<h3> Schuhmacher, Mesner und Mensch</h3>Für nicht weniger als 80 Jahre Treue wurde Konrad Delmonego aus Klausen Anfang des Jahres von der Mesnergemeinschaft der Diözese geehrt. Schon als Bub begann der heute 95-Jährige seinen Dienst in der Pfarrei. Ein gemeinsamer Rückblick mit dem Klausner, der nicht nur in der Kirche ein Leben lang ohne viel Aufhebens mitgeholfen hat.<BR /><BR />Lange ist es her, dass Konrad Delmonego als Bub mehrmals täglich von der Klausner Oberstadt in die nur einen Steinwurf entfernte Pfarrkirche eilte – und das meist schon in aller Herrgottsfrühe. Konrad Delmonego ist heute 95 Jahre alt, und wenn der gelernte Schuhmacher von damals erzählt, huscht ihm noch immer regelmäßig ein kleines, verschmitztes Lächeln über die Lippen. Als wäre die Zeit stehen geblieben. <h3>Erinnerung an vergangenen Zeiten </h3>Im fernen Jahr 1944, also mitten des Zweiten Weltkrieges, wurde Delmonego mit 15 Jahren Mesner der Pfarrei Klausen. Zuvor hatte der Jüngste von 5 Geschwistern unter dem damaligen Dekan Josef Moser bereits als Ministrant in der Kirche gedient. Vor wenigen Wochen wurde der noch immer rüstige Klausner von der Mesnergemeinschaft der Diözese in Brixen für nicht weniger als 80 Jahre Mesnerdienst geehrt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012473_image" /></div> <BR /><BR />„Einer Tages kam der Dekan zu uns nach Hause und fragte den Vater, ob ich die Mesnerei übernehmen könnte. Da war ich 15 Jahre alt, der damalige Mesner war in den Krieg eingezogen worden, und so übernahm ich seinen Posten“, erinnert sich Delmonego an früher. Das passierte ohne großen Aufhebens, und Nein zu sagen traute man sich damals auch nicht. „Ich kann mich noch gut an den Dekan Josef Moser erinnern, wie er an besonderen Festtagen im roten Talar vom Widum über die Andreasbrücke in die Kirche ging.“ Es sind Bilder wie diese, die auch Konrad Delmonego noch nach Jahrzehnten vor Augen hat. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012476_image" /></div> <BR /><BR />Als junger Mesner gab es viel zu tun, 2 Mal am Tag wurde die Messe gelesen, die erste schon um 7 Uhr morgens. „Da galt es, die Glocken zu läuten, natürlich mit der Hand, dem Dekan beim Ankleiden zu helfen, Kerzen anzuzünden und vieles mehr“, weiß Delmonego. Reges Treiben gab es naturgemäß an den Sonntagen: „Da wurde in Klausen zumindest bis in die 1960er Jahre 3 Mal täglich die Messe gelesen.“ Dazu kamen noch Sonderdienste bei Maiandachten, Rorate und den sonntäglichen Rosenkranzgebetsstunden. Auch nach seinem Militärdienst in Bologna und der Heirat mit seiner Frau Jakobine im Jahr 1954 blieb Delmonego seinem Dienst in der Pfarrei treu. Doch damit nicht genug: Viele Jahre war der Schuhmacher Präsident des Friedhofskomitees und Mitglied der Bürgerkapelle Klausen. Über 30 Jahre lang schlüpfte Delmonego am 6. Dezember in die Rolle des Nikolaus. „Ja, das stimmt, das habe ich auch gemacht.“ <h3>Von Nikolaus bis zum Helfer in der Not </h3>Viele Jahre lang war Delmonego auch Ansprechpartner für den Vinzenzverein in der Stadt. „Ich kann mich noch gut erinnern, dass immer wieder Leute zu uns in das Geschäft gekommen sind und gesagt haben: ,Konrad, kannst du uns helfen?' Da hat er viel Gutes getan“, erinnert sich sein Sohn Arnold, der heute gemeinsam dessen Tochter Nora – beide sind gelernte Schuhmacher - das Schuhhaus Delmonego in fünfter Generation führt. Konrad Delmonego nickt, ja, das war so, aber er mag nicht viel Aufhebens machen. <BR /><BR />Beim gemeinsamen Kirchgang erzählt Sohn Arnold, dass sein Vater bis heute seinen Stammplatz in der Kirche hat, ganz hinten rechts. Als Konrad Delmonego vor dem Eingang zur Pfarrkirche steht, sagt er keck, auf sein Alter angesprochen: „Ich lass mich nicht unterkriegen, bis 100 geht's noch, dann aber ist Schluss.