Sobald sich das Hallentor in der Gewerbezone von Margreid öffnet, lässt sich augenblicklich nachvollziehen, warum hier nicht nur Vespa-Liebhabern das Herz aufgeht. Schön aufgereiht posieren an die 70 Modelle aus allen Epochen, von unterschiedlichster Bauart und in allen Farben um die Wette, man wähnt sich in einem veritablen Vespa-Eldorado. Wobei: Nicht alle dieser Kultobjekte sind frei von Mängeln, einige wenige sind nicht mal fahrtüchtig. <BR /><BR />Allerdings ist gerade das der Clou: Der Margreider Unternehmer Patrick Baldo hat hier einen Handel mit den Kultobjekten aufgezogen, gerade alte und oftmals ausrangierte Exemplare ziehen nicht selten das größte Interesse auf sich. Dabei wird das Objekt der Begierde natürlich auf Herz und Nieren abgeklopft – zum Glück kann Patrick Baldo auf die Dienste von 2 spezialisierten Vespa-Mechanikern zurückgreifen – und somit den Wünschen der Interessenten entsprechend Rechnung tragen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="923722_image" /></div> <BR /><BR />Das bedeutet beispielsweise, dass man nach Originalteilen sucht, das Äußere nach dem angesagten „conservato“-Style aufpoliert, also im Erstlack belässt, und natürlich die Funktionsweise von Motor, Bremsen, Licht etc. einer genauen Prüfung unterzieht. „Mein Lieblingsmodell? Tut mir leid, da muss ich passen, denn hier ist die große Vielfalt das Besondere“, sagt Patrick Baldo, während er durch die Reihen geht und die Besonderheiten einiger Modelle erörtert. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="923725_image" /></div> <BR /><BR />Mal ist es die sportliche Ausführung, dann der Retro-Look, mal Kuriositäten wie die Bluejeans-Optik im Falle der Primavera-ET3, dann wieder absolute Bauteil-Raritäten wie die Positionierung des vorderen Scheinwerfers („Faro basso“) oder die „Stangeleschaltung“. Dabei geht der Schaltimpuls von einem im Lenker angebrachten Schaltrohr aus. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="923728_image" /></div> <BR /><BR />Welche sind denn nun am begehrtesten? Patrick Baldo führt aus: „Momentan sind die ,Conservati‘ stark im Trend, die höchsten Preise erzielen die allerersten Modelle, die mittlerweile echte Raritäten sind, aber auch für die Sportmodelle aus den 1960er- und 1970er-Jahren werden ordentliche Summen lockergemacht. Für beliebte Modelle bewegt sich der Preis zwischen 5500 und 8000 Euro, Sammlerstücke haben recht schnell den Wert eines Kleinautos, und die allerteuersten Exemplare aus den Anfangsjahren der Produktion wechseln sogar für 70.000 Euro und mehr den Besitzer. Klar ist aber auch, dass sich die Modelle in einem top Zustand befinden müssen.“ In den vergangenen Jahren haben Vespas ähnlich wie Oldtimer enorme Wertsteigerungsraten von teils über 50 Prozent erfahren, weiß der Margreider, der im Verlauf der vergangenen 3 Jahre rund 200 Exemplare vermittelt hat. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="923731_image" /></div> <BR /><BR />Dabei kam er zur Vespa aus reinen Gründen der Notwendigkeit. Früher, also in den Jahren der Nachkriegszeit, entwickelte sich die Vespa schnell zu einem beliebten, weil günstigen und unkomplizierten Fortbewegungsmittel. Genau das hatte ihr Erfinder, der italienische Ingenieur Corradino D'Ascano bezwecken wollen, als er im Auftrag von Firmenchef Enrico Piaggio die allererste Vespa entwarf, die im Jahre 1946 mit 98 Kubikzentimeter Hubraum (deshalb Vespa 98) produziert wurde. Exakt diese Modelle sind heute ein Vermögen wert. <BR /><BR />„Mein Großeltern fuhren mit einer Vespa zur Arbeit in die Weingüter und so kam ich damit in Kontakt, richtig los mit der Vespa-Leidenschaft ging es mit Anfang 20. Da kaufte ich mir erstmals selbst eine, bald schon besaß ich 4 Exemplare und schließlich teilten wir in unserem Kollegenkreis die Leidenschaft für dieses Kultobjekt“, blickt Patrick Baldo zurück. Im Jahre 2005 fuhr eine Gruppe unerschrockener Unterlandler zu einem europaweiten Vespa-Treffen an den Wörthersee, ein Jahr später hoben sie den Vespa-Club Margreid aus der Taufe. Aus den anfänglich 23 Mitgliedern wurden 53, seit jeher ist Patrick Baldo der Präsident. „Wir organisieren Feste und Fahrten, unterstützen uns gegenseitig mit Rat und Tat, es ist wie eine große Familie“, konstatiert der Vater von 2 Töchtern. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="923734_image" /></div> <BR /><BR />Vor rund 3 Jahren kam die Coronakrise auf, Patrick Baldos Gewerbe in der Veranstaltungs- und Pyrotechnik traf es besonders hart. Auf der anderen Seite hatte er plötzlich viel freie Zeit zur Verfügung. „Also habe ich mich in das Thema hineingefuchst, besuchte viele Messen und versuchte es nebenher als Vespa-Händler “, erzählt er. Um die Bauweise zu ergründen, zerlegte er einmal zusammen mit einem befreundeten Mechaniker eine Vespa in ihre Einzelteile, um sie danach wieder zusammenzuschrauben. So erarbeitet man sich das nötige Know-how. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="923737_image" /></div> <BR /><BR />Mittlerweile hat er seine hauptberuflichen Tätigkeiten wieder aufgenommen, das Standbein als Vespa-Händler möchte er auf jeden Fall weiterführen. Und so nennt er heute 9 Vespas sein Eigen, die will er nicht hergeben. Außer man unterbreitet ihm Angebote, die er nicht ausschlagen könne. Wenig bis gar nichts hält er dagegen von den neuen Modellen, die hätten zwar das typische Erscheinungsbild, aber ansonsten dominiere nur mehr Plastik. Aber klar, der Hersteller muss mit der Zeit gehen und neue Zielgruppen ansprechen. Patrick Baldo dagegen reist lieber weit zurück in die Zeit, in der alles begann. In die Zeiten der Raritäten und der Schmuckstücke. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR />