Montag, 06. Juli 2015

In der Rolle von Banditen Wilder Westen spielen

Die verrückte Westernparodie „Colt-Express“ (Verlag Ludonaute) gewann am Montag die begehrte Auszeichnung „Spiel des Jahres“ 2015. Schießen, schlagen, Gewalt als bestimmendes Spielelement – was bei vielen Computerspielen dazu gehört, ist auch bei klassischen Brettspielen für die Familie nicht mehr tabu.

"Colt-Express" heißt das Spiel des Jahres 2015 des Franzosen Christophe Raimbault.
"Colt-Express" heißt das Spiel des Jahres 2015 des Franzosen Christophe Raimbault.

Per Aktionskarten wird bei „Colt-Express“ geballert und die Konkurrenten buchstäblich aus dem (Spiel-)Feld geschlagen, was das Zeug hält. Mit dem actionreichen Spiel überzeugte der Franzose Christophe Raimbault die Jury und setzte sich gegen Hunderte Mitbewerber durch.

Zum 37. Mal kürte eine achtköpfige Jury am Montag in Berlin das Spiel des Jahres. Der Wettbewerb wird dabei immer internationaler. „Von 15 empfohlenen Spielen auf unserer Liste kommen 12 Autoren aus dem Ausland“, sagt Tom Felber, der Vorsitzende des Vereins Spiel des Jahres e.V..

Spielfeld in 3D

Erfinder Raimbault hat sich für seinen „Colt-Express“ auch vom Spielmaterial her etwas Neues einfallen lassen. Gespielt wird auf einem dreidimemensionalen Zug und nicht auf einem flachen Brett. Nicht irgendein Kult-Western stand Pate für seine Spielidee, sondern der von ihm geliebte Comic „Lucky Luke“, verrät der Franzose.

In der Westernparodie schlüpfen die Spieler in die Rolle von Banditen, die Reisende ausrauben und sich dann noch als „Ober-Bandit“ qualifizieren, indem sie den anderen ihre Beute abjagen.

Zunächst kann sich jeder Spieler einen von sechs Charakteren mit besonderen Eigenschaften wie bessere Schussfähigkeit oder besondere Cleverness aussuchen. Mit Hilfe von Aktionskarten wird ein Aktionsplan erstellt, den es dann umzusetzen gilt. Doch die anderen funken kräftig dazwischen – wer gerade noch feixt, tappt vielleicht gerade in den nächsten Hinterhalt.

„Diese Mischung aus Planung und Chaos hat Charme und Witz“, urteilte die Jury.

Vom Kennerspiel des Jahres verhext

Das Kennerspiel des Jahres „Broom Service“ (Verlag: alea/Ravensburger) entführt ins Reich der Hexen und Druiden (Broom ist der Besen, auf dem die Hexen fliegen). Wer braut die besten Zaubertränke und liefert sie sicher ab? Dabei müssen die Spieler ständig entscheiden, ob sie mutig und damit lukrativer oder feiger und damit weniger gewinnträchtig handeln.

Wer jedoch zu mutig ist, kann auch alles verlieren. Dieser Entscheidungszwang „sorgt für Spannung am Fließband“, bilanzierte die Jury.

apa

stol