“ Der Beistand von oben ist ihm sicherlich gewiss. <h3> Einer der Jüngsten</h3>Während Konrad Delmonego schon seit stolzen 80 Jahren Mesner ist, steht Josef Walter noch ganz am Anfang seines Dienstes in der Kirche: Der 13-Jährige ist der derzeit jüngste Mesner im Land. Mit dem Mesnerdienst tritt er in die Fußstapfen seiner Vorfahren. Der Lexhof in Wiesen übernimmt schon seit vielen Jahrhunderten in der Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz in Wiesen den Mesnerdienst. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012479_image" /></div> <BR /><BR />Am Patroziniumstag des vergangenen Jahres, dem 14. September, starb der Altbauer vom Lexhof und langjährige Mesner Johann Walter plötzlich und unerwartet im Alter von 78 Jahren. Er hatte mehr als 40 Jahre zuvor den Mesnerdienst in der Pfarrei Wiesen von seinem Vater Josef übernommen und ihn seitdem mit großem Pflichtbewusstsein ausgeübt. <BR /><BR />Beim Lex-Hof, wo die Familie Walter seit über 250 Jahren zu Hause ist, wurde anfänglich der Mesnerdienst mit dem Nachbarhof Schmelzer jährlich gewechselt. Seit 1942 wird die Mesnerei nur mehr von der Familie Walter verrichtet. <BR /><BR />Viele in der Familie helfen nun mit, den Mesnerdienst gemeinsam weiterzuführen, vor allem Antonia Walter, die Frau des verstorbenen Pfarrmesners, und Sohn Simon, der vom Vater schon mit 16 Jahren in die Mesnergemeinschaft eingeschrieben worden war.<h3> „Als Jungmesner muss man sich in der Sakristei gut auskennen“</h3>Auch Enkel Josef Walter, vor wenigen Tagen 13 Jahre alt geworden, hilft nun beim Mesnern mit. An vielen Sonntagen hat er seinem Onkel Simon beim Mesnern über die Schulter geschaut und dabei vieles gelernt, was man für diesen Dienst wissen muss.<BR /><BR />Josef Walter erzählt, dass es in der Weihnachtszeit schon eine Herausforderung war, mit dem Kerzenanzünder die vielen Kerzen am Hochaltar anzuzünden. „Man muss Acht geben, den brennenden Docht nicht zu geneigt zu halten, denn dadurch würde die Flamme immer größer werden und Wachs könnte heruntertropfen. Wenn der Docht zu gerade gehalten wird, dann ist es schwer die Kerze zu entzünden“, weiß er. „Als Jungmesner muss man sich gut auskennen in der Sakristei, und es ist schon einiges herzurichten, damit die Messfeier gefeiert werden kann“, sagt er.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012482_image" /></div> <BR /><BR />Besonders freute er sich darauf, das erste Mal bei einem Sonntagsgottesdienst alleine Mesnern zu dürfen. An einem Sonntag im Februar war es dann soweit, dass der Mesnerdienst in seiner Verantwortung lag. <BR /><BR />Für einen guten Überblick über alles, was der Mesner vor, während und nach der Messfeier zu erledigen hat, hat ihm sein Onkel Simon eine Liste geschrieben: Die umfangreichen Aufgaben eines Mesners füllten eine ganze Seite.<BR /><BR />Der junge Mesner erledigte den Mesnerdienst mit Bravour. Am Ende des Gottesdienstes rief ihn Pfarrseelsorger Corneliu Berea aus der Sakristei hinaus zum Altar, wo er ihm unter dem Applaus der Gläubigen das Abzeichen der Mesnervereinigung an die Jacke steckte und ihm viel Freude bei seiner neuen Aufgabe als Mesner wünschte. <BR /><BR />Er wird nun seinem Onkel und seiner Großmutter bei der Mesnerei zur Hand gehen und auch weiterhin ab und zu bei den Sonntagsgottesdiensten alleine das Mesnern übernehmen. <BR />