Montag, 30. Mai 2016

Geschafft! Kellermeister radeln im Tandem von Kaltern nach Capri

Vorhaben verwirklicht: Die beiden Kalterer Kellermeister Gerhard Sanin und Andrea Moser haben ihre über 1200 Kilometer währende Tandemfahrt vom Kalterer See bis nach Capri gemeistert.

Auf ihrer außergewöhnlichen Tandem-Tour durch Italien haben Gerhard Sanin (links) und Andrea Moser (rechts) immer wieder mit den Einheimischen über Essen und Wein gefachsimpelt.
Auf ihrer außergewöhnlichen Tandem-Tour durch Italien haben Gerhard Sanin (links) und Andrea Moser (rechts) immer wieder mit den Einheimischen über Essen und Wein gefachsimpelt.

STOL hatte vom Vorhaben berichtet und hat die beiden nun nach dem Zieleinlauf in Capri erreicht.

Südtirol Online: Wie sieht’s aus – seid ihr völlig erschöpft oder war die Radfahrt gar nicht so schlimm?
Gerhard Sanin: Am Anfang muss man sich an die Kilometer auf dem Sattel gewöhnen, gegen Ende hin wurde es eigentlich einfacher. Dann hatten wir auf ebenen Strecken einen Schnitt von 30 km/h. Da kommt man schon weiter. Jetzt sind wir soeben in Capri angekommen und der Vernatsch ist fertig. Jetzt suchen wir noch ein Plätzchen, wo wir den Schatz – also die leeren Flaschen – vergraben können.

STOL: Gab es besondere Schwierigkeiten?
Sanin: Einige Male mussten wir Umwege in Kauf nehmen, weshalb die Strecke länger wurde als gedacht. So haben wir statt der geplanten 1039 Kilometer letztlich 1255 Kilometer gemacht. Auf dem Abschnitt zwischen Fanano und Florenz hat es uns ordentlich eingeweicht, danach hat es sogar mal richtig geschauert. Egal, wir sind einfach platschnass in die Osteria hinein, und die Leute haben uns wohlwollend aufgenommen. Die Gastfreundschaft war schon herausragend.

Selbstverständlich haben sich die zwei Kellermeister Andrea Moser (links) und Gerhard Sanin auf ihrer Tour auch den einen oder anderen guten Tropfen gegönnt. 

STOL: Was wird euch Beiden besonders in Erinnerung bleiben?
Sanin: Im Grunde die gesamte Fahrt von Kaltern weg. Ein gastronomisches Highlight war beim Fischhändler in Terracina am 25. Mai, als er uns um 7 Uhr morgens den frischen Fisch filetiert und mit Zitrone, Würze und Olivenöl zubereitet hat, und wir anschließend die 129 Kilometer bis nach Neapel getreten sind. Diese Etappe führte uns aber durch eine trostlose, fast schon ghettoartige Gegend.

STOL: Und Neapel?
Sanin: In Neapel selbst pulsiert und vibriert das Leben. Neben Kunstschätzen wird der Müll gelagert und speziell das Hupkonzert war beachtlich. Außergewöhnlich war sicherlich auch der Empfang in Fanano, als schon vorher einige Radfahrer entgegenkamen und wir schließlich von einer Abordnung des Bürgermeisters mit einem Schwarzbeersaft empfangen wurden. Jene Gegend ist für ihre vorzüglichen Schwarzbeerprodukte bekannt.

STOL: Wie war das Echo auf eure Aktion in den einzelnen Etappenzielen?
Sanin: Es war interessant festzustellen, dass die Italiener schnell zusammenrennen, wenn es ums Essen und ums Trinken geht. Da ist jeder sofort dabei. Und so haben wir die jeweiligen Spezialitäten – etwa Pizza in Neapel, Büffelmozzarella in Reggio Emilia, Pecorino in Pienza oder frischen Fisch am Fischmarkt – mit unserem Schatz, dem Vernatsch, kombiniert. Ich denke, die Aktion hat sich allemal gelohnt, denn wir haben auch gesehen, dass der Vernatsch im Weinland Italien komplett unbekannt ist. So haben wir auch des Öfteren gelacht, wenn wir ihnen die korrekte Aussprache von „Kalterersee“ beibringen wollten.

STOL: Südtirol hingegen ist den Leuten einigermaßen ein Begriff?
Sanin: Soweit wir gesehen haben, allemal. Viele genießen in unseren Bergen den Urlaub und sind von der schönen Landschaft begeistert.

Geschafft: Moser und Sanin am Strand von Capri.

STOL: Die beiden Piraten vom Kalterer See sind mit ihrer vollendeten Mission also zufrieden?
Sanin: Absolut. Wir haben den Vernatsch unter die Leute gebracht und gezeigt, dass er sich hervorragend mit ihren Spezialitäten kombinieren lässt, vor allem gut gekühlt im Sommer. Wie gesagt, die Italiener lieben es, über das Essen und Trinken zu diskutieren und überall Impulse aufzunehmen.

STOL: Und Radlerwadeln habt ihr mittlerweile auch?
Sanin: Natürlich. Jetzt heißt es aber, wieder zurück an die Arbeit. Dabei bringen wir aber unseren wahren Schatz mit: Die vielen entwickelten Polaroid-Bilder. Auch das Tandem werden wir wohl vorläufig in der Kellerei deponieren.

Info: Vom 15. bis 26. Mai sind die beiden Kellermeister Gerhard Sanin (Erste&Neue Kellerei Kaltern) und Andrea Moser (Kellerei Kaltern) im Tandem von Kaltern bis nach Capri geradelt. Dabei haben sie eine Strecke von 1255 Kilometern mit rund 10.000 Höhenmetern zurückgelegt. Die Idee war bereits vor einem Jahr entstanden, kürzlich wurde die Fusion der beiden genannten Kellereien beschlossen. Fortan werden Sanin und Moser ein Kellermeister-Gespann bilden.

Interview: Alex Zingerle 

stol