Risiko, das er auf sich genommen hat, um ein eigenes Geschäft aufzubauen, über die Kunden, die er verschicken musste, weil er keine traditionellen Mehlspeisen hat.

Verschiedene Farben und verschiedene Formen prägen die süßen Kunstwerke von Andreas Acherer (Foto: DLife).

Acherer ist ein kreativer Kopf, einer, der verschiedene Geschmacksrichtungen kombiniert und keine Angst hat, Spargeltörtchen auszuprobieren oder Himalaya-Salz mit Honig zu kombinieren. „Unser Spargeltörtchen war der Renner“, erzählt er und ist sich sicher: „Es gibt unzählig viele Kombinationen, mit denen man spielen kann. Und das ist ja das Schöne am Konditorensein.“

Acherer ist stolz auf das, was er geschafft hat, lächelt, wenn er über sein Geschäft spricht. Er erzählt, wie er trotzdem an seiner Idee festgehalten hat und ein einzigartiges Geschäft aufgebaut hat: mit Blumen und verschiedensten Desserts aller Geschmacksrichtungen, die wie kleine Kunstwerke in der Vitrine stehen. Kunstwerke, die nicht nur gut aussehen, sondern auch hervorragend schmecken. Ein Geheimrezept hat Acherer dafür keines: „Gute Konditoren müssen nichts verstecken und kopieren auch nichts.“

stol/lp

stol