Samstag, 17. Dezember 2016

Im Inhalt streng, in der Art locker: Franziskus wird 80

Vor seiner Wahl zum Papst zählte er nicht zu den Favoriten. Und doch wählte ihn das Konklave, den einzigen Jesuiten in der Runde: Jorge Mario Bergoglio, geboren 1936 als Sohn italienischer Einwanderer in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, wurde im März 2013 Oberhaupt der Katholiken.

Den Namen Franziskus nahm er an, weil der heilige Franz von Assisi Genügsamkeit predigte – so, wie es auch Papst Franziskus auf seinen Reisen hält, wenn er sich im Kleinwagen chauffieren lässt.

Im Inhalt streng, aber in der Form jovial, offen und spontan, ist Franziskus ein Kontrapunkt zu seinem Vorgänger, dem Deutschen Benedikt XVI. Sonntags entließ er die Messebesucher gern mit einem „Buon pranzo“ – „Mahlzeit“ würde man im Deutschen sagen.

Der ausgebildete Chemiker Bergoglio, der in seiner Jugend Tango tanzte, ging mit 21 Jahren ins Priesterseminar, die Weihe empfing er elf Jahre später. 1973 wurde er zum Provinzial des Jesuitenordens in Argentinien berufen. Seine Rolle während der Militärdiktatur wurde von manchen kritisiert: Man warf ihm vor, zwei Jesuiten nicht vor der Verfolgung durch die Junta geschützt zu haben. Bergoglio bestritt das stets.

1998 übernahm er die Erzdiözese von Buenos Aires, 2001 wurde er Kardinal. Oft sucht er die Konfrontation mit den Mächtigen der Welt, kritisiert Korruption, Umweltverschmutzung, Ausbeutung und Verschwendung.

Er setzt sich für Flüchtlinge, Obdachlose und Kranke ein und empfängt diese auch immer wieder im Vatikan. Auf zwei Familiensynoden ließ er zudem einstige Tabuthemen wie Homosexualität und den Umgang mit Geschiedenen diskutieren.

Papst Franziskus in Zitaten

Papst Franziskus ist für seine offenen Worte bekannt. Eine Auswahl prägender Zitate:

„Ich möchte eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen.“
(Im März 2013 bei einer Audienz für Medienvertreter im Vatikan)

„Nein, ich wollte nicht Papst werden. Ein Mensch, der Papst werden will, liebt sich nicht selbst.“ 
(Im Juni 2013 bei einer Fragestunde mit Jesuitenschülern im Vatikan)

„Wenn jemand schwul ist, und er den Herren sucht und guten Willen zeigt, wer bin ich, das zu verurteilen.“
(Auf dem Rückflug von seiner Reise nach Brasilien im Juli 2013)

„Wir haben uns an das Leiden des anderen gewöhnt, es betrifft uns nicht, es interessiert uns nicht, es geht uns nichts an! (...) Die Globalisierung der Gleichgültigkeit hat uns die Fähigkeit zu weinen genommen!“
(In einer Predigt auf der Flüchtlingsinsel Lampedusa im Juli 2013)

„Die Räume einer einschneidenden weiblichen Präsenz in der Kirche müssen weiter werden. Die Frauen stellen tiefe Fragen, denen wir uns stellen müssen. (...) Maria – eine Frau – ist wichtiger als die Bischöfe. (...) Der weibliche Genius ist nötig an den Stellen, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden.“
(Interview für die jesuitische Zeitschrift „Stimmen der Zeit“ im September 2013)

„Gott vergibt immer, Menschen manchmal, die Natur nie. Wir müssen uns um die Natur kümmern, damit sie nicht mit Zerstörung antwortet.“
(Im November 2014 bei der UN-Ernährungskonferenz in Rom)

„Die Erde, unser Haus, scheint sich immer mehr in eine unermessliche Mülldeponie zu verwandeln.“
„Der Rhythmus des Konsums, der Verschwendung und der Veränderung der Umwelt hat die Kapazität des Planeten derart überschritten, dass der gegenwärtige Lebensstil nur in Katastrophen enden kann.“
(In seiner im Juni 2015 in Rom veröffentlichten Umwelt-Enzyklika „Laudato si“)

„Liebe junge Freunde, wir sind nicht auf die Welt gekommen, um zu “vegetieren„, um es uns bequem zu machen, um aus dem Leben ein Sofa zu machen, das uns einschläfert; im Gegenteil (...), wir sind gekommen, um eine Spur zu hinterlassen.“
(Im Juli 2016 beim Weltjugendtag im polnischen Krakau)

dpa 

stol