Mittwoch, 10. Januar 2018

Lebenstipps einer 27-Jährigen, die sterben musste

Dass der Tod uns allen irgendwann bevorsteht, wissen wir. Irgendwo im Hinterkopf. Aber im besten Fall droht der Sensenmann erst nach einem erfüllten, langen Leben. Holly Butcher musste sich sehr früh mit ihrem eigenen Tod auseinandersetzen. Die 27-Jährige starb vor wenigen Tagen an einer schweren Krankheit. Dies ist ihr Vermächtnis.

Holly Butcher im März 2017: Sie strahlt in die Kamera. Ein Lächeln, das sie jedem wünscht.
Holly Butcher im März 2017: Sie strahlt in die Kamera. Ein Lächeln, das sie jedem wünscht.

Holly Butcher aus Brisbane, Australien, war 27 Jahre alt, als sie am 4. Jänner einer schweren Krankheit erlag. Die junge Frau litt am Ewing-Sarkom, einem seltenen bösartigen Tumor, der die Knochen befällt und in vielen Fällen tödlich endet.

Sie starb friedlich und im Kreise ihrer Lieben, teilte die Familie auf Facebook mit.

Bevor Holly für immer ihre Augen schloss, machte sie es zu ihrer letzten Aufgabe, die Augen aller anderen zu öffnen – und machte in einem Abschiedsbrief noch einmal deutlich, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Über den lächerlichen Problemchen des Lebens stehen

„Ich bin 27 Jahre alt. Ich will nicht gehen. Ich liebe mein Leben. Ich bin glücklich… und das verdanke ich meinen Lieben. Aber es liegt leider nicht in meiner Hand“, schrieb Holly in dem Abschiedsbrief, der nach ihrem Tod auf Facebook veröffentlicht wurde.

Sie hätte in ihren letzten Monaten viel Zeit gehabt, über das Leben nachzudenken. Und ist zu dem Schluss gekommen: „Wenn ihr euch mal wieder über lächerliche Kleinigkeiten aufregt, dann denkt an Menschen, die wirkliche Probleme haben. Seid dankbar, dass es nicht schlimmer ist und kommt drüber hinweg.“

Lächerliche Kleinigkeiten: Damit meint Holly alltägliche Nervtöter wie im Stau stehen, Kratzer im frisch aufgetragenen Nagellack, ein schiefgelaufener Haarschnitt, zu kleine Brüste, zu breite Hüften.

„Lasst den ganzen Mist einfach los. Ich schwöre euch, das sind nicht die Dinge, die euch kurz vor eurem Tod beschäftigen werden. Ich sehe zu, wie mein Körper langsam verkümmert, und wünsche mir nichts sehnlicher als noch einen Geburtstag, noch ein Weihnachten mit meiner Familie, noch einen Tag mit meinem Partner und meinem Hund.“

„Investiert in Freunde, Reisen, Erfahrungen“

Wichtig seien hingegen Dinge wie Freundschaft, Familie, Zeit. „Verschwendet nicht die Zeit eines anderen, bloß weil ihr nicht pünktlich sein könnt.“

Anstatt sich dauernd neue Klamotten oder Beauty-Produkte zu kaufen, sollte das Geld besser investiert werden: In einen Kaffee oder ein Essen mit Freunden, in Reisen, in Erfahrungen jeglicher Art.

„Steht früh morgens auf, hört den Vögeln zu und schaut euch die wunderschönen Farben des Sonnenaufgangs an. Hört Musik – aber hört wirklich zu. Musik ist Therapie. Knuddelt euren Hund. Das werde ich sehr vermissen. Reist, wenn ihr wollt. Wenn nicht, lasst es. Arbeitet um zu leben. Lebt nicht, um zu arbeiten. Macht einfach das, was euer Herz glücklich macht. Esst den Kuchen. Ohne Schuldgefühle. Sagt nein zu Sachen, die ihr nicht machen wollt.“

„Geht Blut spenden“

Ein weiterer Tipp der mittlerweile Gestorbenen: „Sagt euren Lieben, wie sehr ihr sie liebt – immer und bei jeder Gelegenheit.“

Abschließend hatte Holly noch eine Bitte: Wer die Möglichkeit hat, sollte Blut spenden. „Es waren Blutspenden, die mir ein zusätzliches Jahr geschenkt haben – ein Jahr, für das ich ewig dankbar sein werde, das ich mit meiner Familie, meinen Freunden und meinem Hund hier auf Erden verbringen durfte. Ein Jahr, in dem ich einige der schönsten Momente meines Lebens erleben durfte. Bis wir uns wiedersehen. Hol (Kurzform von Holly).“

Der ganze Brief auf Facebook:

stol/liz

stol