Samstag, 21. März 2015

Kurioser Club: Wie klatschen Donaldisten? Mit dem Mund!

Ein Vortrag zum Klima in Entenhausen oder dem Sexualleben der Ducks: Was klingt wie aus dem Drehbuch zu "Donald Duck" ist in Wirklichkeit voller Ernst. Denn: Wenn Donaldisten zusammenkommen, dann tauchen sie vollends ein in die Welt ihrer Comic-Helden Donald, Daisy und Dagobert Duck.

Die Anhänger von Donald Duck & Co. trafen sich in Schwerin.
Die Anhänger von Donald Duck & Co. trafen sich in Schwerin. - Foto: © STOL

Der Vortrag zum Klima in Entenhausen hat ihnen gefallen. Und dennoch rühren die Kongressteilnehmer keine Hand zum Applaus. Stattdessen schallt aus über 100 Kehlen laut und vielstimmig „Klatsch! Klatsch! Klatsch!“

Rainer Bechtel ist „PräsidEnte“ der „Deutschen Organisation der nichtkommerziellen Anhänger des lauteren Donaldismus“ (D.O.N.A.L.D.), die am Samstag in Schwerin ihre 38. Jahrestagung abhielt.

„Kindheit ohne Donald schrecklich!“ - 1000 Donaldisten in Deutschland:

Gerade zwei Mitglieder zähle der Verein in ganz Mecklenburg-Vorpommern, von bundesweit knapp 1000.

Micky-Maus-Hefte waren in der DDR nicht zu kaufen und so konnte sich der in den 70er und 80er Jahren im Westen entstandene Donaldismus im Osten Deutschlands nicht ausdehnen. „Eine Kindheit ohne Donald Duck, das ist die schrecklichste Vorstellung, die es gibt“, sagt der aus Bayern zugereiste Psychotherapeut Zarnack.

Sind Tick, Trick und Track Nichten oder Neffen?

So sei es nicht ganz gewesen, hält ihm die Grünen-Landespolitikerin Silke Gajek aus Schwerin entgegen. „Wir hatten schließlich Westfernsehen. Und da liefen Zeichentrickfilme mit Donald“, erzählt sie in ihrer Begrüßungsrede und treibt kurz darauf den Kennern mit ihrer Bemerkung über „Donalds Nichten“ tiefe Sorgenfalten auf die Stirn.

Tick, Trick und Track sind Enten-Jungs – und damit Donalds Neffen.

Doch auch mit ihrem Hinweis auf die Disney-Trickfilme im Fernsehen liegt Silke Gajek unwissentlich daneben.

Tausende Comic-Seiten mit Berichten aus Entenhausen

„Wir befassen uns ausschließlich mit den Comics, die Carl Barks gezeichnet und deren Texte Erika Fuchs ins Deutsche übertragen hat“, betont der Kölner Vermessungstechniker Bechtel. Diese seit den 50er Jahren meist in den deutschen Micky-Maus-Heften erschienen Duck-Comics brächten es zusammengenommen immerhin auf rund 8500 Seiten.

Der amerikanische Zeichner Carl Barks (1901-2000) gilt als Erfinder von Entenhausen, deren Bewohner zum Teil seiner Feder entstammen.

Der reiche Onkel Dagobert zum Beispiel und der erfindungsreiche Daniel Düsentrieb. 

Mit Zitaten der klassischen deutschen Literatur 

Die in Rostock geborene Erika Fuchs (1906-2005) sorgte als langjährige Chefredakteurin des deutschen Micky-Maus-Magazins von Bayern aus für die Texte. Wie Bechtel hervorhebt, verhalf sie den Comics zu neuer Qualität, indem sie die eher schlichte Wortwahl der amerikanischen Urfassungen nicht übernommen und teilweise sogar Zitate der klassischen deutschen Literatur eingeflochten habe.

Von diesen beiden Ikonen der Donaldisten leitet sich auch deren Philosophie ab: Barksismus-Donaldismus oder Barksismus-Fuchsismus.

Was ist mit dem Sexualleben der Ducks?

Alles hochwissenschaftlich, wie auch Forschungen zur Lokalisierung von Entenhausen, zum Sexualleben der Ducks oder zur außergewöhnlichen Synchronität der Donald-Neffen, bemerkt Bechtel mit rheinisch-frohnatürlichem Unterton.

dpa

stol