<b>Von Petra Schwienbacher</b><BR /><BR />Kaninchen lieben es zu laufen, Haken zu schlagen, zu springen und zu buddeln. Handelsübliche Ställe oder gar Käfige sind für die Ansprüche der beliebten Nagetiere viel zu klein und alles andere als artgerecht. Zu wenig Platz erhöht sogar das Stresslevel, wie eine Studie* aus dem Jahr 2023 zeigt.<BR /><BR />Für die Studie wurden 10 Kaninchenpaare – je ein kastriertes Männchen und ein Weibchen – in kleinen Ställen mit 0,73 Quadratmetern Grundfläche untergebracht, 10 Paare in größeren Ställen mit 1,86 Quadratmetern Fläche. Zusätzlich hatten alle Tiere einen Auslauf von 3 Quadratmetern. Für eine Gruppe war der Auslauf rund um die Uhr zugänglich, für die andere nur für 3 Stunden am Tag.<BR /><BR />8 Wochen lang untersuchten die Forscher anhand von Kotproben die Menge an Stresshormonen der Kaninchen. Mit einem Ergebnis, das erfahrene Kaninchenhalter wenig verblüfft, unerfahrene aber zum Umdenken anregen sollte: Die Tiere, die in kleinen Ställen untergebracht waren und nur 3 Stunden Auslauf bekamen, hatten nachweislich deutlich erhöhte Stresshormone. <BR /><BR />Zudem zeigten sie Verhaltensauffälligkeiten – sie wiederholten ständig bestimmte Bewegungsabläufe. Bei den Tieren mit größerem Stall und uneingeschränkten Auslauf wurden nur wenig Stresshormone festgestellt. <BR /><BR />Diese Studie verdeutlicht, wie wichtig ein großes Gehege und uneingeschränkter Auslauf für Kaninchen ist. Ein dauerhaft erhöhtes Stresslevel kann sogar zu Krankheiten führen und die Lebenserwartung verkürzen. Kaninchenhalter und -züchter sollten sich daher Gedanken um die Haltung ihrer Tiere machen. <h3> Das richtige Gehege</h3>Das optimale Gehege für 2 Kaninchen ist mindestens 6 Quadratmeter groß. Für jedes weitere Kaninchen sollten mindestens 2 zusätzliche Quadratmeter Grundfläche eingeplant werden. Tag und Nacht sollten die Tiere uneingeschränkten Zugang zum Auslaufgehege haben. <BR /><BR />Wer das nicht ermöglichen kann, sollte seinen Tieren mindestens 3 bis 4 Stunden morgens und nachmittags Auslauf gewähren, selbst, wenn sie in großzügigen Ställen gehalten werden.<BR /><BR />Wer keinen Garten hat, um ein Gehege mit Auslaufbereich im Grünen zu bauen, kann in der Wohnung für ein artgerechtes Kaninchen-Zuhause sorgen. Das Innengehege kann beispielsweise auf verschiedene Ebenen aufgebaut werden und sollte ebenso über Verstecke und Beschäftigungsmöglichkeiten verfügen. <BR /><BR />Damit die Tiere auch drinnen dem Bedürfnis des Buddelns nachkommen können, sollte ihnen eine Sandkiste bereitstehen. Und selbstverständlich brauchen sie auch in der Wohnung einen sicheren Auslauf. <h3> Auslauf sichern</h3>Wer seinen Kaninchen ein Außengehege einrichtet, muss neben einem guten Zaun mit kleinen Maschen auch einen Buddelschutz oder eine Bodensicherung anbringen. Nicht nur, um das Gehege ausbruchsicher zu machen, sondern auch, um vor Raubtieren zu schützen. <BR /><BR />Das Gehege kann mit Draht, zum Beispiel mit einem einen Millimeter starken, verzinkten und punktverschweißten Volierendraht, oder mit Rasengittersteinen nach unten gesichert werden. Dazu muss zuerst der Boden ausgehoben, das Gitter oder die Steine darauf platziert und darüber eine Erdschicht verteilt werden. Dies ist die sicherste Methode, um die Kaninchen daran zu hindern, sich freizubuddeln und zudem die sicherste Methode gegen Raubtiere. Allerdings eignet sie sich nur bei kleinen Gehegen oder Nachtbereichen. <BR /><BR />Bei größeren Gehegen oder Freiläufen sollte der Zaun bis mindestens 30 Zentimeter in den Boden reichen. Alternativ werden bis in diese Tiefe Bodenplatten versenkt oder ein Bodenfundament gegossen.<BR /><BR /> Egal für welche Methode sich Kaninchenhalter entscheiden, in jedem Fall sollten die Erdbauten der Kaninchen regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls wieder zugeschüttet oder mit Steinen verschlossen werden, damit sich die Tiere nicht irgendwann trotzdem freibuddeln.<BR /><BR /><i>*Die Studie der University of Bristol Vet School (England) erschien im April 2023 im Magazin „Applied Animal Behavior Science“.</i><BR /><BR />